Review

Mit „Batman – Die Nächte von Gotham“ bringt Panini Comics einen Kurzgeschichten-Sammelband auf den Markt, welcher die bisherige US-Reihe „Batman: Gotham Nights (2020) #1-8“ umfasst. Diese ist Bestandteil des neuen DC-digital-first-Konzepts, wobei bestimmte Serien zunächst digital und erst in der Folge in einer entsprechenden Heftreihe starten.

Der Paperback ist vor allem für Neu- und Gelegenheitsleser geeignet, da es sich um vielseitige und abgeschlossene Comic-Storys – losgelöst von jedweder Kontinuität – handelt. Besonderen Anreiz zum Schmökern liefern dabei Namen wie Brad Meltzer, Jim Lee oder auch Viktor Bogdanović.

Gotham City bei Nacht

„Gotham Nights“ widmet sich im Wesentlichen Abenteuern, in deren Mittelpunkt der grimmige Mitternachtsdetektiv Batman steht.

In völlig unterschiedlichen Settings trifft der Fledermausritter auf Lehmmonster Clayface, Poison Ivy, den Joker, Harley Quinn, Killer Moth sowie die mächtige und skrupellose Schickeria von Gotham. Die weiteren Einzelheiten vorwegzunehmen, würde die Kurzgeschichten auf ein zu überschaubares Maß eindampfen.

Im Übrigen gibt es noch einen bunten Strauß Storys um Batmans Protegés Nightwing, Signal sowie Batwoman.

Ganz überschaubares Niveau

Ich kann mich gar nicht erinnern, wann oder vielmehr ob ich das schon einmal geschrieben habe: Aber das hier ist ein Batman-Comic zum Vergessen. Schon unmittelbar nach dem Auftakt zu „Batman – Die Nächte von Gotham“ schwant einem Übles.

Mit merkwürdig imperialistisch und militärisch angehauchten Kurzgeschichten mit dem Dunklen Ritter und Kate Kane alias Batwoman geht es vorliegend los. Diese wollen sich – mehr schlecht als recht – in die Welt von Batman und die seiner Gefährten einfügen.

Vor allem die erste Kurzgeschichte, deren Text ganz überwiegend aus einer Rede des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama stammt, ist geradezu befremdlich patriotisch.

Leseprobe aus „Batman – Die Nächte von Gotham“. (Copyright: Panini Comics)

Daneben ist auch der Beitrag um die Militärvergangenheit von Bruces Cousine Kate Kane völlig unkritisch gegenüber dem amerikanischen Militär- und Waffenkult.

In einer weiteren Story widmet man sich – banal und vollkommen unreflektiert – dem gerodeten Regenwald Brasiliens. Bekanntermaßen hat unter Staatschef Bolsonaro die Rodung des Regenwaldes in Brasilien stark zugenommen. Diese Geschichte bietet jedoch nichts von Bedeutung an. Weder wird einer (kraftvollen) Kritik Ausdruck verliehen, noch wird die – für sich genommen passende – Schurkin Poison Ivy mit einer interessanten Figurenzeichnung herausgearbeitet.

Tatsächlich verlieren sich auch die weiteren Kurzgeschichten mehr oder minder in Belanglosigkeit oder Banalität.

Unter den Zeichnern ist es freilich Jim Lee, der besonders aus der Masse heraussticht.
Während Viktor Bogdanović seltsamerweise – augenscheinlich – versucht, den eigenwilligen Stil von Greg Capullo zu imitieren, sind es gerade Mirko Colak sowie Tom Lyle, denen es so gar nicht gelingen will, die üblicherweise sehr hohen Standards von Batman-Comics zu wahren.

Fazit

„Toller Batman-Lesespaß“ ist hier nicht geboten.

Während unabhängige und pointierte Kurzgeschichten durchaus immer gerne gesehen sind, ist dies eine überaus entbehrliche Lektüre, die nichts Erinnerungswürdiges bereithält. Batman-Fans greifen besser zu einer der unzähligen reizvollen Alternativen rund um den Dunklen Ritter.


Batman: Die Nächte von Gotham

Inhalt

Toller Batman-Lesespaß für Fans, Gelegenheitsleser und Neueinsteiger!

Dieser Band präsentiert neue, vielseitige und abgeschlossene Kurzgeschichten mit dem Dunklen Ritter, dem Joker, Poison Ivy, Clayface, Killer Moth und Harley Quinn. Aber auch Nightwing und Signal kämpfen in Gotham City für das Gute, und wir erfahren von Kate Kanes alias Batwomans Vergangenheit …

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 16.02.2021
Originalausgaben: Batman: Gotham Nights (2020) 1-8
Seitenzahl: 156
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)