Review

Ein langjähriges Erbe

Die Erwartungshaltung ist sicher enorm, wenn mit Scott Snyder und Greg Capullo eines der prägenden Batman-Teams der vergangenen Jahre, wenn nicht gar schon jetzt aller Zeiten, unter dem Black Label von DC eine finale Reise für den Dunklen Ritter kreiert.

Immerhin haben der Bestseller-Autor und der großartige Comic-Künstler mit „Jahr Null“ nicht nur eine neue Ursprungsgeschichte des finsteren Rächers von Gotham entwickelt, sondern auch atemberaubende Geschichten wie „Der Rat der Eulen“ oder „Der Tod der Familie“ hinterlassen („Batman 58“). Auf den Rat von Autor Grant Morrison hat das Dream-Team Batman sogar kurzzeitig zu Grabe getragen und in der Übergangszeit James Gordon zum schwer bewaffneten Beschützer mit dem Fledermaus-Zeichen erkoren („Superschwer“).

Nun wartet auf uns Leser (vorläufig) Batmans letztes Abenteuer aus der Feder von Scott Snyder und Greg Capullo. Die deutsche Ausgabe von „Batman: Der letzte Ritter auf Erden“ umfasst dabei die gesamte dreiteilige postapokalyptische Reihe „Last Knight on Earth #1-3“.

Eines gleich vorweg: Dies soll eine ebenso außergewöhnlich innovative, wie bizarr-groteske Reise, voll von überbordender Fantasie durch eine düstere Zukunft werden.

Wahrheit, Fiktion und Vielschichtigkeit 

Batman ist mit der Lösung eines komplizierten Falls befasst. Doch plötzlich erwacht Bruce Wayne als Patient im Arkham Asylum. Ist er etwa niemals der Dunkle Ritter gewesen, und war all das nichts weiter als ein verrückter Fiebertraum? Das kann nicht sein, das darf nicht sein. Ein bizarrer Zwangsjacken-Batman entkommt aus dem Asylum und landet außerhalb der Anstalt in einer trostlosen postapokalyptischen Welt, die ihm völlig unbekannt ist.

In der Einöde trifft er ausgerechnet auf seine langjährige Nemesis, den irren Verbrecherclown, den Joker – jedoch anders als gedacht. Es handelt sich lediglich um den abgeschlagenen Kopf des Jokers in einer Laterne, der dennoch ohne Punkt und Komma quasselt.

Dieses aberwitzige Dream-Team aus dem Fledermaus-Helden und seinem skrupellosen Feind streift nun über eine fast gänzlich tote Erde. Und auf ihrem Kreuzzug begegnen ihnen tatsächlich frühere Verbündete, nur um ihnen mitzuteilen, dass die Helden gefallen sind, und nunmehr ein Schurke herrscht, der dem Dunklen Ritter alles andere als unähnlich zu sein scheint: Der machtvolle Omega. Batman holt aus zum finalen Schlag gegen das Verbrechen.

Kritik

Mit „Last Knight on Earth“ beenden Scott Snyder und Greg Capullo einstweilen ihre Arbeit an einer Figur, die sie über eine Dekade hinweg geprägt haben. Und das gelingt ihnen in brillanter und eindrucksvoller Manier.

Zu Beginn erinnert die postapokalyptische Batman-Saga noch an Martin Scorseses „Shutter Island“. Wir begleiten einen Dunklen Ritter, der nicht das zu sein scheint, was er sein soll, nämlich der Beschützer mit dem Fledermaus-Zeichen für seine Stadt Gotham City. Stattdessen befindet sich Bruce Wayne offenbar im Verlauf einer Therapie, wobei seine Feinde aus Gotham entweder Ärzte oder Pfleger, jedenfalls aber keine verrückten Verbrecher sind. Doch auch dieser Schein soll trügen.

Batman auf einer beklemmenden Reise in „Batman: Der letzte Ritter auf Erden“. (Copyright: Panini Comics / DC Comics)

Batman gelangt in eine postapokalyptische Welt mit dem Kopf des Jokers in einer Laterne (!) als Partner. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist „Batman: Der letzte Ritter auf Erden“ ein bisweilen witziger, fantasievoller und vor allem grotesker Trip. Gerade die absonderliche Beziehung zum Joker, der hier zuvor offenkundig bereits zu seinem finalen Schlag gegen den Dunklen Ritter ausgeholt hatte, steht immer wieder im Fokus und wird von Scott Snyder ausgelotet. So fungiert der Joker vorliegend nicht nur als mitreisende Figur durch die postapokalyptische Welt, sondern auch als Erzähler der Geschichte. Dabei schwankt der legendäre Schurke zwischen flapsigen und gehaltlosen Sprüchen und (beiläufig) tiefenpsychologischen Erkenntnissen immer hin und her. Am Ende des Tages mag die Erkenntnis sein, dass der Joker gar nicht wüsste, was er machen sollte, wenn der Dunkle Ritter nicht mehr da wäre (Chris Nolans „The Dark Knight“ lässt grüßen).

