Review

Erst jüngst haben wir uns mit „Superman: Der Planet der Supermen“ eine der neueren Comic-Schöpfungen von Zeichner-Legende Neal Adams angeschaut. Dabei konnte man als geneigter Leser zweierlei feststellen: Erstens, der Altmeister beherrscht sein Handwerk nach wie vor tadellos. Und zweitens, das Geschichtenerzählen hätte er lieber anderen überlassen sollen.

2010 erschuf der legendäre Batman-Neuerer Adams außerdem eine neue Maxiserie rund um den Dunklen Ritter, dessen Welt er über Generationen hinweg prägte. Diese erschien hierzulande erstmals in den Einzelbänden „DC Premium 76: Batman – Odyssee 1“ sowie „DC Premium 80: Batman – Odyssee 2“ und nunmehr in einem üppigen – knapp 360 Seiten starken – Sammelband mit neuem Bonusmaterial, in der Neuausgabe „Batman: Odyssee“.

Der Leser kann sich dabei auf nicht weniger als eine wahnwitzige Geschichte einstellen.

Eine Irrfahrt mit dem Dunklen Ritter 

Zu Beginn eines jeden Kapitels in „Batman: Odyssee“ spricht Bruce Wayne mit einem für den Leser nicht sichtbaren Gegenüber. Dabei durchbricht Gotham Citys Beschützer gleichsam die vierte Wand und spricht auch direkt zum Leser. Nicht verschwiegen werden soll, dass Bruce Wayne dabei geradezu verstörend behaart ist. Insbesondere dessen Armbehaarung wuchert aus den Seiten heraus und dem Leser unaufhaltsam entgegen. Das hat zwar mit der wilden Saga nichts zu tun, sollte aber mal erwähnt werden.

Im Verlauf der Geschichte verliert der Mitternachtsdetektiv die Beherrschung im Kampf gegen das Verbrechen und steht kurz davor, gegen seine eiserne Regel zu verstoßen. Außerdem trifft er auf seine Geliebte Talia al Ghul, den Joker, den monströsen Man-Bat, Aquaman, Deadman sowie den unberechenbaren Ra’s al Ghul. An seiner Seite steht wie gewohnt der heldenhafte Knabe Robin. Den lässt er allerdings zurück, als er sich in eine vergessene Welt begibt, in der nicht nur ein urzeitlicher Fledermausritter für das Gute kämpft, sondern auch Dinosaurier und andere Wesen der Urzeit existieren.

Eine einzige langgezogene Odyssee für den Leser

Weit, weit mehr als für den Dunklen Ritter ist „Batman: Odyssee“ eine einzige Odyssee für den Leser. Ein echter Härtetest.

Bruce Wayne durchbricht in dieser wilden Saga regelmäßig die vierte Wand. (Copyright: Panini Comics)

Völlig unbestritten zählt Neal Adams zu den besten, innovativsten und beliebtesten Batman-Zeichnern aller Zeiten. Adams illustrierte in seiner großen Karriere revolutionäre und aufsehenerregende Klassiker. Und seine Comic-Zeichnungen haben es nach wie vor in sich.

Die vorliegende Saga ist aus erzählerischer Sicht jedoch schlicht jenseits von Gut und Böse. Auf dem Klappentext heißt es: Eines von Batmans wildesten Abenteuern!“. Das kann man so ohne Weiteres unterschreiben.

Die Story verfolgt allenfalls sporadisch einen roten Faden und lässt den Leser immer wieder ratlos, sprachlos und kopfschüttelnd zurück. Das ist hier ein Sammelsurium von Figuren aus der Welt des Mitternachtsdetektivs und scheinbar willkürlich zusammengewürfelten Geschehnissen. Vor allem die Ereignisse in der vergessenen Unterwelt mit einem urzeitlichen Batman und einem Dino-Robin wirken sehr albern, sehr kindlich und ausgesprochen unpassend für einen Batman-Comic. Die Dialoge sind darüber hinaus geradezu grotesk. Diese geraten kaum noch leserlich: Schachtelsätze, einzelne Worte und Seite um Seite nichts als aneinandergereihter Nonsens. Das kann man leider nicht freundlicher formulieren.

