Review

Die Rückkehr des Weissen Ritters

Mit seiner eigenständigen Alternativwelt unter dem Black Label von DC Comics hat Sean Murphy für einige Furore gesorgt und sich zu einem der angesagtesten Autoren und Zeichner im Comic-Bereich entwickelt. Während in „Batman: Der Weiße Ritter“ Batman und der Joker Jack Napier im Fokus des Geschehens standen, waren es in „Batman: Der Fluch des Weißen Ritters“ vor allem der Dunkle Ritter, der brutale Azrael sowie die Psychologin Harley Quinn.

In Murphys eigener Version von Gotham City pflegt Harley eine ganz besondere Beziehung sowohl zu Batman als auch (natürlich) zum Joker bzw. zu Jack Napier. Während die Ex-Clownprinzessin mit dem Joker Zwillinge bekommen hatte und nach den dramatischen Ereignissen der ersten beiden Bände nunmehr Witwe und alleinerziehende Mutter ist, verbindet sie mit Bruce Wayne alias Batman – nach wie vor – eine enge Freundschaft und Zusammenarbeit. Dieses vertrauensvolle Verhältnis wird indessen dadurch erschwert, dass sich Bruce jüngst ins Gefängnis sperren ließ.

Im dritten Band von Murphys Batman-Remix, „Batman – Der Weiße Ritter: Harley Quinn“, sind nunmehr endgültig die Fähigkeiten der Psychologin Harleen Quinzel gefragt, die von Anti-Terror-Cop Duke Thomas aus dem vorzeitigen Ruhestand geholt wird.

Stars und Sternchen im Fadenkreuz

Bruce Wayne hat der Öffentlichkeit offenbart, dass er der Dunkle Ritter ist und großen Anteil am Chaos in Gotham City hatte, weshalb er zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Doch das Verbrechen in Gotham schläft nicht.

Bekanntermaßen gehören die Feinde des Dunklen Ritters zu den berühmtesten Verbrechern der gesamten Popkultur. Und nun gesellt sich ein neuer Widersacher hinzu: Der Producer.

Dieser wahnsinnige Schurke hat es offenkundig auf die Filmstars früherer Tage, auf Stars aus dem Goldenen Zeitalter, abgesehen. Er zieht die Fäden indessen aus dem Hintergrund des Geschehens – als planvoll lenkender Hintermann. Als Tatwerkzeug nutzt er eine junge Frau, die sich von dem Versprechen leiten lässt, das nächste Starlet zu werden.

Um das neue Schurkenpaar zu fassen und weitere Tote zu verhindern, brauchen die Polizei und das GTO (the Gotham Terrorism Oppression) rund um Duke Thomas besondere Hilfe: Harleen Quinzel alias Harley Quinn, einst Gehilfin des Jokers. Schließlich hat niemand mehr Erfahrung mit dem Wahnsinn und der Gefährlichkeit, den hässlichsten Dämonen und den widerlichsten Trieben Gothams als die Psychologin des Arkham Asylum a. D.. Es formiert sich eine besondere Task Force aus Harleen, Duke sowie dem neuen Psychiater Hector Quimby. Im Zuge der voranschreitenden Ermittlungen ist Harley besonders gefordert, denn einerseits hat Quimby eine fragwürdige Vergangenheit und andererseits macht ihr die neue Doppelrolle als alleinerziehende Mutter und frischgebackene Heldin Gothams zu schaffen.

Doch der Mitternachtsdetektiv glaubt an seine neue Protégée.

Neue Schwerpunkte, alte Stärken

Nach den ersten beiden „Batman: White Knight“-Bänden, die insbesondere auf die Geschicke von Batman Bruce Wayne, vom charismatischen Joker Jack Napier sowie vom brutalen Azrael fokussiert waren, wechselt der Scheinwerfer nun endgültig zu Harley Quinn.

So waren Harleen und die gewalttätige Harley-Nachahmerin Marian Drews alias Neo Joker zwar auch zuvor bereits wesentliche Eckpfeiler dieser Alternativwelt-Interpretation; doch nun ist Harley in ihrer klassischen Rolle als Psychologin die Zentralfigur der Handlung. Statt einer verrückten und schlagfertigen Schurkin bzw. Antiheldin interpretiert Murphy die – sonst gewohnte – Gegenspielerin als einfühlsame und selbstkritische Heldin. Vergleichbar mit dem frischen Ansatz von Kami Garcia in „Joker/Harley: Psychogramm des Grauens“, in welchem Dr. Harley Quinn ebenfalls als Profilerin für die Polizei von Gotham City arbeitet, geht es auch hier einerseits um die schwierigen Ermittlungen im Fall eines psychopathischen Killers, aber auch um Harleys Vergangenheit mit dem Joker. Die Schwerpunkte, die Charaktere und Eigenheiten der Figuren sind dabei freilich der jeweiligen Serie untergeordnet.

