Review

Das dynamische Duo

Erst kürzlich haben wir uns die großformatige Hardcover-Neuauflage zu „Superman: Friede auf Erden“ der Comic-Könner Paul Dini und Alex Ross angeschaut – ein zu Recht ausgezeichneter, zeitloser Comic-Klassiker.

Das brillante Kreativteam tat sich Ende der 1990er-Jahre zu einem Großprojekt zusammen. In einer – nicht zusammenhängenden – Albenreihe widmeten sich die beiden Künstler dem ihrer Meinung nach größten Superhelden des DC-Pantheons mit einem jeweils überschaubaren Umfang von rund 70 Seiten. Inhaltlich geht es dabei jeweils um die Auseinandersetzung mit dem Mythos der Figur und insbesondere Fragen nach den wesentlichen Charaktereigenschaften und den besonderen Wesensmerkmalen. Es geht mithin darum, pointiert aufzuzeigen, was die Quintessenz der Figur ausmacht.

Nunmehr steht auch die tiefgründige Abhandlung zum Fledermausritter im großformatigen Album bereit. „Batman: War on Crime“ bzw. – hierzulande – „Batman: Krieg dem Verbrechen“.

Wie das Leben so spielt

Als Kind musste Bruce Wayne mit ansehen, wie seine Eltern Martha und Thomas Wayne in einer Gasse von einem Kriminellen erschossen wurden. Aus diesem Grund ist er letztlich zum Mitternachtsdetektiv und zum Dunklen Ritter von Gotham geworden, der einen geradezu obsessiven Kreuzzug gegen das Verbrechen führt.

Indessen ist Bruce Wayne auch Gotham Citys reichster Junggeselle, der womöglich auch auf ganz andere Möglichkeiten hätte zurückgreifen können. Andere Korrupte und Mächtige, die insgeheim über Gotham herrschen, haben sich längst von Anstand und Moral verabschiedet.

Eines Tages ist es wieder ein Kind, das zum Opfer der Verbrechen Gothams wird – die geliebten Eltern vor den eigenen Augen erschossen. Batman kennt das Gefühl. Dieses Kind hat mit seiner sozialen Herkunft jedoch weniger Glück als ein Bruce Wayne.

Der Dunkle Ritter widmet sich der Ursachenerklärung und geht der Frage nach, wie Kriminalität entsteht.

Mit Gespür für leise Töne

Mit abermals überschaubarer Seitenzahl widmen sich Dini und Ross den Eigentümlichkeiten eines der berühmtesten Helden der gesamten Popkultur, derjenigen des Helden im Fledermauskostüm.

Die Quintessenz der Figur lässt sich dabei anschaulich mit derjenigen von Superman vergleichen. Gott vs. Mensch, Licht gegen Finsternis, grenzenloser Altruismus gegen Angst, Zorn, Schmerz und Trauma. Für den Mann aus Stahl steht stets und ausschließlich die Errettung der Opfer im Vordergrund, Batmans Kampf ist primär der Kreuzzug gegen das Verbrechen. Superman ist eine Zuflucht und ein Leuchtfeuer der Hoffnung für alle Menschen. Der Dunkle Ritter hingegen versucht fortwährend, im Milieu der Metropole Hoffnung zu säen, um womöglich eines Tages selbst Hoffnung zu finden. Diese unterschiedlichen Wesensmerkmale werden von Paul Dinis knappen Text pointiert herausgearbeitet.

„Doch es gibt kleine Siege, die mich ermutigen, ihn fortzuführen (den „Kreuzzug gegen das Verbrechen“; – Anm. d. Verf.).

Wenn ich ein Kind zurückgewinnen kann, gibt es auch Hoffnung für andere.

Wenn es mit einem Menschen beginnt, dann einem Viertel, vielleicht kann die Erlösung dann auch eine ganze Stadt erfassen und sich bis zu mir ausbreiten.“

(Auszug aus „Batman: Krieg dem Verbrechen“, Panini Comics)

Einblick in „Batman: Krieg dem Verbrechen“. (Copyright: Panini Comics)

Man mag kritisieren, dass Bruce Waynes – doch eigentlich triviale – Erkenntnis („Pack das Problem bei der Wurzel“) arg geschwollen und bedeutungsschwanger dargelegt wird.
Man mag es diesem kraftvollen Buch aber auch verzeihen und vergeben.

Ausnahmekünstler Alex Ross präsentiert aufs Neue sein ganzes Können.

Sein Batman kommt ausgesprochen düster und „Old School“ daher; erinnert vom Gesicht an Michael Keaton, von seinem wuchtigen Körper eher an den jungen Val Kilmer.

Im Nachwort sehen wir, dass Alex Ross beispielsweise extra eine Maske modelliert hat, um einen realitätsnahen Dunklen Ritter abzuliefern. Das gelingt.

Und auch im Übrigen wissen die klaren und poetischen Bilder – wie gewohnt – zu überzeugen.

Fazit

Autor Paul Dini und Künstler Alex Ross widmen sich vordergründig dem Kreuzzug gegen das Verbrechen, aber im Wesentlichen den Wunden eines Kindes – ohne Familie, ohne Liebe.


Batman: Krieg dem Verbrechen

Inhalt

Paul Dini und Alex Ross konfrontieren Bruce Wayne mit dem Trauma vom Tod seiner Eltern.

Bruce Wayne führt zwei Leben: Das eines der reichsten und einflussreichsten Männer von Gotham City – und das von Batman, der über seine Stadt wacht und gegen das Verbrechen kämpft. Doch nun muss er sich abermals dem Trauma stellen, das die Ermordung seiner Eltern hinterließ und seinen Lebensweg für immer prägte – und erkennen, dass nicht jeder Junge den Pfad des Helden einschlagen kann wie er selbst vor vielen Jahren …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Paul Dini
(*1957 in New York City) ist ein US-amerikanischer Fernsehproduzent animierter Cartoons.
Er ist bekannt als Produzent und Autor für mehrere Warner Bros./DC-Comics-Serien.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 07.12.2021
Originalausgaben: Batman: War On Crime
Seitenzahl: 76
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)