Fazit

Nach dem letzten Abenteuer um den Mann aus Stahl bestätigt sich der ernüchternde Eindruck von Neal Adams als Geschichtenerzähler auch hier. Diese Batman-Maxiserie ist nicht einfach nur nicht gut, sondern eine einzige seltsame Katastrophe, durch die man sich erst einmal durchkämpfen muss. Die Story mag über die Jahre viel diskutiert sein, aber meines Erachtens verbietet sich schlechterdings jede Empfehlung.

Inhalt

Eines von Batmans wildesten Abenteuern, inszeniert von Comic- und Batman- Legende Neal Adams, komplett in einem Band!

Der Dunkle Ritter tritt zu einer unglaublichen Odyssee an, auf der er Talia al Ghul, den Joker, Man-Bat, Aquaman, Deadman und den Batman einer vergessenen Welt trifft. Außerdem kommt eines von Batmans größten Geheimnissen ans Licht …

(Quelle: Panini Comics)

Autor & Zeichner

Neal Adams
wurde 1941 als Sohn einer jüdischen Familie in New York geboren. Nach seinem Abschluss an der School of Industrial Art in Manhattan versuchte der junge Adams, einen Fuß ins Superheldencomic-Geschäft zu bekommen, was ihm auf Anhieb jedoch nicht gelingen sollte. Also verdingte er sich in der Werbebranche, wo Comic-Zeichnungen durchaus gefragt waren, und an Zeitungscomic-Strips zur amerikanischen TV-Serie Ben Casey.

Über die aus heutiger Sicht legendären Horror-Magazine Creepy und Eerie, die beim Verlag Warren Publishing erschienen, fand Adams in den späten 1960ern doch noch zum damals boomenden Heft-Comic und gab 1967 schließlich sein Debüt bei DC Comics. Nach den Geschichten, die in diesem Band gesammelt sind, hatte Adams dann mit den Abenteuern von Deadman seinen Durchbruch, ehe er sich bei Marvel Ende der 1960er mit Roy Thomas als Zeichner und Plotter um die X-Men kümmerte und Anfang der 1970er sogar Avengers bebilderte.

In dieser Hochphase seiner Karriere tat sich Adams für einige revolutionäre Werke mit Autor Dennis O’Neil zusammen. Gemeinsam revitalisierten sie den Dunklen Ritter, während sie mit ihren Geschichten um Green Lantern und Green Arrow das gesamte Superhelden-Sujet reifen ließen, indem sie sich in ihren Storys über das ungleiche Duo mit „erwachsenen” Themen wie Rassismus, Drogen, Kapitalismus und Bigotterie auseinandersetzten.

1978 illustrierte Adams überdies den aufsehenerregenden Klassiker SUPERMAN VS. MUHAMMAD ALI, der ebenfalls von O’Neil geschrieben wurde.

1984 gründete er mit Dick Giordano das Studio Continuity Graphics Associates samt des dazugehörigen Verlags Continuity Comics. Darüber hinaus unterstützte er nachrückende Künstler wie Frank Miller mit Rat und Tat.

In der Öffentlichkeit befasste sich Adams mit dem Holocaust und setzte sich Ende der 80er massiv für die Rechte der Superman-Schöpfer Jerry Siegel und Joe Shuster ein.

In den letzten Jahren schrieb und zeichnete Neal Adams, der längst in alle Comic-Ruhmeshallen aufgenommen wurde, BATMAN: ODYSSEE sowie weitere neue Geschichten mit Deadman, Superman, Harley Quinn, den X-Men, den Avengers und seinem eigenen Helden Blood.

(Quelle: „Batman: Neal Adams Collection 1“, Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 05.11.2019
Originalausgaben: Batman Odyssey II 1-7, Batman Odyssey Vol. I 1-6
Seitenzahl: 364
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)