Review

Das Finale der Trilogie

Aus 3 mach 2. Red Hood Jason Todd hat aus Rache einen der Joker erschossen. Das verschafft zwar einstweilen einen zahlenmäßigen Vorteil, treibt aber auch einen Keil in die brüchige Fledermaus-Gemeinschaft. Das Dreigespann droht an diesem Kampf zu zerbrechen.

Während Batman und Batgirl den Mord am skrupellosen Joker anprangern und moralisch verurteilen, ist Red Hood davon überzeugt, das einzig Richtige getan zu haben. So will er auch den Kriminellen und den Komiker endgültig zur Strecke bringen. Zeit, um die Wogen zu glätten, bleibt jedoch nicht. Denn Batmans Erzfeinde haben Joe Chill, den Mörder von Batmans Eltern, aus dem Blackgate entführt. Sie begeben sich zum Monarch Theater, dem Ort, an dem Martha und Thomas Wayne dereinst in einer schmutzigen Gasse starben.

Leseprobe aus „Batman: Die drei Joker 3 (von 3)“. (Copyright: Panini Comics)

Der Joker hat sich in den Kopf gesetzt, einen besseren Joker zu erschaffen. Und nun möchte er den Mitternachtsdetektiv und seine Zöglinge an seinen kranken Plänen teilhaben lassen.

Fällt unter dem Druck etwas in sich zusammen

Eins gleich vorweg: Auch das Finale „Batman: Die drei Joker 3 (von 3)“ aus der Feder von Geoff Johns („Justice League: Der Darkseid Krieg“) ist wiederum kein schlechtes Buch – es ist sogar ein gutes Buch, beinahe ein sehr gutes.

Die Charaktere sind bis zum Ende stark und konstant geschrieben; und die Geschichte lebt von ihrer dichten Spannung. Vor allem die brillanten Zeichnungen von Jason Fabok verlieren nichts von ihrer Pracht und ihrer fesselnden Anziehungskraft. Dessen Begeisterung und Leidenschaft für dieses Projekt sind auf jeder einzelnen Seite spür- und erfahrbar.

Und dennoch treten zum Ende hin einige erhebliche und offensichtliche Mängel zutage, die ernsthafte Zweifel aufkommen lassen, dass wir es vorliegend mit der angepriesenen „revolutionäre(n) Joker-Saga“ zu tun haben. So hieß es beim Verlag zunächst: „Endlich! Die Wahrheit über die drei Joker wird enthüllt!“. Ist das denn wirklich so?

Zuvor noch ein gut gemeinter Hinweis von uns: Wer die Geschichte noch komplett ohne Spoiler lesen und genießen möchte, sollte zu einem späteren Zeitpunkt hierher zurückkehren. Denn eine absolute Vermeidung von Spoilern ist hier weder beabsichtigt noch gewünscht.

Meinung (inklusive Spoiler)

Noch in unserer Besprechung und Analyse zum zweiten Band der Reihe haben wir festgehalten, dass „Die drei Joker“ überwiegend ein Comic über Gordons Tochter Barbara alias Batgirl sowie über Batmans ehemaligen Protegé Robin Jason Todd alias Red Hood ist. Es fiel uns indes leicht, damit unseren Frieden zu machen. Erwartet hatten wir zwar, (bis dahin) deutlich mehr über das Rätsel um die drei Joker zu erfahren. Allerdings bekamen wir im Gegenzug eine intensive Geschichte über Leid und Schmerz dieser wichtigen Figuren der Batman-Familie.

Mit dem Finale der Trilogie findet nunmehr auch dieser Aspekt der Story ein recht jähes Ende. Der Fokus verlagert sich – in Richtung des Dunklen Ritters und Joe Chills – und die losen Enden werden nicht oder nur unzureichend geschlossen. Batgirl und Red Hood werden (unerwartet unsanft) in das Randgeschehen der Geschichte überführt; diesen Charakteren wird (nach all der Vorarbeit) keine tiefergehende Entwicklung zugestanden.

