Review

Gegen maskierte Helden und Vigilanten

Mit dem Sammelband „Batman – Detective Comics 15: Aufruhr in Gotham“ und den darin enthaltenen US-Ausgaben „Detective Comics #1028–1033“ nimmt der Batman-Run von Autor Peter J. Tomasi bereits ein jähes Ende. Tomasi hatte die Reihe – nach einigen Zwischenepisoden – von James Tynion IV übernommen (nach „Batman – Detective Comics 7: Batmen Eternal“).

In der vorliegenden Ausgabe hat Batman Bruce Wayne gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. So ist der Dunkle Ritter nach wie vor von dem Tod seines Ziehvaters und Gefährten Alfred Pennyworth („Batman 12: Bane City“) gezeichnet. Außerdem strebt der ehemalige Cop Christopher Nakano, welcher im „Joker War“ einen Freund und ein Auge verlor, nach dem Amt des Bürgermeisters von Gotham City. Insbesondere ruft Nakano indessen zur Hetze gegen maskierte, selbst ernannte Rächer auf. Ins gleiche Horn bläst der neue Schurke Mirror mit seiner verspiegelten Maske, welcher eine Revolution und einen wütenden Mob gegen maskierte Helden und Vigilanten anführen will. Die Batman-Familie rund um Nightwing, Red Hood, Batgirl und die anderen gerät ins Fadenkreuz einer gespaltenen Gesellschaft. Zu allem Überfluss hat Bruce einen Konflikt mit seinem zornigen Sohn Damian alias Robin zu bewältigen, der ebenfalls massiv von Alfreds Tod beeinträchtigt ist.

Geschichte wiederholt sich

Obwohl die Arbeit von Tomasi an „Detective Comics“ (seit „Batman – Detective Comics 10: Der Batman-Mythos“) inhaltlich nicht eben kürzer als jene des Vorgängers – Tynion IV – ausgefallen ist, wird sie meines Erachtens zügig in Vergessenheit geraten. Und das, obwohl Peter J. Tomasi unstreitig ein besonders fähiger Comicautor ist, und obwohl sich hier immer wieder interessante Ansätze für packende Batman-Geschichten verbergen.

Es bleibt wie in den vergangenen Monaten die Erkenntnis, dass wir es vorliegend seit geraumer Zeit mit Platzhaltern, Lückenfüllern, (mal mehr, mal weniger) ansprechenden kleinen Episoden und überschaubaren Kurzgeschichten ohne Tiefe zu tun haben (vgl. z.B. „Batman – Detective Comics 13: Eiszeit in Gotham“). Es mangelt an einer komplexen Storyline bzw. einem übergeordneten Rahmen oder Konzept. Dieses Stückwerk-Vorgehen setzt sich auch zum „großen Finale“ fort und kulminiert in einer Geschichte, die nochmals sämtliche Probleme von Tomasis Kapiteln schonungslos offenlegt.

Hier haben wir es in jedem Sammelband mit anderen Handlungssträngen, anderen Schurken und Widersachern sowie anderen Konflikten zu tun. Eine größere, zusammenhängende Storyline gibt es nicht mehr. Überschaubare oder auch kurze Batman-Episoden sind dabei allerdings nicht das eigentliche Problem.

Im Serienfinale merken wir, dass „Detective Comics“ seine vermeintlichen Geschichten schon seit längerer Zeit nicht mehr selbst erzählt und verhandelt, sondern stattdessen auf die Arbeiten anderer Autoren und Serien Bezug nimmt, auf einschneidende Ereignisse querverweist oder einfach Episoden aus den großen DC-Events einschiebt.

Leseprobe aus „Batman – Detective Comics 15: Aufruhr in Gotham“. (Copyright: Panini Comics)

So waren es zuletzt insbesondere Event-Kapitel zu allen größeren Geschehnissen („Joker War“, „Das Jahr des Schurken“ usw.), die eine eigene Erzählung blockiert haben. Die Leserschaft erfährt nicht in der Reihe, die sie eigentlich gerade liest, dass Bruce seine Ressourcen verloren hat. Alfreds Ermordung spielt vorliegend emotional zwar eine große Rolle, wurde aber in der parallelen Batman-Reihe veröffentlicht und abgehandelt. Wer lesen und verstehen will, welch maßgeblichen Einfluss der Tod vom Ziehvater Alfred Pennyworth auf den jungen Damian Wayne hat, der sollte – im Idealfall – den „Teen Titans Megaband 4: Das Ende von Robin“ gelesen haben. Dort wird nämlich dessen Gemütslage herausgearbeitet und sein gnadenloser Krieg gegen das Verbrechen in Gotham City vorgestellt. Hier werden diese umwälzenden Strukturen schlicht vorausgesetzt, eingeflochten und kurz abgehandelt. Für einen „echten“ Vater-Sohn-Konflikt oder gar psychologische Tiefe reichen die hiesigen Versatzstücke nicht aus.

Der neue Bürgermeister-Kandidat und der neue Schurke Mirror verfügen durchaus über interessante charakterliche Ansätze, erhalten indes zu wenig Raum zur Entfaltung.

Es ist wie zuvor: Es gibt zwar viele interessante Ansätze, aber selbst im letzten Heft noch immer keine wirkliche fruchtbare, packende Geschichte.

Fazit

Mit Sammelband 15 endet nun ein Run von Peter J. Tomasi, der zwar länger andauerte, als man meinen sollte, jedoch am Ende des Tages nicht viel zu erzählen wusste.

Mit „Batman – Detective Comics 1: Neue Nachbarn“ dürfen sich nun neue Kreative rund um Mariko Tamaki an der traditionsreichen Batman-Serie versuchen. Da der Neuanfang insbesondere mit dem neuen Bürgermeister Christopher Nakano zu tun haben wird, bleibt die Hoffnung auf ein Stück weit Kontinuität und eigene erzählerische Schwerpunkte.


Batman – Detective Comics 15: Aufruhr in Gotham

Inhalt

Der Bürgermeister-Kandidat und der neue Schurke Mirror machen Stimmung gegen die Helden und auf Gothams Straßen explodiert die Gewalt! Batman und seine Mitstreiter sind mittendrin – und jetzt kommt es auf den zornigen Robin Damian Wayne an!

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Peter J. Tomasi
ist ein amerikanischer Comic-Redakteur und Schriftsteller, der für seine Arbeit für DC Comics bekannt ist. Als Redakteur betreute er zahlreiche Bücher der Justice League, darunter Bücher mit verschiedenen Mitgliedern des Teams wie Batman, Aquaman, Martian Manhunter, Green Lantern oder Flash. Als Schriftsteller hat er Bücher mit Batman und Robin und The Outsiders sowie Green Lantern bezogene Bücher wie Blackest Night oder Brightest Day geschrieben.

(Quelle: Wikipedia)

Peter J. Tomasi – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 04.10.2022
Originalausgaben: Detective Comics 1028–1033
Seitenzahl: 140
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)