Review

White Knight unter Black Label

Nach dem Auftakt zur dreibändigen Batman-Geschichte „Batman: Damned“ von Bestseller-Autor Brian Azzarello und Star-Zeichner Lee Bermejo wollen wir uns einem weiteren Titel widmen, der unter dem Black Label von DC erscheint: „Batman: White Knight“ bzw. Batman: Der Weiße Ritter“.

Diese neuerliche, eigenständige Geschichte, losgelöst von der Kontinuität des DC-Universums, stammt aus der Feder von Autor und Zeichner Sean Murphy, der hier mit den Farben von Matt Hollingsworth unterstützt wird.

Für seine eigenwillige Batman-Geschichte hat sich Murphy die ewige Fehde zwischen dem Dunklen Ritter und seiner Nemesis, dem Joker, dem Clownprinz des Verbrechens, ausgesucht. Dabei lässt der Autor den altbekannten Konflikt in Gotham City unter umgekehrten Vorzeichen ablaufen.

Ein völliger Rollentausch

Batman hat alle Hände voll zu tun, seine Heimatstadt Gotham City gegen das Böse zu verteidigen. Noch dazu ist sein Erzfeind, der Joker, auf freiem Fuß. Nach einer aufreibenden Verfolgungsjagd kann der grimmige Dunkle Ritter den Clownprinz jedoch stellen. Der Irre provoziert ihn indes so weit, dass ein nunmehr enthemmter und rücksichtsloser Batman den Joker vor den Cops von Gotham zu Brei schlägt und mit Pillen vollstopft.

Nachdem sich der Joker von dieser Tracht Prügel erholt hat, scheint er ein ganz anderer Mann geworden zu sein. Seinen bürgerlichen Namen Jack Napier führend, schwört der Ex-Joker der Stadt Gotham City seine Liebe und sagt dem maskierten Vigilanten Batman, der vermeintlichen Plage für die Metropole, den Kampf an. Dabei kann er sich auf eine Harley Quinn verlassen, die den Mann und nicht das Monster liebt.

Eine andere vom Wahnsinn beschwingte Clownprinzessin Harley Quinn treibt jedoch auch noch ihr Unwesen. Sie will das Erbe des Jokers fortführen und selbstverständlich ihren Pupsie zurück haben. Eine echte Belastungsprobe für diese verrückte Dreiecksbeziehung.

Einschätzung

In Batman: Der Weiße Ritter“ muss sich der Dunkle Ritter einer echten Zerreißprobe stellen. Nicht nur der Joker, Harley und alle anderen Superschurken von Gotham formieren sich gegen die Fledermaus. Auch Dick Grayson alias Nightwing, Batgirl und Jim Gordon widerstrebt die Herangehensweise des Mitternachtsdetektivs mehr und mehr.

Dabei geht Sean Murphys Konzept der Rollenvertauschung vollends auf, wenn ein vernunftbegabter Joker mit scharfem Verstand die Fledermaus an den Rand des Wahnsinns treibt. Insbesondere, wenn der weiße Ritter Jack Napier dem Dunklen Ritter vorwirft, er würde Gotham City ins Chaos stürzen.

So verrückt hat Batman Gotham gemacht!„. Chris Nolans „Dark Knight“ lässt grüßen.

Selbstjustiz

Zwar werden das Thema Selbstjustiz und Vigilantismus und die Folgen von Batmans Kreuzzug gegen das Böse freilich nicht zum ersten Mal ausdifferenziert in einem Batman-Comic verhandelt, doch Sean Murphy gelingt das auf eine derart originelle und frische Art und Weise, dass man seinem Batman: Der Weiße Ritter“ das Potenzial eines künftigen Klassikers des Genres attestieren möchte.

Dazu trägt natürlich bei, dass auch der Zeichner Sean Murphy auf ganzer Linie zu überzeugen vermag und ein unnachahmliches Artwork abliefert.

Popkulturelle Querverweise

Darüber hinaus ist diese ungewöhnliche Batman-Story noch vollgepackt mit Anspielungen sowie kleinen Details für Fans und Murphy glänzt mit seinem Gespür für wunderbare popkulturelle Querverweise.

Leseprobe aus „Batman: Der Weiße Ritter“ von Autor und Zeichner Sean Murphy. (Copyright: Panini Comics)

So erweist er vor allem den „Batman“-Filmen unter der Regie von Tim Burton seine Reverenz. Schließlich hieß der von Jack Nicholson verkörperte Joker seinerzeit Jack Napier und auch das Batmobil ist dieser Ära nachempfunden.
Ein anderes Gefährt erinnert wiederum an den Tumbler aus „The Dark Knight“.
Es gibt eine Hommage an die Eiskanone von Mr. Freeze aus Joel Schumachers Batman & Robin“ sowie die furchtbaren ständigen Frost- und Eis-Witze der von Schwarzenegger verkörperten Figur.

Und auch die Comic-Klassiker „Batman: Killing Joke“ sowie vor allem Batman: Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ (Nachrichtenformat über Batmans Rolle sowie das Erscheinungsbild des grimmigen Dunklen Ritters) erfahren in diversen Momenten eine Ehrerbietung.

Es gibt allerdings noch so viel mehr zu entdecken, dass es jedem Fan des Dunklen Ritters nur ans Herz gelegt werden kann, Batman: Der Weiße Ritter“ selbst zu lesen.

Fazit

Abgesehen von einer womöglich leichten Überlänge gegen Ende und einer verpassten Chance, noch tiefer in die tiefenpsychologische Betrachtung des Dunklen Ritters und seines Verhältnisses zum Clownprinz einzutauchen, bringt Gothams Weißer Ritter alles mit, was man sich von einem Batman-Comic unter dem Black Label wünschen könnte.

Inhalt

Der geheilte Joker soll Gotham vor einem irren Batman retten! 

Ausnahmekünstler Sean Murphy entfesselt die grenzenlose kreative Freiheit des neuen Black Label in einer Batman-Saga, wie man sie noch nie gelesen hat! In spektakulären Bildern zeigt er, wie ein vom Wahnsinn geheilter Joker Jack Napier Gotham vor Batmans außer Kontrolle geratenem Kreuzzug retten will. So wird der Joker mit Harley Quinn an seiner Seite zum Weißen Ritter …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Sean Murphy
ist ein amerikanischer Comiczeichner, bekannt für seine Arbeiten an  „Teen Titans“, „Hellblazer: City of Demons“, „Shaun of the Dead“ und anderen.

(Quelle: Wikipedia)

Sean Murphy – Homepage

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 26.03.2019
Originalausgaben: Batman: White Knight 1-8
Seitenzahl: 220
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)