Review

Pain and Prejudice

Die finsteren Widersacher des Dunklen Ritters zählen zu den berühmtesten und denkwürdigsten Verbrechern der gesamten Popkultur. Einer von diesen Wahnsinnigen ist der „Pinguin“ Oswald Cobblepot.

Letztmals 1992 in Tim Burtons „Batmans Rückkehr“ so unnachahmlich von Danny DeVito auf der Leinwand verkörpert, war es jüngst ein bis zur Unkenntlichkeit maskierter Colin Farrell, der in die Rolle des Pinguins geschlüpft ist („Das große Batman-Ranking“). Für die Rolle des unantastbaren Gangsterbosses Oswald „Oz“ Cobblepot ist überdies bereits jetzt eine Spin-off-Serie angekündigt, welche die Mafia-Laufbahn der Figur nachzeichnen soll.

In dieser neuerlichen Hochphase des ebenso kleinwüchsigen wie korpulenten Mafia-Bosses erscheint die deutschsprachige Neuauflage von „Penguin: Pain and Prejudice“, nämlich „Batman/Pinguin: Schmerz und Vorurteil“ (zuvor erschienen als „Batman Sonderband #38“), überaus passend und angemessen.

Schmerzhafte und düstere Vergangenheit

Der New York Times-Bestsellerautor Gregg Hurwitz („Batman – The Dark Knight #27 (Sprachlos 1/2)“) widmet sich in einer tiefgreifenden Geschichte auf zwei Zeitebenen dem Leben und Verbrecher-Werdegang von Oswald Cobblepot. Schwerpunktmäßig haben wir es mit einer psychologischen und bisweilen beklemmenden Betrachtung dieses ungewöhnlichen Schurken zu tun.

Als schüchternes und gutmütiges Kind wird Oswald aufgrund seiner missgestalteten äußeren Erscheinung immerzu Opfer von Hänseleien und Demütigungen; insbesondere wird er von seinem eigenen Vater verstoßen und verschmäht. Die eigenen Geschwister geben ihn fortwährend der Lächerlichkeit preis, quälen ihn. Einzig die Mutter liebt und umsorgt ihn.

Das innere schmerzverzerrte Kind entwickelt sich zu einem unnachgiebigen Gangsterboss. Vorherrschende Gefühle von Ausgrenzung, Unsicherheit und Selbstzweifeln werden zugunsten einer arroganten und hasserfüllten Fassade verdrängt. Als Unterwelt-Herrscher ist der Pinguin nicht bekannt dafür, klein beizugeben. Seine Devise lautet grundsätzlich, immer noch härter zurückzuschlagen.

Während seines dramatischen Abgangs lege ich ein stilles Rachegelübde ab. Ich weiß nicht genau, wann oder wie, aber ich werde dafür sorgen… dass jedem einzelnen Bürger Gothams das Grinsen vergeht.“

(zitiert aus „Batman/Pinguin: Schmerz und Vorurteil“, Panini Comics)

In der Gegenwart lernt Oswald die blinde junge Frau Cassandra kennen und lieben. Übergriffe der Polizei und von Batman betrachtet der Schurke naturgemäß als Spott und Häme und sieht sich in seiner Weltanschauung bestätigt. Der Pinguin holt zur Rache aus.

Meisterhafte Mischung

Leseprobe aus „Batman/Pinguin: Schmerz und Vorurteil“. (Copyright: Panini Comics)

Wenn die HBO Max-Serie „The Penguin“ auch nur ansatzweise das Niveau dieser Mini-Serie erreicht, dann dürfen sich die Fans auf eine packende Geschichte freuen. Als ohnehin (gerade psychologisch) einer der interessantesten Widersacher der Fledermaus erfährt Oswald Cobblepot besonders vorzügliche Origin. Die Hauptfigur wird in all ihren Facetten von Hurwitz so überzeugend inszeniert, dass sie diese Serie problemlos trägt. Als Leser:in bleibt man am Ende vielmehr mit dem Wunsch nach noch deutlich mehr Action, Drama und Tragik rund um den gequälten und verbissenen Mafia-Boss zurück.

Zeichner Szymon Kudranski und Kolorist John Kalisz kleiden diese fantastische Geschichte mit einem entsprechenden Artwork ein. Kudranski findet einen besonderen Zugang zu dieser facettenreichen Figur und arbeitet meisterhaft die Mischung aus Bitterkeit, Verletzlichkeit, Hass und Schmerz heraus. Die Ambivalenz des Schurken wird deutlich spürbar. Kalisz rundet das Ganze mit einer abgestimmt düsteren und depressiven Farbpalette ab.

Fazit

Einer der interessantesten Schurken der Bat-Mythologie erhält eine Ursprungsgeschichte, die ihm – in aller Kürze und dennoch Tiefe – gerecht wird.


Batman/Pinguin: Schmerz und Vorurteil

Inhalt

Die tragisch-dramatische Geschichte über einen von Batmans ärgsten Feinden

Oswald Cobblepot ist der Pinguin, einer der mächtigsten Gangsterbosse von Gotham City und zugleich einer der ältesten Widersacher von Batman. Doch er war nicht immer ein skrupelloser Superkrimineller! Diese Geschichte erzählt den Werdegang des gutmütigen jungen Oswald, der aufgrund seines missgestalteten Aussehens von seiner Umwelt mit Spott und Häme und sogar mit Gewalt gequält wird, bis er schließlich zu hassen lernt. Das Einzige, was er in seinem Leben liebt, sind seine Vögel und seine Mutter – doch auch die Beziehung zu ihr ist alles andere als gesund …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Gregg Hurwitz
ist ein international bekannter Bestseller-Autor. Seine Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet und in sechzehn Sprachen übersetzt.

Er hat Drehbücher für Jerry Bruckheimer, die Paramount Studios, MGM und ESPN geschrieben.
Er entwickelte TV-Serien für Warner Bros. und Lakeshore, schrieb Wolverine, Punisher und Foolkiller für Marvel, und veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Artikel über Shakespeare.
Er hat Fiction Writing in der USC Fachbereich Englisch gelehrt und hält Vorträge in Harvard, in den Vereinigten Staaten und der ganzen Welt.

Hurwitz wuchs in der Bay Area auf. Er erwarb einen Bachelor of Arts in Harvard (1995) und einen Master am Trinity College der Universität Oxford (1996). Hurwitz lebt derzeit in Los Angeles.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 01.03.2022
Originalausgaben: Penguin: Pain and Prejudice 1–5
Seitenzahl: 124
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)