Review

Bela B. Felsenheimer näher vorzustellen, erübrigt sich vermutlich allein schon aufgrund seiner Erfolge mit und Bekanntheit durch seine Band Die Ärzte. Abseits davon ist er seit geraumer Zeit zudem als Schauspieler, Schriftsteller und Synchronsprecher aktiv. Mit „Scharnow“ erschien kürzlich sein Romandebüt im Heyne Hardcore Verlag, das ebenfalls in der dieser Rezension zugrunde liegenden Hörbuchfassung aus dem Hause Random House Audio erhältlich ist.

>Scharnow< als Hörbuch

„Scharnow“ wird darauf als ungekürzte und inszenierte Lesung auf 2 mp3-CDs präsentiert und erstreckt sich auf eine Gesamtspielzeit von etwa 10 Stunden und 33 Minuten.

Der Länge kommt die Art der Hörbuchpräsentation zugute. Sowohl die Tatsache, dass Autor Bela B selbst die Rolle des Lesers übernimmt, als auch die Inszenierung, indem der Handlung durch ein partiell eingesetztes, passendes Sounddesign zusätzlich zur angenehmen und lebendigen Lesart Ausdruck verliehen wird, peppen die Veröffentlichung auf, halten den Hörer bei der Stange und setzen das Hörbuch von anderen „herkömmlichen“ Hörbüchern ab.

Insgesamt wird durch die Machart von „Scharnow“ als Lesung somit schon einmal mehr geboten, als bei diesem Format sonst üblich ist.

Weitere Abwechslung erfährt die Lesung durch das Auftreten der Stimme von Radio-/Fernsehmoderatorin und Redakteurin Silke Super, die hier stellenweise als Gastsprecherin fungiert und durch einige Kapitel führt.
Nicht zuletzt dient diese sprecherische Aufteilung zudem der Strukturierung des Romans. So übernimmt sie beispielsweise die Lesung eines Zwischenspiels und verhilft dem Hörer so, den Überblick über die diversen Perspektivwechsel zu bewahren.

Zum Inhalt

Von Letztgenannten sowie von einzelnen Handlungssträngen und unterschiedlichen Figuren gibt es in „Scharnow“ viele. Doch worum geht es eigentlich?

Der Klappentext verrät:

Bela B Felsenheimer entfesselt in der deutschen Provinz einen wilden Tornado der Ereignisse, der sich in die ganze Welt auszubreiten droht.

Dabei ist die Rede von Agenten einer Universalmacht, mordlustigen Büchern, Biernotstand bei einem Pakt der Glücklichen, der Liebe zwischen einem Mangamädchen und einem syrischen Praktikanten und nicht zu vergessen von homosexuellen Eichhörnchen.

Mitunter gar kafkaesk entfaltet sich eine Handlung, die zwischen Realität und Surrealität changiert. Dabei kommt sowohl ein Humor zum Vorschein, der sicherlich nicht jedermanns Sache sein wird, als auch Trash- und Ekel-Momente, die den „guten“ Geschmack des Zuhörers auf die Probe stellen. Detailreich und teils akustisch mehr als erforderlich in Szene gesetzt schildert Bela B diesbezüglich u.a. das Entfernen von Ohrenschmalz, die schwallartige Entleerung des Mageninhaltes durch den Mund oder diverse Entlüftungen des Darms. Na hossa!

Apropos „hossa“: Rex Gildos „Fiesta Mexicana“ findet ebenfalls Eingang in den Roman und unterstützt die Lebendigkeit der Lesung, indem Bela B selbst den Titel anstimmt. Eine weitere unterhaltsame Absurdität von „Scharnow“.

Bela B Felsenheimer (Copyright: Konstanze Habermann)

Wird nicht gesungen, werden u.a Haustiere erschossen, nackt Supermärkte überfallen oder Verschwörungstheorien abgehandelt. Inmitten dieser Skurrilitäten bindet Bela B zudem aber auch ernste und zeitaktuelle Themen ein.
Doch ob realistisch, gesellschaftskritisch, skurril oder surreal – der Hörer wird nicht alles gleichermaßen mögen. Je nachdem, welche Stellen daher präferiert werden, ziehen sich die anderen gerne mal etwas in die Länge. Diese Phasen hätten daher etwas knackiger auf den Punkt gebracht werden, teils sogar etwas zugespitzter ausfallen können.

Zugang zu den einzelnen Figuren zu finden, stellt sich außerdem des Öfteren schwerer als gedacht dar, da jene durch ihre ganz individuellen Probleme und Biografien nur selten Identifikationspotenzial aufweisen. Vermehrt überzeichnet bleibt dadurch eine gewisse Distanz bestehen, die auch durch das offen ausfallende Ende bis zur letzten Sekunde bleibt.

Fazit

„Scharnow“ ist alles in allem kein Roman, der jedem und/oder von Anfang bis Ende gefallen wird. Dennoch hat er seine guten Momente – und davon sehr viele. Fern von einer massenkompatiblen Belletristik kann Bela B mit seiner ganz eigenen Art Humor daher durchaus punkten. Ein bisschen Freigeist sein, schadet jedoch nicht, um mit dem Inhalt warm zu werden. Pluspunkte gibt es indes ausnahmslos für die Inszenierung des Hörbuchs.

Hörprobe

Trailer

Handlung

In Scharnow, einem Dorf nördlich von Berlin, ist der Hund begraben. Scheinbar. Tatsächlich wird hier aber gerade die Welt gewendet: Schützen liegen auf der Lauer, um die Agenten einer Universalmacht zu vernichten, mordlustige Bücher richten blutige Verheerung an und mittendrin hat ein Pakt der Glücklichen plötzlich kein Bier mehr. Wenn sich dann ein syrischer Praktikant für ein Mangamädchen stark macht, ist auch die Liebe nicht weit. Und was ist eigentlich mit den beiden homosexuellen Eichhörnchen?

(Quelle: Random House Audio)

Autor und Sprecher

Bela B Felsenheimer
geboren 1962 in West-Berlin, ist Schlagzeuger, Gitarrist, Komponist, Sänger, Schauspieler, Synchron- und Hörbuchsprecher, war Comicbuch-Verleger und hatte eine eigene Radiosendung. Bekannt ist er vor allem als Mitglied der Punkrock-Band Die Ärzte. Als Autor hat er bisher einige Kurzgeschichten veröffentlicht und ein Filmdrehbuch verfasst. „Scharnow“ ist sein erster Roman.

(Quelle: Random House Audio)

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Details

Format: 2 MP3-CDs
Vö-Datum: 25.02.2019
Laufzeit: ca. 10 Stunden, 33 Minuten
ISBN: 978-3-8371-4624-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Random House Audio

Copyright Cover: Random House Audio



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde