Review

Für Jeff Lemire- und „Black Hammer“-Verhältnisse ist mittlerweile eine fast unerhört lange Wartezeit und Durststrecke seit Erscheinen des letzten Spin-off-Bandes ins Land gegangen (bisher erschienene Spin-offs: „Black Hammer ’45“, „Black Hammer: Straßen von Spiral City“, „Black Hammer: Quantum Age“, „Black Hammer: Doctor Star & das Reich der verlorenen Hoffnung“, „Black Hammer: Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels“).

Nunmehr liegt allerdings mit „Black Hammer: Colonel Weird – Cosmagog“ die nächste vierteilige Miniserie komplett auf Deutsch vor.

Ob die Geschichte rund um den Silver Age-Sci-Fi-Superhelden zu überzeugen vermag, das berichten wir euch hier.

Durch Zeit und Raum

Ein deutlich grauer und zerzauster Colonel Randall Weird streift einsam und allein durch die karge Ödnis, bis er eine verlassene Tankstelle im Nirgendwo erreicht. Diese scheint ein Portal durch Raum und Zeit zu beherbergen.
Anschließend trifft der Weltraumheld auf verschiedene jüngere Versionen seiner selbst. Es beginnt damit nicht nur eine bizarre Reise durch das Multiversum, sondern vor allem eine Superhelden-Selbstfindung – die Suche nach dem eigenen Ich.

Auf dieser Reise durch die Raumzeit kommt Weird zu einer erschreckenden Erkenntnis. Einerseits hat er umfassende Kenntnis vom Universum und tiefgreifendes Verständnis über kosmische Prozesse; er weiß alles, was geschehen ist, was – in diesem Moment – geschieht und auch das, was noch passieren wird. Andererseits hat er eine ganz wichtige Sache vergessen – und die fällt ihm partout nicht ein.

Malerische Reise durch das Multiversum

Bislang war Colonel Randall Weird eher eines der unbeschriebeneren Blätter aus dem reichen Fundus der großartigen Figuren aus dem „Hammerverse“. Dem ist nun nicht mehr so.

Jeff Lemire präsentiert uns zwar – gerade zu Beginn – einen Colonel Weird, wie wir ihn bis zu diesem Zeitpunkt primär kennengelernt haben – und zwar durchgedreht. Hier werden nun aber auch die Facetten dieses faszinierenden Charakters durchleuchtet.
So sehen wir etwa den kleinen Jungen Randy, der in den 40ern auf einer amerikanischen Farm aufwächst; den smarten und abenteuerlustigen Held und Raumfahrer Weird; einen „70s Flower Power“-Weirdo; sowie darüber hinaus einen noch nicht ganz so abgewrackten und weniger verrückten Colonel.
Geeint sind alle diese Weirds – mal mehr und mal weniger – durch anhaltende Traurigkeit und das Gefühl des Alleinseins.

Doch es gibt Hoffnung. Natürlich gibt es Hoffnung. Dies ist ein Jeff Lemire-Comic.

Leseprobe aus „Black Hammer: Colonel Weird – Cosmagog“.
(Copyright: Splitter Verlag)

Und so ist das Ganze auf der Oberfläche zwar eine Hommage an das sogenannte „Silver Age of Comics“ (und die damit zusammenhängenden Themen wie Zeitgeist der 60er Jahre,  Raumfahrt, verschiedene Dimensionen etc.), deren Verkörperung Colonel Weird in den Geschichten aus dem „Black Hammer“-Universum ist. Vor allem ist dieser Band indes eine zutiefst menschliche Geschichte, die von dem Versuch erzählt, das Vergessen zu überwinden, und insbesondere den Wert der Freundschaft in den Fokus stellt.

So kommt es nicht von ungefähr, dass das Cover zur US-Ausgabe „Colonel Weird: Cosmagog #4“ dem Werk „Der kleine Prinz“ des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry die Ehre erweist. Hier wie dort wird die Frage nach der Menschlichkeit gestellt sowie dem Geheimnis der Liebe und der Freundschaft nachgegangen.

Obwohl die Ausgabe insgesamt jedoch nicht den ganz großen Tiefgang bietet, vereinzelt nur an der Oberfläche kratzt und gerade die Auflösung ein wenig zu wünschen übrig lässt, lohnt sich „Black Hammer: Colonel Weird – Cosmagog“ für alle Freunde dieses neuen Superhelden-Universums. Die Entwicklung und die Charakterzeichnung von Weird erfährt vorliegend ein erhebliches Plus und außerdem bekommt der Leser Einblick in einige Hintergründe der Hauptgeschichte.

Nicht zuletzt seien die großartigen Bilder von Tyler Crook mit Applaus bedacht. Es ist eine skurrile, surrealistische Inszenierung – augenscheinlich unter Einsatz von Wasserfarben -, die vortrefflich mit der Erzählweise harmoniert.

Fazit

Und abermals ist die bunte und vielseitige Welt des „Black Hammer“-Universums um einen außergewöhnlichen und exotischen Titel reicher.


Black Hammer: Colonel Weird – Cosmagog

Inhalt

Kommt mit auf eine absolut bizarre Reise durch das Multiversum! Folgt Colonel Randall Weird, dem berühmten Helden und Weltraumabenteurer und durchquert Seite an Seite mit ihm Zeit und Raum auf der Suche nach etwas, das Weird vor langer Zeit verloren und vergessen hat. Es könnte der Schlüssel zu allem sein! Oder auch nicht! Findet es heraus! Wenn ihr die multifraktionale Diversion der Raumzeit übersteht …

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Jeff Lemire
(*21. März 1976) ist ein kanadischer Comicautor und Autor.
Lemire ist bekannt für seine launischen, humanistischen Geschichten und seinen skizzenhaften, filmischen Schwarzweiß-Zeichenstil.

(Quelle: Wikipedia)

Jeff Lemire – Homepage | Jeff Lemire – Twitter

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 29.01.2021
Seitenzahl: 112
ISBN: 978-3-96219-436-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)