Review

Zu Beginn von „Black Science Buch 4: Gotteswelt“ erleben wir einen konfusen und verwahrlosten McKay, der ohne sein Team, aber dafür in Begleitung eines skurrilen schwebenden Wesens umherstreift. Sein Geisteszustand ergibt sich exemplarisch aus dem folgenden Dialog:

„Ich bin wieder verwirrt … W-was hab ich gemacht?“

„Du suchst genügend Tellur, um einen Peilsender anzutreiben. Damit du deine Freunde und Familie lokalisieren kannst.“

„Richtig… und wer bin ich?“

„Ein Dauerjugendlicher, Anarchist, Dimensionaut, abwesender Vater und ziemlich guter Wissenschaftler. Dein Name ist Grant McKay.“

„Klingt vertraut.“

Unsere Hauptperson sieht sich also eines Großteils ihrer Erinnerungen beraubt. Der Anführer der Anarchistischen Liga der Wissenschaftler versucht dann zur Ruhe zu kommen, um Kraft für seine Mission zu schöpfen. 

Doch anschließend entführt uns Remender erst so richtig zu einem düster-psychedelischen und alptraumhaften Trip in die bewegte und unruhige Vergangenheit von Grant McKay. Es soll eine dunkle Reise in die versteckten Winkel des Seelenlebens seiner Figur sein; seine persönliche Hölle, die den Leser emotional mitnimmt. Wir sehen eine mehr als kriselnde Ehe (um nicht zu viel zu verraten) von Grants Eltern, welche tiefe Wunden und schwere Traumata in der Seele des damals noch kleinen Jungen hinterlassen haben. Diese einschneidenden Erfahrungen in der Kindheit prägten Grant bis ins Erwachsenenalter. Jetzt versucht er jedoch die Traumata, hervorgerufen vor allem durch die Missachtung seiner Mutter sowie einen schweren Schicksalsschlag betreffend seinen Vater, zu überwinden.

Mit dieser tiefgreifenden Charakterzeichnung gelingt es Rick Remender, seiner Geschichte erneut eine Facette hinzuzufügen. Nachdem die Story zuletzt insbesondere actiongeladen, unvorhersehbar und voller Spannung war, wird es hier sehr persönlich und emotional. Dies gelingt aber nicht minder großartig. Waren Grants Ängste und Verfehlungen bislang eher ein Randthema, stehen sie nun im Fokus und fesseln den Leser. Auch das Phänomen einer SelfFulfilling Prophecy ist hier gerade in der angespannten Beziehung zwischen Grant und seiner Mutter zu finden:

„Mama kam mit ihrem Leben nicht zurecht und gab dir die Schuld. Dafür hast du sie gehasst. Aber wenn man etwas lange genug hasst… wird man genauso.“

„Ich habe ihre Dauerkritik verinnerlicht. Ich war isoliert, hatte Angst vor Menschen…“

Gegen Ende von Band 4 soll dann noch erfolgreich die Brücke zu Band 3 geschlagen werden und der Kreis schließt sich wieder. Es kommt zu einer Konfrontation zwischen Grant und Rebecca.

Leseprobe aus „Black Science Buch 4: Gotteswelt“ (Copyright: Splitter Verlag)

Alles zuvor Gesagte soll hier nochmals bekräftigt werden. Die Story von „Black Science“ ist weiterhin fesselnd, hochinteressant und sehr ambitioniert; die Leser dürfen vor der komplexen Handlung keine Angst haben, denn dieser Comic ist absolut lesenswert.

Das Artwork des Künstlerduos Matteo Scalera und Moreno Dinisio ist abermals bahnbrechend und strotzt vor Kreativität; Zeichner und Kolorist legen die Messlatte immer höher. Als Folge dessen hinterlässt auch „Black Science Buch 4: Gotteswelt“ seinen Leser überwältigt von den großartigen Bildern und brillanten Szenerien; wahrlich ein atemberaubendes Science-Fiction-Kunstwerk.

Leider weist die Ausgabe einige Rechtschreib- und andere Fehler auf, was hier jedoch nicht in Abzug gebracht werden soll.

Schweren Herzens muss ich allen Fans der Serie zum Ende noch eine Hiobsbotschaft überbringen: Auf Nachfrage beim Splitter Verlag wurde mitgeteilt, dass „Black Science Buch 5“ erst Ende 2017 oder gar Anfang 2018 erscheinen wird. Wir müssen jetzt also alle stark sein. Kehrseite der Medaille ist aber, dass alle Comic-Leser, die immer noch nicht zugegriffen haben, jetzt ausreichend Zeit haben, um diese Lücke zu schließen und sich diesem Science-Fiction-Epos hinzugeben.

Inhalt

Grant McKay, der Anführer der Anarchistischen Liga der Wissenschaftler, hat das Unmögliche geschafft: Er hat die „Schwarze Wissenschaft“ dekodiert und mit seiner Erfindung, dem „Pfeiler“, die Mauern der Wirklichkeit durchbrochen. Doch etwas ist gründlich schiefgegangen, und Grants Crew treibt nun orientierungslos durch die Weiten des Eververse, wie schiffbrüchige, lebende Gespenster in einem unendlichen Ozean voller unbekannter Welten. Ihnen bleibt keine Wahl, als immer weiterzumachen. Die Frage ist: Wie weit zu gehen sind sie bereit, um wieder nach Hause zu gelangen?

Autor

Rick Remender
ist ein amerikanischer Comicautor und Künstler, geboren am 06. Februar 1973. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Marvels Uncanny Avengers, die Uncanny X-Force und Venom.

(Quelle: Wikipedia)

Rick Remender – Homepage
Rick Remender – Twitter

Details

Format: Hardcover – Bookformat
Vö-Datum: 01.05.2017
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3-95839-378-3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)