Review

Zu den Sternen

Der Wissenschaftler Jim Robinson will in den 40er Jahren nicht weniger als zu den Sternen aufbrechen und unseren Blauen Planeten hinter sich lassen. Zum Ziel gesetzt hat er sich die Entdeckung der Para-Zone.

Schon bald hat es das Militär auf die bahnbrechende Arbeit des ambitionierten Forschers abgesehen und will sie zu einer Waffe umwidmen. Durch die staatliche Förderung über alle Maßen beschwingt und in der Hoffnung auf Wohlstand für seine kleine Familie, stürzt sich Jimmy Robinson immer tiefer in die Arbeit und verbringt noch mehr Zeit in seinem Labor in der Sternwarte – zum Leidwesen seiner Ehefrau. Bis er sich eines Tages entschließt, seine Entdeckung für sich selbst zu nutzen und der Superheld Doctor Star des Goldenen Zeitalters der Superhelden zu werden. Über diese Triumphe entfremdet sich der Ehemann und Vater Jimmy Robinson allerdings mehr und mehr emotional von Frau und Kind. So wird wiederholt der Wunsch des Sohnes nach der Aufmerksamkeit des Vaters zurückgewiesen und die familiären Bedürfnisse hintangestellt.

Über sein Wirken als Forscher und mächtiger Held Doctor Star hat Jim Robinson sein Privatleben derart aufgeschoben, dass er nicht bemerkt, dass es für eine zweite Chance eines Tages zu spät sein könnte …

Hommage an das Goldene Zeitalter

„Black Hammer: Doctor Star & das Reich der verlorenen Hoffnung“ strotzt zunächst von den schon jetzt gewohnten Stärken des Hammerverse des kanadischen Comic-Spezialisten Jeff Lemire (nicht umsonst die Nummer 1 unserer Comic-Highlights des Jahres 2018).

Lemire erweist hier vor allem dem Goldenen Zeitalter der Superhelden-Comics seine Reverenz. So ist sein Doctor Star Jim Robinson offenkundig eine Hommage an Starman Jack Knight von James Robinson (!) und Tony Harris.
Es finden sich hinsichtlich der Figur indes auch Parallelen und deutliche Verweise auf Green Lantern und das Green Lantern Corps. Beispielsweise wenn Sternenvater Doctor Star im Laufe der Geschichte die Star Sheriff Squadron um sich schart, die seinem Vorbild nacheifert.
Mit der Heldentruppe Liberty Squadron findet sich außerdem noch eine liebevolle Anspielung auf die klassische Justice Society of America.

Anrührendes Familiendrama

Über diese liebevoll gespickte, vordergründige Heldengeschichte aus Lemires Universum hinaus ist „Black Hammer: Doctor Star & das Reich der verlorenen Hoffnung“ aber zuvorderst ein zutiefst bewegendes und melancholisches Familiendrama um einen Superhelden-Vater, der die Zuneigung seiner geliebten Familie durch seinen überambitionierten Einsatz in anderen Lebensbereichen leichtfertig aufs Spiel setzt.

Einsamkeit, Verlust und Schuld sind die ständigen Begleiter eines abgehalfterten und verblassten Helden, der an der Seite weiterer in Vergessenheit geratener Helden sein Unglück in seiner Stammkneipe zu ertränken versucht. Hier findet sich eine wunderbare Hommage an einen gerupften Hawkman.

Leseprobe aus „Black Hammer: Doctor Star & das Reich der verlorenen Hoffnung“ (Copyright: Splitter Verlag)

Ein einsamer Vater, der versucht, sich einem Sohn zu nähern, den er kaum kennt.

Der brillante Max Fiumara 

Akzentuiert wird diese durchgehend melancholische, anrührende und stimmungsvolle Familientragödie durch die atmosphärisch passenden Zeichnungen von „Abe Sapien“-Zeichner Max Fiumara („Geschichten aus dem Hellboy-Universum 7“).

Der Künstler brilliert hier in jeder Hinsicht, liefert herrliche Charakterdesigns und präsentiert sowohl die pompösen Weltraumabenteuer als auch die intimen Momente innerhalb der Familie mit einer Bravour, die ihresgleichen sucht.

Abgerundet wird das großartige Artwork durch die Farben des Hellboy-Veteranen Dave Stewart, der wie gewohnt abliefert und stimmungsvoll passende, verblasste Farben beisteuert.

Fazit

Auch das neueste Werk aus der Welt von „Black Hammer“ überzeugt auf ganzer Linie. Dabei kann „Black Hammer: Doctor Star & das Reich der verlorenen Hoffnung“ sowohl als Ergänzung zur Hauptserie, aber auch als eigenständiger Titel überzeugen, der sich auch für Leser ohne Vorkenntnisse anbietet.

Das Spin-off ist eine umwerfende Weltraumoper, niemals plumpe Seifenoper, die das Fundament für eine ergreifende Familiengeschichte bietet. 

Inhalt

Die Faszination »Black Hammer« erschöpft sich nicht mit der Haupthandlung der Serie, und so lernen wir in »Doctor Star« eine der prominenten wie tragischen Nebenfiguren aus Lemires Universum kennen. Diesmal gibt sich »Abe Sapien«-Zeichner Max Fiumara die Ehre, diese Geschichte um verlorene Träume im zweiten Weltkrieg in berührende Bilder zu fassen.

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Jeff Lemire
(*21. März 1976) ist ein kanadischer Comicautor und Autor.
Lemire ist bekannt für seine launischen, humanistischen Geschichten und seinen skizzenhaften, filmischen Schwarzweiß-Zeichenstil.

(Quelle: Wikipedia)

Jeff Lemire – Homepage
Jeff Lemire – Twitter

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 01.01.2019
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3-96219-039-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)