Dies ist ein Befund, der auf die gesamte Saga und vor allem das Finale recht gut passt. Die Joker-Saga funktioniert nach dem Motto: Der Weg war wichtiger als das Ziel. Die Prämisse war unwahrscheinlich vielversprechend und die Erwartungshaltung hat sich über Jahre aufgebaut. Allein die Auflösung der Serie kann das Versprechen (wohl wichtigste Joker-Story seit Jahrzehnten“) am Ende des Tages nicht halten. So erfahren die Leser zwar freilich, „dass es Batman in all der langen Zeit mit mehr als nur einem Joker zu tun hatte“ – mehr aber auch nicht.

Warum sind es 3 Joker? Warum nicht 2 oder 99? Über die jeweiligen Hintergründe und die Herkunft der Joker kann man weiter nur spekulieren. Eine besondere Erkenntnis oder Einsicht des Lesers ist mit der Geschichte von Geoff Johns nicht verbunden. Stattdessen wird noch recht holprig die Brücke zu „The Killing Joke“ geschlagen.

Leseprobe aus „Batman: Die drei Joker 3 (von 3)“. (Copyright: Panini Comics)

Geoff Johns entwickelt vorliegend ein solches Finale, bei dem er nicht in die Bredouille kommt, allzu viele Fragen beantworten zu müssen. Das ist einerseits erfreulich, da eine Figur wie der Joker ja auch gar nicht (abschließend) entmystifiziert werden sollte; andererseits muss man festhalten, dass diese Auflösung in ihrer Gesamtheit zu allgemein und zu vage bleibt, um einen Titel wie „Die drei Joker“ zu rechtfertigen. Was ist der große erzählerische Mehrwert der Geschichte? Was sind die Folgen oder Konsequenzen für Batman, Batgirl und Red Hood oder für den Joker oder Gotham City? Eine wirklich zufriedenstellende Antwort darauf zu geben, fällt schwer.

Oder anders formuliert: Das große Finale der Trilogie ist – im Wesentlichen – eine Rückkehr zum Status quo ante.

Fazit

Die Reise bis hin zum Finale der Trilogie von Autor Geoff Johns war intensiv, packend und spannungsgeladen. Auch der Showdown bietet noch einen ausgesprochen gelungenen zwischenmenschlichen Höhepunkt in der Begegnung von Batman und Joe Chill.

Die Joker-Saga lässt allerdings über weite Strecken den Joker außen vor. Dieser maßgebliche Umstand macht sich zum Ende hin immer stärker bemerkbar und verwässert den (zwischenzeitlichen und anfänglichen) starken Eindruck. Dies wird noch dadurch bestärkt, dass auch die Schicksale von Batgirl und Red Hood – mehr oder weniger – links liegen gelassen werden. Das Ganze wirkt wie eine verhältnismäßig folgenlose Rückkehr zum Status quo ante.

Ausnahmezeichner Jason Fabok liefert allerdings vom Anfang bis zum Ende der Joker-Saga hervorragende Arbeiten ab, die schon für sich genommen die Lektüre rechtfertigen.


Batman: Die drei Joker: Bd. 3 (von 3)

Inhalt

Das große Finale der Trilogie von Bestsellerautor Geoff Johns und Top-Zeichner Jason Fabok!

Der wahre Joker plant zusammen mit seinem verbliebenen Double seinen vielleicht grausamsten Scherz. Sie befreien Joe Chill, den Mörder von Bruce Waynes Eltern, aus dem Gefängnis, und locken den Dunklen Ritter zu jenem Ort, wo Martha und Thomas Wayne einst starben – und wo ihr Sohn endlich die Wahrheit über ihren Tod erfahren soll

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Geoff Johns
(*25. Januar 1973 in Detroit, Michigan) ist ein US-amerikanischer Comicautor, Filmproduzent und Drehbuchautor. Des Weiteren ist er Präsident und „Chief Creative Officer“ des US-amerikanischen Comicverlages DC Comics.

(Quelle: Wikipedia)

Geoff Johns – Homepage | Geoff Johns – Facebook

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 06.07.2021
Originalausgaben: Batman: Three Jokers Book 3
Seitenzahl: 60
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)