Im Gegensatz zum eigentlichen Black Label-Konzept, nämlich eigenständige Comic-Highlights insbesondere auch für Neueinsteiger und Gelegenheitsleser zu präsentieren, sei der Hinweis erlaubt, dass „Last Knight on Earth“ am ehesten der Abschlussband der (früheren) Batman-Serie von Snyder und Capullo ist. So ist er für Gelegenheitsleser nicht unlesbar, erhält aber einen gewaltigen Mehrwert durch die Kenntnis der Reihe vor dem erneuten Relaunch.

In dieser postapokalyptischen Welt erzählt Scott Snyder konsequent die Version seines Batman zu Ende. Batman ist bei Snyder weit mehr als der „Caped Crusader“, der in schmutzigen Straßen und finsteren Gassen einer düsteren Metropole Verbrecher mit bloßen Händen zu Brei schlägt. Bei Snyder und Capullo ist Batman ein Symbol der Hoffnung im Angesicht der großen Nöte und Ängste unserer Zeit – jeder Zeit, alle Zeit. Und diese Hoffnung schöpft sich insbesondere daraus, dass er einer von uns ist. Kein Superheld mit Superkräften, sondern ein Mensch, ein Dunkler Ritter.

„Aber genau das ist das Besondere an Batman. Er ist … und bleibt einer von vielen.“

Zitat aus „Batman: Der letzte Ritter auf Erden“ (Quelle: Panini Comics)

Greg Capullo („Reborn“) ist ohne Weiteres einer meiner Lieblingszeichner. Sein Batman hat einen ganz besonderen Wiedererkennungswert und mit seinen Charakterdesigns hat er sich vorliegend selbst übertroffen. Ob das der bizarre Kopf des Jokers in einer Laterne ist, eine postapokalyptische Wonder Woman mit Irokesenschnitt, eine furchterregende Fusion aus Bane und Scarecrow, ein wahnsinniger Lex Luthor oder eben der wunderbar erschreckende Zwangsjacken-Batman. Das Artwork Greg Capullos erzeugt gemeinsam mit Snyders Geschichte ein unnachahmliches Bild.

Fazit

„Last Knight on Earth #1-3“ ist eine wahnsinnig komplexe Geschichte, die am ehesten als der Abschlussband der Batman-Serie von Scott Snyder und Greg Capullo verstanden werden kann. Für Neueinsteiger und Gelegenheitsleser des Black Labels dürfte das also mitunter schwerer zu durchdringen sein. Am Ende des Tages ist dieses postapokalyptische letzte Abenteuer des Dunklen Ritters aber nicht weniger als ein virtuoses, doppelbödiges Spiel zwischen Wahn und Wirklichkeit, dass das Bild von Batman, so wie Snyder und Capullo es verstehen, abrundet.

Aufgrund der Komplexität der Reihe habe ich das Werk bereits zweimal gelesen, und bin der Ansicht, dass es hier immer noch einiges zu entdecken gibt. Wer darauf keine Lust hat, der wird mit dieser Batman-Saga aller Wahrscheinlichkeit nach nicht glücklich.

Inhalt

Eine postapokalyptische Batman-Saga vom Bestseller-Dream-Team Scott Snyder und Greg Capullo (BATMAN METAL)!

Bruce Wayne erwartet in einer düsteren Zukunft nur Wahnsinn: als Patient im Arkham Asylum, wo man behauptet, dass er sich seinen Kreuzzug nur eingebildet hat – und in einer postapokalyptischen Welt, deren bizarre Ruinen der Dunkle Ritter mit dem Kopf des Jokers in einer Laterne durchstreift.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Scott Snyder
ist ein US-amerikanischer Schriftsteller.

Quelle: Wikipedia)

Scott Snyder – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 26.05.2020
Originalausgaben: Last Knight on Earth 1-3
Seitenzahl: 188
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)