Review

Ein finsterer Doppelgänger

Bruce Wayne ist erst seit kurzer Zeit der Dunkle Ritter von Gotham City, konnte jedoch bereits einige Erfolge im Kampf gegen Verbrechen und Korruption verbuchen. Das gefällt den Reichen und Mächtigen der Stadt, wie Mr. Wesker, überhaupt nicht.

Plötzlich taucht allerdings ein weiterer „Batman“ auf, der vor laufender Kamera gnadenlos Verbrecher hinrichtet. Obwohl dies so gar nicht seinen ureigenen Prinzipien entspricht, gerät der Mitternachtsdetektiv dennoch ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Insbesondere die junge und aufgeweckte Detective Blair Wong besitzt offenkundig die kriminalistischen Fähigkeiten, den „Batman“-Fall zu analysieren sowie vernünftige und präzise Schlussfolgerungen zu ziehen. Denn das sehr kostspielige Equipment des Dunklen Ritters, das sich über ganz Gotham verteilt findet, führt die Polizistin direkt vor die Haustür von Bruce Wayne. Die Schlinge hat sich schnell zugezogen. Blairs Ermittlungen führen indessen – recht unverhofft – zu einem Date mit dem frischgebackenen Milliardenerben Bruce Wayne. Und wie sich zeigt, teilen die beiden ein ähnliches Schicksal, denn auch die Eltern von Blair Wong wurden vor ihren Augen ermordet.

Um weitere Morde zu verhindern und seinen Ruf zu retten, macht sich Batman auf die Suche nach seinem Doppelgänger. Hierfür verschafft er sich Zugriff auf das private Überwachungsnetzwerk des Immobilienmoguls Wesker; dessen merkwürdiger Sohn Arnold Wesker wiederum bittet den Dunklen Ritter, den verhassten Vater zu töten.

Eigenständige Version des Batman-Mythos

Die dreiteilige Alben-Reihe unter dem Black Label von DC erreicht mit „Batman – Die Maske im Spiegel 2“ bereits das Bergfest.

Nach dem mittlerweile zweiten Album kristallisieren sich die Unterschiede und Feinheiten dieser Batman-Variante zum üblichen Kanon heraus. Während sich Bruce vorliegend in Therapiegesprächen auf die (eingeschränkte) mentale Unterstützung von Dr. Leslie Thompkins verlassen kann, stehen ihm seine sonst üblichen und bewährten Verbündeten (Commissioner Jim Gordon, Robin sowie Vaterfigur Alfred Pennyworth) nicht zur Seite. Das ist zwar zunächst einmal ungewohnt, schafft aber Freiräume, um andere erzählerische Schwerpunkte zu setzen. Dass sich auch diese Entstehungsgeschichte des Dunklen Ritters auf die Hauptfigur fokussieren möchte, erscheint sinnvoll und sachgerecht.

Leseprobe aus „Batman: Die Maske im Spiegel 2“. (Copyright: Panini Comics)

Autor Mattson Tomlin macht es sich meines Erachtens indes selbst unnötig schwer und kompliziert. Denn neben der deutlich wichtigeren Rolle von Dr. Thompkins, etabliert er hier noch neue Figuren wie Industriemagnat Wesker, den mysteriösen Kammerjäger Otis Flannegan und insbesondere Detective Blair Wong. Daneben spielt auch noch Arnold Wesker, den wir üblicherweise als Bauchredner Scarface kennen, eine gewisse Rolle. Bei einer doch recht überschaubaren Seitenzahl pro Album wirkt das Ganze vorliegend ein Stück weit überladen; insbesondere, da sich noch eine Liaison zwischen Bruce Wayne und Blair Wong entwickeln soll. Da gerät die Jagd auf den grimmigen Doppelgänger arg ins Hintertreffen. Es bleibt jetzt nur noch das Finale, um sowohl Batmans als auch Blairs Ermittlungen zu einem gelungenen und stimmigen Abschluss zu bringen. Das wird insofern ein schwieriges Unterfangen, als dass bislang viele Aspekte nur angerissen sind. Wir bleiben nichtsdestotrotz sehr gespannt, weil dieser geerdete Bat-Mythos reichlich Potenzial bietet.

Abgesehen davon, dass die herausragenden Bilder von Andrea Sorrentino hier an der einen oder anderen Stelle ein wenig unübersichtlich geraten, bietet die Serie visuell alles, was man sich von einem Batman-Comic wünscht. Düster-atmosphärische Kompositionen entführen stimmungsvoll in eine realitätsnahe Version der korrupten Großstadt Gotham City.

Fazit

Dem Finalband kommt die anspruchsvolle Aufgabe zu, die losen Enden zu verbinden und die gesamte Geschichte stimmig abzuschließen. Andrea Sorrentino fühlt sich bei Batman und in Gotham City indessen ohne jeden Zweifel pudelwohl. Wer schon jetzt so richtig Lust auf Look und Feel von Matt Reeves‘ „The Batman“ hat, der findet gegenwärtig keine stimmungsvoll passendere Einstimmung als „Batman: The Imposter“.


Batman: Die Maske im Spiegel: Bd. 2 (von 3)

Inhalt

Bruce Wayne ist erst seit kurzer Zeit der Dunkle Ritter, als ein weiterer Batman in Gotham City auftaucht und vor laufender Kamera gnadenlos Verbrecher tötet. Wer ist der Killer, der sich als Batman ausgibt? Was ist der Grund für sein brutales Handeln? Bruce muss ihn aufhalten, nicht nur, weil er wegen seines Doppelgängers von der Polizei gejagt wird, sondern auch, um weitere Morde zu verhindern! Und Detective Blair Wong, eine der wenigen aufrechten Polizisten der korrupten Stadt, kommt Bruce Wayne und seinem Geheimnis gefährlich nahe …

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 09.11.2021
Originalausgaben: Batman: The Imposter 2
Seitenzahl: 60
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)