Review

Jeff Lemires Superhelden-Wunderkind

Zuletzt haben wir uns das Spin-off „Black Hammer: Straßen von Spiral City“ aus dem ständig und unaufhaltsam wachsenden „Hammerverse“ von Jeff Lemire und Dean Ormston angeschaut und nun geht es in „Black Hammer 4: Age of Doom Buch 2“ auch endlich mit der Hauptstory um unsere liebgewonnenen Superhelden und Beschützer von Spiral City weiter.

Story Twist / Spoiler

Um den Inhalt des neuen Bandes wiedergeben und besprechen zu können, lassen sich gewisse Spoiler im Hinblick auf die „Age of Doom“Storyline leider nicht vermeiden. Wer das aktuelle Abenteuer noch gänzlich unbefleckt genießen möchte, sollte daher jedenfalls diesen Abschnitt aussparen oder ggf. die gesamte Review erst später lesen.

Nach dem existenzgefährdenden Kampf gegen den Superschurken Anti-Gott hat der kosmische Held Colonel Randall Weird die Zusammenhänge des Universums verstanden. Solange er und seine Superhelden-Freunde existierten, würde auch immer wieder der Anti-Gott einen Weg zurückfinden, um das Gleichgewicht der Kräfte und Mächte wiederherzustellen. Daher fassten der Colonel und die mystische Madame Dragonfly einen waghalsigen Plan. Colonel Weird versetzte seine Freunde nach dem Kampf in tiefen Schlaf und Dragonfly verzauberte sie mit einem aufwendigen Zauber. Im Geist ihrer Gefährten erschuf die Magierin eine neue kollektive Realität, in der sie friedlich zusammenleben konnten: Die mysteriöse Farm in Rockwood. Insbesondere Abraham Slam ist darüber erbost und verzweifelt, denn schließlich hat er in Rockwood seine – imaginäre – große Liebe gefunden.

Age of Doom 2

Für Trauer bleibt jedoch keine Zeit. Colonel Weird hat seine Gefährten durch die verrückte Para-Zone in die Realität zurückgeführt. Zumindest teilweise, denn Weird selbst ist nicht in der Welt von Spiral City gelandet. Stattdessen muss er sich durch eine triste Welt schlagen, in welcher er auf merkwürdige Gesellen wie sprechende Insekten, tierische Rächer, Ritter oder auch Soldaten trifft. Es handelt sich um nicht gebrauchte bzw. nicht umgesetzte Figuren aus nie vollendeten Geschichten. Zunächst scheint es so, als müsse Weird mit diesen bis in alle Ewigkeit sein Dasein fristen.

Abraham Slam, Golden Gail, Madame Dragonfly und Roboter Talkie-Walkie sind derweil zurück in Spiral City, während Barbalien zurück in seiner Rolle als der Kriegsherr vom Mars ist. Lucy Weber, die das Erbe ihres Vaters angetreten und die neue Black Hammer ist, kann sich ebenso wenig an ihr Leben als Superheldin erinnern, wie ihre Superhelden-Kollegen. Die Rückkehr aus der Para-Zone hat das Gedächtnis der Rächer gelöscht. Sie führen in dieser neuen Welt allesamt triste, einsame und unbedeutende Durchschnittsleben. Einzig Talkie-Walkie ist sich noch der Existenz von großen Superhelden früherer Tage bewusst und so liegt es an ihm, seine Mitstreiter wachzurütteln, bevor der Anti-Gott die Erde erneut heimsucht …

Kein Ende in Sicht

Die Erfolgsserie reißt nicht ab für Jeff Lemire und Dean Ormston. Auch mit „Black Hammer 4: Age of Doom Buch 2“ hält das Duo spielerisch das hohe Niveau der Reihe. Clever konstruiert, spannend und liebevoll erzählt.

Leseprobe aus „Black Hammer 4: Age of Doom Buch 2“.
(Copyright: Splitter Verlag)

Gleich zu Beginn überzeugt das „Meta“-Kapitel, in dem Colonel Weird auf die nicht gewollten bzw. nicht umgesetzten Figuren der Comic-Welt trifft und droht, in die Bedeutungslosigkeit abzustürzen. Dabei trifft der Colonel auch auf die Comic-Schaffenden, die passenderweise die Schöpfer genannt werden.

Hier gibt es auch gezielte Seitenhiebe gegen die Mainstream-Kultur- und Comic-Industrie, wenn ein großes Insekt auf die Vielzahl der postapokalyptischen Szenarien hinweist, die die „Bosse“ so sehr lieben.
Selbstverständlich balanciert Lemire das Ganze mit einem schelmischen Augenzwinkern aus.

Das Artwork weiß in diesem Abschnitt leider weniger als üblicherweise und als in der übrigen Ausgabe zu überzeugen.

Im Übrigen ist die gesamte Story natürlich eine Hommage an die gerade für Superhelden so typischen Reboots, wie sie immer wieder bei Marvel und DC stattfinden. Kostprobe gefällig?

„Ein im Zeitstrom verschollener, längst vergessener Superheld kämpf sich zurück in die Realität. Auf einmal erwachen in Batman, Flash und vielen ihrer Kampfgefährten Erinnerungen an eine Welt, wie sie früher war. Während Vergangenheit und Gegenwart zu einer neuen Wirklichkeit verschmelzen, stellt sich den Helden die Frage, wer ihre Realität so lange manipuliert hat …“

(Quelle: Klappentext des Sammelbandes „DC Rebirth“ aus der Feder von Geoff Johns, Panini Comics)

Abgesehen von den Namen der Superhelden könnte dies freilich auch der Klappentext für „Black Hammer 4: Age of Doom Buch 2“ sein. Lemire nutzt die bekannten Klischees für frische Abenteuer mit eigenen kreativen Ideen.

Und zum Abschluss hin gelingt es ihm auch noch, ein glückliches und berührendes Ende für seine Superhelden zu schaffen.

Fazit

Auch der neue „Black Hammer“-Band überzeugt wieder und drängt den Leser geradezu, die Ausgabe – trotz des recht beträchtlichen Umfangs von rund 200 Seiten – am Stück verschlingen zu müssen. Das Artwork ist überwiegend – gewohnt – großartig und das Finale beschert den Beschützern von Spiral City ein glückliches und würdiges Ende.

Comic-Trailer

Inhalt

Lucy Weber hat das Erbe ihres Vaters angetreten und ist der neue Black Hammer. Aber genau in dem Moment, als sie unseren Helden offenbaren will, wie sie auf der Farm gestrandet sind – und wie sie ihr entkommen können -, verschwindet sie. Unsere junge Heldin landet in einer rauen Welt voll mit Zombie-Säufern, bizarren Göttern, anthropomorphen Menschen, absurden Helden und zahllosen weiteren Irren – eine verrückte Welt, von der es kein Entkommen gibt!

(Quelle: Splitter Verlag)

Künstler

Jeff Lemire
(*21. März 1976) ist ein kanadischer Comicautor und Autor.
Lemire ist bekannt für seine launischen, humanistischen Geschichten und seinen skizzenhaften, filmischen Schwarzweiß-Zeichenstil.

(Quelle: Wikipedia)

Jeff Lemire – Homepage | Jeff Lemire – Twitter

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 22.11.2019
Seitenzahl: 192
ISBN: 978-3-96219-042-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)