Review

Showdown in Gotham 

Der junge Mitternachtsdetektiv führt erst seit kurzer Zeit einen einsamen Kreuzzug gegen das Verbrechen in seiner Stadt Gotham. Den Korrupten und Mächtigen ist er jedoch bereits ein Dorn im Auge. Batman ist schlecht fürs Geschäft.

Das ist indessen eine Baustelle, für die der Dunkle Ritter gegenwärtig gar keine Zeit hat. Denn ein skrupelloser Doppelgänger treibt in der Stadt der Sünde sein Unwesen und verübt brutal Selbstjustiz („Batman: Die Maske im Spiegel 1“).

Erschwerend kommt hinzu, dass Bruce täglich zum morgendlichen Rapport bei seiner Vertrauten, der Ärztin und Psychologin Dr. Leslie Thompkins, aufschlagen muss. Die zieht unumwunden seinen Verstand und seine Zurechnungsfähigkeit in Zweifel. Überdies hat sich Bruce auf eine intime Liaison mit der hübschen und toughen Polizistin Blair Wong eingelassen – auch das macht sein Leben und seine Mission nicht unbedingt einfacher („Batman: Die Maske im Spiegel 2“).

Über den Einzelgänger und Kammerjäger Otis Flannegan ergibt sich nunmehr eine heiße Spur zu dem gnadenlosen Imposter-Batman. Schließlich war der begriffsstutzige Flannegan die ganze Zeit davon überzeugt, einen wahren Helden und eine edle Sache zu unterstützen.

Batman zieht es daraufhin in die Kanalisation, wo sich der mörderische Schwindler im Fledermauskostüm verstecken soll; die Polizei wiederum ist auf der Jagd nach Batman.

Die Miniserie will ein bisschen zu viel

In unserer Betrachtung zu Album 2 haben wir es bereits anklingen lassen, doch bekräftigen wir dies hier nochmals: Autor Mattson Tomlin macht es sich – bei seiner überschaubaren Seitenzahl – selbst unnötig schwer und kompliziert.

Zwar streicht er sonst gewichtige Nebenfiguren wie Commissioner Jim Gordon, (die etlichen) Robin(s) sowie Vaterfigur Alfred Pennyworth aus seiner Geschichte über Batman und seinen Nachahmer heraus. Allerdings reichert er sie andererseits mit Figuren wie Dr. Thompkins, Industriemagnat Wesker, dessen verrücktem Sohn Arnold Wesker, dem Kammerjäger Otis Flannegan und insbesondere der Liebschaft Detective Blair Wong an. Wie zuletzt befürchtet, bleibt es bis zum Ende dabei, dass viele Aspekte und Figuren von Tomlin nur angerissen werden. Die beiden Weskers spielen bis zum Ende hin kaum noch eine Rolle, Flannegan dient – von vornherein an sich – nur als Vehikel, um den Doppelgänger im Fledermauskostüm finden zu können. Die Beziehung mit Blair Wong veranschaulicht im Prinzip nur, dass ein glückliches Leben für Bruce Wayne mit dem eigentlichen Mann hinter der Maske unvereinbar ist. Ihre Figur selbst ist für den Ausgang der Geschichte indes weniger relevant.

Nicht zuletzt entlockt auch die Offenlegung der wahren Identität des Nachahmer-Batmans den Leser:innen nicht mehr als einen bloßen Aha-Moment. Einen besonders sorgfältigen Aufbau sucht man diesbezüglich vergebens.

Leseprobe aus „Batman: Die Maske im Spiegel 3“. (Copyright: Panini Comics)

Nun aber genug der Vorrede, warum es hier für eine höhere Bewertung nicht gereicht hat. Denn die zu Beginn der Reise attestierte „gritty, hard-boiled version of Gotham City“ weiß dennoch bis zum Ende actiongeladen und besonders düster zu unterhalten. Selten wirkte die Umgebung Gothams derart trist und hoffnungslos; hier ist scheinbar nie die Sonne zu sehen. Und so muss auch die skeptische Psychologin Dr. Leslie Thompkins einsehen: Gotham City braucht den Dunklen Ritter.

Ebenfalls durchgehend gefällt mir der inhaltliche und visuelle „Was wäre, wenn Batman in der echten Welt existieren würde“-Ansatz von Mattson Tomlin und Andrea Sorrentino. Insbesondere die Seilbahnen, die über ganz Gotham verteilt sind, damit der Dunkle Ritter überall einsatzbereit sein kann, haben es mir angetan; aber auch die drahtige Gestalt und die Rüstung des Mitternachtsdetektivs vermitteln den Eindruck, als seien sie extra für die Straßenkämpfe von Gotham gestählt bzw. entworfen worden.

Apropos Gewalt und Straßenkämpfe: Wenn Batman und sein Nachahmer aufeinandertreffen, dann kracht es auch. Zugegebenermaßen zeichnet für viele der besonders positiven Aspekte Ausnahmekünstler Andrea Sorrentino verantwortlich, der es auch allein vermag, einen Comic auf ein anderes Niveau zu heben.

Fazit

Bei den Titeln unter dem Black Label von DC scheinen die meisten Autoren die Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und die überschaubare Seitenzahl als Segen zu empfinden.

Filmemacher Mattson Tomlin, dessen Alben-Trilogie mit „Batman: Die Maske im Spiegel 3“ ihr Ende findet, hätte augenscheinlich etwas mehr Platz für seine Ideen und Ansätze benötigt. So ist „Batman: The Imposter“ eine gute, stellenweise sehr gute Herkunftsgeschichte über den Dunklen Ritter, aber eben keine herausragende.


Batman: Die Maske im Spiegel: Bd. 3 (von 3)

Inhalt

Bruce Wayne ist erst seit etwa einem Jahr als Batman in Gotham unterwegs, doch sein Einsatz zeigt bereits Wirkung. Mit seiner Mission hat er sich allerdings auch mächtige Feinde gemacht. Alle jene, die in der Metropole im Hintergrund und Zwielicht die Strippen ziehen, wünschen sich, dass der selbsternannte Wächter der Stadt wieder verschwindet … und wie es scheint, hat einer von ihnen den richtigen Plan, um den gemeinsamen Feind auszuschalten. Plötzlich taucht ein zweiter Batman auf, der die Dächer und Gassen Gothams heimsucht. Dieser Batman scheut auch vor Mord nicht zurück, um seine Ziele zu erreichen und schlachtet seine Taten mit Videos medial aus. Die Polizei, Politiker und wer immer in Gotham Macht und Einfluss hat, machen Batman für die Geschehnisse verantwortlich. Der Mitternachtsdetektiv ist gezwungen, den Betrüger zu entlarven, um die eigene Unschuld zu beweisen … aber es ist nicht einfach, seinen Namen reinzuwaschen, wenn man sich hinter einer Maske versteckt!

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 14.12.2021
Originalausgaben: Batman: The Imposter 3
Seitenzahl: 68
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)