Im Gegensatz zu der üblichen Mythologie wird die Psychologin Harleen Quinzel hier nicht vorwiegend vom finsteren Charakter des Clownprinzen des Verbrechens angezogen. Gewidmet sind ihre Leidenschaft und ihr beruflicher Enthusiasmus ihrer großen Liebe: Jack Napier, dem Mann hinter der kaputten und verschmierten Fassade. Dadurch ändert sich der Schwerpunkt der – gewohnt – toxischen Beziehung dieser beiden Figuren zu einem neuen Ansatz. Es ist wahre Liebe, die Harleen davon abhält, Batmans geisteskranken Gegenspieler fallen zu lassen. Weniger Stockholm Syndrom und mehr aufrichtige Hingabe. Dadurch gewinnt Harleys Figur an Größe und Glaubwürdigkeit.

Leseprobe aus „Batman – Der Weiße Ritter: Harley Quinn“. (Copyright: Panini Comics)

Dass die Story erstmals nicht allein von Sean Murphy stammt, sondern in Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau und Co-Autorin Katana Collins entstanden ist, ändert nichts an der herausragenden Qualität der Geschichte. Viele Köche verderben vorliegend nicht den Brei bzw. das Murphyverse“. Stil und Ton sowie Emotionen des „White Knight“-Universums bleiben unverändert. Wir sehen die bekannten Figuren aus der Mythologie des Mitternachtsdetektivs, aber auf – mal dezent, mal tiefgreifend, aber jedenfalls – frische und aufregende Art und Weise.

Kritisieren lässt sich womöglich, dass die eigentliche Suche nach dem Mörder hier gar nicht so bahnbrechend ausfällt. Indessen verleiht diese Ausgabe Harleen Quinzel und vor allem ihren Beziehungen zu Jack und Bruce nochmals besondere Tiefe und Komplexität, wodurch dem Leser/der Leserin diese Welt und ihre glaubwürdigen Helden noch mehr ans Herz wachsen.

Dass das Artwork diesmal ebenfalls erstmals nicht von Murphy selbst, sondern von Zeichner Matteo Scalera stammt, ändert überdies auch nichts an dem altbekannten und geliebten Charme der Reihe. Scaleras außergewöhnlich detailverliebte und facettenreiche Arbeiten haben wir seit jeher bereits in „Black Science“ von Autor Rick Remender bewundert. Und ebenso wie bei dem unabhängigen Science-Fiction-Titel vermag der Künstler aus dem italienischen Parma auch hier als Illustrator in jeder Hinsicht zu überzeugen. Dabei muss er sich auch gar nicht großartig verbiegen, da sein Strich Murphys eigener Version ohnehin sehr nahekommt.

Fazit

Sean Murphy, seine Frau und Co-Autorin Katana Collins sowie Spitzenzeichner Matteo Scalera liefern mit „Batman – Der Weiße Ritter: Harley Quinn“ einen weiteren Beitrag zum „Murphyverse“, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Dem künstlerischen Team gelingt es dabei die Geschichte so zu präsentieren, dass sie sich auch für Neueinsteiger und Gelegenheitsleser eignet. Doch wer sich diese Alternativwelt-Interpretation bislang – ohne Not – hat entgehen lassen, der ist selber schuld.


Batman – der Weiße Ritter: Harley Quinn

Inhalt

Harley Quinn auf Mörderjagd

In Gotham City hat sich vieles verändert, sei der Joker tot ist und Bruce Wayne wegen seines Kreuzzugs als Batman zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Aus dem düsteren Moloch ist eine Stadt mit Zukunft geworden, mit weniger Verbrechen und Korruption. Dann aber schlägt ein neuer Serienmörder zu, und der hat es auf alte Filmstars abgesehen. Um den Täter zu fassen und weitere Tote zu verhindern, braucht die Polizei die Hilfe der Psychologin Harleen Quinzel, die einst die Gehilfin des Jokers war, denn niemand kennt sich besser mit irren Killern aus als sie. Und so geht Harley Quinn auf Mörderjagd …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Sean Murphy
ist ein amerikanischer Comiczeichner, bekannt für seine Arbeiten an  „Teen Titans“, „Hellblazer: City of Demons“, „Shaun of the Dead“ und anderen.

(Quelle: Wikipedia)

Sean Murphy – Homepage

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 21.09.2021
Originalausgaben: White Knight Presents: Harley Quinn 1-6
Seitenzahl: 164
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)