Review

Das nächste Spin-off aus dem >Black Hammer<-Universum

Nach einem kurzen Ausflug in die brutale Welt des Bastardkönigs mit „Berserker Unbound“, steht auch schon der nächste Titel aus Jeff Lemires „Hammerverse“ bereit, und will gelesen und besprochen werden.

Mit „Black Hammer ’45“ liegt mittlerweile bereits das fünfte Spin-off (!) aus dieser wunderbaren Superhelden-Welt vor (zuvor: „Black Hammer: Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels“, „Black Hammer: Doctor Star & das Reich der verlorenen Hoffnung“, „Black Hammer: Quantum Age“, „Black Hammer: Straßen von Spiral City“).

Erstmals stammt die Story dabei nicht allein aus der Feder von Alleskönner Jeff Lemire. Die Geschichte über die Black-Hammer-Schwadron, eine Eliteeinheit der Air Force, entwickelte Lemire vielmehr in Zusammenarbeit mit seinem kanadischen Kollegen Ray Fawkes. Wie gut diese Kollaboration der kanadischen Comic-Spezialisten funktioniert hat, verraten wir euch hier.

Black Hammer Squadron in World War II

Es ist das Goldene Zeitalter der Superhelden, der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu, doch einige heikle Missionen stehen noch aus. In diesen Zeiten kann man sich auf die Black Hammer Squadron verlassen. Eine weltberühmte Eliteeinheit, die die größten Schlachten der Welt geschlagen und sich dem Bösen, vor allem Adolf Hitler und den Nazis, in den Weg gestellt hat. Kurz vor dem wohlverdienten Ruhestand wartet jedoch noch eine besonders wichtige Geheimmission. Die Schwadron soll in ein namenloses Gefangenenlager nahe Wien vordringen und dort eine Familie von besonderem Interesse für die Nazis befreien und in Sicherheit bringen.

Auf ihrer beschwerlichen Mission treffen die Soldaten auf den heldenhaften Abraham Slam, einen übermächtigen Nazi-Gott, einen riesigen russischen Mecha sowie nicht zuletzt den Ghost Hunter, den weißen Tod der Nazis.

Bewertung

„Black Hammer ’45“ verkörpert in jeglicher Hinsicht einen Comic aus dem Goldenen Zeitalter der Superhelden, in dem Ray Fawkes und Jeff Lemire einen Ausschnitt von ihrer Version des Zweiten Weltkriegs präsentieren. Indessen ist das fünfte Spin-off aus der bislang gnadenlos guten und vor allem konstanten Reihe das erste Buch, bei welchem dem Leser nicht die Superlative ausgehen. Die Story ist bisweilen gefühlvoll inszeniert und überwiegend solide erzählt, allerdings ohne zu überragen.

Anfangs wollten die Zeitungen wegen unserer Hautfarbe kein großes Aufheben um uns machen. Aber schließlich sagten sie, dass wir immer alles gaben, was in uns steckte. Verzeiht mir, aber da lagen sie nicht ganz richtig… Wir gaben immer das Fünffache von dem, was in uns steckte.

Zitat aus „Black Hammer ’45“, Splitter Verlag

Einen besonderen Gehalt erlangt das Buch dadurch, dass sich Fawkes und Lemire für Protagonisten mit dunkler Hautfarbe entschieden haben. Wie groß der Wunsch – gerade in der US-Bevölkerung – nach Diversität in der Kunst und Kultur ist, hat unlängst Ryan Cooglers „Black Panther“-Film bewiesen.

Darüber hinaus widmen sich die Autoren damit einem weiteren Thema von sowohl geschichtlicher wie aktueller Bedeutung: Die Rolle schwarzer Soldaten in den Armeen der westlichen Welt. Eine Geschichte von Diskriminierung und eine Geschichte von vergessenem Ruhm und vergessener Anerkennung für den Kampf für die gerechte Sache. Ob Unabhängigkeitskrieg, Bürgerkrieg, Vietnamkrieg oder Zweiter Weltkrieg, die Schwarzen zogen an der Seite der Weißen zu Felde, doch galten sie oftmals als Menschen zweiter Klasse. Die offenkundige Diskriminierung schwarzer Soldaten in der US-Armee dauerte jedenfalls bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg an. Und der kürzliche Todesfall von George Floyd hat die gesamtgesellschaftlichen Probleme wieder einmal schmerzlich in Erinnerung gebracht.

Leseprobe aus „Black Hammer ’45“. (Copyright: Splitter Verlag)

Abgesehen von der Gewichtigkeit des Themas vermag das Buch über die Black Hammer Squadron leider nur sporadisch zu überzeugen. „Black Hammer ’45“ kratzt in dieser Hinsicht thematisch nur an der Oberfläche.

Auch eine tiefergehende Einführung der Charaktere oder der historischen Hintergründe wird nicht wirklich dargeboten.
So sind dem Leser die Helden der Geschichte bis zum Ende nicht wirklich vertraut, über deren Wesen und Entwicklung erfahren wir zu wenig.

Die Zeichnungen von Matt Kindt und die Farben von Sharlene Kindt wirken für den historischen Kontext sicherlich zeitgemäß, sind allerdings eher von schlichter Natur und wahren nicht das gewohnt hohe Niveau der Reihe.

Fazit

Die Schlagzeile des Tages: Jeff Lemire ist doch nur ein Mensch.
Nach gefühlt unzähligen prachtvollen und umwerfenden „Black Hammer“-Titeln kommt mit „Black Hammer ’45“ ein Comic daher, der durchaus nett und lesenswert, insgesamt aber nicht überragend ist. Wer das Universum bislang mit Freude verfolgt hat, wird sich jedoch auch dieses Alternate-History-Abenteuer nicht entgehen lassen. Und wer den kanadischen Spezialisten für ausgefallene Storys mittlerweile kennt, der weiß, der nächste Volltreffer kommt ganz bestimmt.

Inhalt

Während des Goldenen Zeitalters der Superhelden wurde eine Eliteeinheit der Air Force geschaffen, um die Achsenmächte zu bekämpfen. Ihr Name: Die Black-Hammer-Schwadron. Die Deutschen entfesseln okkulte Kräfte, um das Team davon anzuhalten, eine Wissenschaftlerfamilie aus den Klauen der Nazis zu retten. Und der mysteriöse und gefährliche Ghost Hunter ist ebenfalls hinter ihnen her!

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Jeff Lemire
(*21. März 1976) ist ein kanadischer Comicautor und Autor.
Lemire ist bekannt für seine launischen, humanistischen Geschichten und seinen skizzenhaften, filmischen Schwarzweiß-Zeichenstil.

(Quelle: Wikipedia)

Jeff Lemire – Homepage | Jeff Lemire – Twitter

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 24.01.2020
Seitenzahl: 120
ISBN: 978-3-96219-433-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)