Review

Die Rückkehrer 

Mit „Birds of Prey: Das Kartell der Teufelsbräute“ meldet sich der erfolgreiche Autor Brian Azzarello („Batman: Kaputte Stadt und weitere Geschichten“, „Batman/Deathblow: Nach dem Feuer“) bei DCs Black Label zurück, nachdem er zuvor bereits die dreibändige Saga „Batman: Damned“ (zuletzt: „Batman: Damned 3 (von 3)“) vorgelegt hatte.

Darüber hinaus melden sich die Birds of Prey, und zwar Harley Quinn, Detective Renee Montoya, Huntress und Black Canary, nach ihrem knallbunten Auslug mit Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ auf die große Leinwand in ihrem Ursprungsmedium der Comic-Bücher zurück.

Ob das zusammenpasst, erfahrt ihr hier.

Macht des Kartells

Die schrille Clownprinzessin Harley Quinn wird wegen guter Führung nicht nur aus dem Knast, sondern von der Regierungsagentin Amanda Waller auch aus den Diensten der Suicide Squad entlassen. Nunmehr möchte Harley als Verbrecherjägerin in Erscheinung treten. Deshalb kommt es ihr nicht ungelegen, dass sich ein gnadenloses Drogenkartell in Gotham City niederlassen will – die Esposas De La Muerte, die Teufelsbräute.

Auf deren Spur sind auch Detective Montoya und die eiskalte Huntress. Letztere hat es sich nach dem Tod ihrer Familie zur Lebensaufgabe gemacht, Krieg gegen das Verbrechen und das Böse zu führen. Auch Black Canary hat eine Rechnung mit dem Drogenkartell offen, denn schließlich haben die Gangster einen alten Bekannten kaltblütig zur Strecke gebracht. Die Rettung von Gotham wird allerdings noch dadurch erschwert, dass es der Joker mit seiner Bande auf seine abtrünnige Ex-Freundin Harley abgesehen hat.

Ein Satz mit X

Brian Azzarellos schwieriges, interpretationsoffenes und konkretisierungsbedürftiges Werk „Batman: Damned“ ist sicherlich weder das beste noch das schlechteste Buch, das unter dem Black Label erschienen ist. Sein schwacher Beitrag zu den Birds of Prey ist indes ein heißer Kandidat für die rote Laterne unter diesen Titeln.

Leseprobe aus „Birds of Prey: Das Kartell der Teufelsbräute“. (Copyright: Panini Comics)

„Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ war freilich auch kein sonderlich großer Kino-Erfolg. Allerdings zeichnete sich der Film durch Witz und Charme (insbesondere den von Protagonistin Margot Robbie) sowie eine gewisse Erzähllust und Experimentierfreude aus. Nichts dergleichen hat das vorliegende Einzelabenteuer zu bieten.
Es macht auch zu keiner Zeit den Eindruck, als hätte Azzarello wirklich Lust auf dieses Projekt gehabt – das ist im besten Fall Dienst nach Vorschrift. Mit Ausnahme von Harley erfährt keine der Figuren, ganz gleich, ob Heldin oder Schurke, eine inhaltliche Ausgestaltung; geschweige denn, dass sie mit Leben gefüllt werden.

Die kurzweilige Handlung schreitet rasch voran, ohne auch nur irgendetwas Erinnerungswürdiges anzubieten. Es gelingt Brian Azzarello zu keiner Zeit, seine inhaltliche Einfallslosigkeit zu kaschieren; zeitweise hat man nicht einmal den Eindruck, dass er es wenigstens versuchen würde. Auch das Drogenkartell präsentiert sich reichlich schablonenhaft und muss sich bisweilen womöglich den Vorwurf rassistischer Tendenzen gefallen lassen.

Die visuelle Gestaltung von Zeichnerin Emanuela Lupacchino vermag das Ganze vor einem Desaster zu bewahren. Sie kleidet Azzarellos Werk in unerwartet charmante und humorvolle Bilder; üblicherweise verbindet man mit dem Autor eher atmosphärisch dichte und düstere Bilder. Lupacchinos Actionszenen sehen zwar nicht durchgehend gelungen aus, doch sie schafft es, dass man den Comic gerne durchblättert.

Fazit

Von Brian Azzarello und auch vom Black Label ist man eine ganz andere Qualität gewohnt. Die extrem schlichte und dröge Handlung wird von durchweg blassen Charakteren noch übertroffen.


Birds of Prey: Das Kartell der Teufelsbräute

Inhalt

Eine neue, eigenständige Geschichte mit den Birds of Prey!

Harley Quinn scheint verrückter als je zuvor, will sie doch unbedingt eine Heldin werden. Doch vielleicht ist die Idee gar nicht so schlecht, denn Renee Montoya, Huntress und Black Canary können in ihrem Kampf gegen ein gnadenloses Drogenkartell jede Hilfe gebrauchen.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Brian Azzarello
ist ein US-amerikanischer Comicautor, der unter anderem für die 100 Bullets-Reihe, eine Kurzepisode für Flinch, Episoden für Hellblazer und diverse andere Marvel/DC-Mainstream-Serien schreibt. 100 Bullets gewann 2002 sowohl den Harvey Award als auch den Eisner Award für die beste fortlaufende Serie.

(Quelle: Wikipedia)

Brian Azzarello – Twitter

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 19.01.2021
Seitenzahl: 100
Storys: Birds of Prey (2020) 1
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)