Review

Das Black Label von DC ist bislang eine wahnsinnig erfreuliche Angelegenheit für Superhelden-Comic-Leser. Hier präsentieren durchweg großartige Künstler der Branche – von wenigen Ausnahmen abgesehen – großartige Werke mit den bekannten Helden, Antihelden und Schurken des DC-Kosmos in frischer und innovativer Weise.

Besonders hervorzuheben sind bisher „Harleen“, „Wonder Woman: Dead Earth“, „Batman: Der letzte Ritter auf Erden“ und nicht zuletzt Sean Murphys unnachahmlicher Beitrag zum Batman-Mythos: „Batman: Der Weiße Ritter“.

Mit „Batman – Der Fluch des Weißen Ritters“ liegt nunmehr die langerwartete Fortsetzung dieses modernen Klassikers der reichhaltigen Geschichte des Mitternachtsdetektivs vor. Sean Murphy setzt seine Saga mit den bereits etablierten Figuren Batman, Joker alias Jack Napier, Jim Gordon, Batgirl, Dick Grayson sowie Harley Quinn fort. Dabei verlagert er indessen den Schwerpunkt seines eigenständigen Comics dergestalt, dass es zwar nach wie vor um die ewige Fehde zwischen dem Dunklen Ritter und dem Clownprinz des Verbrechens geht; diesmal steht jedoch ein anderer Kontrahent im Fokus der Geschichte, während der Joker die Fäden eher aus dem Hintergrund zieht.

Batman: Curse of the White Knight

Gotham Valley, Arkham Manor, 1685: Auch Edmond Wayne, der erste Wayne, der je nach Gotham gekommen ist, hatte bereits einen Feind, der dem Joker glich: Lafayette Arkham (aka Laffy). Im Kampf gegen das Böse in Gotham wurde der erste der Waynes von einem Priester namens Bakkar unterstützt, einem geistlichen Krieger und Mitglied des Ordens von St. Dumas. Der Priester forderte jedoch einen großen Preis für seine Hilfe: die Hälfte von Gotham. Es kam zu einem Betrug und es entzündete sich eine Familienangelegenheit, die bis in die Moderne reicht.

In der Gegenwart spannt der Joker Jean Paul Valley aka Azrael, seines Zeichens ebenfalls ein Ritter des Ordens von St. Dumas, für seine verrückten Pläne ein. Jean Paul inszeniert sich als die Rache Gottes und will Bruce Wayne für die – vermeintlichen – Verbrechen seiner Familie zur Rechenschaft ziehen; nach drei Jahrhunderten soll das Haus der Waynes gerichtet werden. Der Kampf zwischen dem Mitternachtsdetektiv und dem gnadenlosen Azrael mit seinem Flammenschwert soll dabei Opfer auf den beiden Seiten fordern.

Eine epische Saga

Mit Superlativen sollte man stets vorsichtig sein. Für uns war jedoch bereits der Vorgänger „Batman: White Knight“ ein modernes Meisterwerk der Batman-Mythologie. Nicht anders verhält es sich mit „Batman: Curse of the White Knight“ – der nächste Meilenstein der Batman-Welt.

Autor und Zeichner Sean Murphy gelingt in seiner zweibändigen Saga, was manch einem Künstler in einer ganzen Karriere nicht gelingt. Er kreiert einen Batman, der sowohl visuell als auch erzählerisch über Originalität und starken Wiedererkennungswert verfügt und schlichtweg einprägsam ist. Sein drahtiger, athletischer Mitternachtsdetektiv mit dem hochgestellten Kragen und dem stoppeligen Kinn sticht aus der Masse der Fledermaus-Männer ebenso hervor wie es beispielsweise die Inkarnationen eines Frank Miller oder auch eines Greg Capullo getan haben.

Das neue Kapitel aus der Welt des Weißen Ritters wirft einen unverbrauchten Blick in die tiefsten Untiefen von Gotham City und ist dabei trotzdem wieder mit vielfältigen Referenzen und Querverweisen auf die Mythologie von Batman versehen.

Allein das Artwork von Sean Murphy macht „Batman – Der Fluch des Weißen Ritters“ bereits lesenswert. (Copyright: Panini Comics)

Die Familienfehde zwischen Bruce Wayne und Jean Paul Valley ist zwar einerseits vollkommen innovativ und eigenständig, nimmt aber dennoch immer wieder Bezug auf den Batman-Klassiker „Batman: Knightfall – Der Sturz des Dunklen Ritters“. Im Verlauf dieser Saga wurde Jean Paul zumindest vorübergehend von Bruce zu seinem Nachfolger ernannt und konnte als neuer Batman sogar Knochenbrecher Bane besiegen. Der Bruch des Rückgrats, ein Kampf gegen Bane und der Wahnsinn Azraels sind hier ebenso allgegenwärtig wie Sean Murphys unverkennbare Liebe für die düsteren Batman-Filme von Tim Burton.

Nicht zufällig hieß das Alter Ego des Jokers schon im Vorgänger (wie Jack Nicholson) Jack Napier; diesmal gesteht Batman außerdem kurz vor dem Showdown mit seinem Rivalen, dass das Burton-Batmobil schon immer sein Liebling gewesen sei. An dieser Stelle spricht der Autor offenkundig durch seine Figur und lässt diese kundtun, was er (als Batman-Fan) auf dem Herzen hat.

Zum Abschluss gibt es noch eine Bonus-Geschichte mit „White Knight Presents Von Freeze“, erzählt ebenfalls von Murphy und in Szene gesetzt von Zeichner Klaus Janson. Diese berichtet von der Freundschaft zwischen Victor Fries und den Waynes und einer Flucht vor den Nationalsozialisten aus Deutschland. Besonders wert- und gefühlvoll wird diese Episode durch das persönliche Nachwort von Sean Murphy, wenn dieser von seiner privaten Freundschaft zu Klaus Janson und der Entstehungsgeschichte zu diesem Werk erzählt.

Fazit

Nach nur zwei Büchern haben Sean Murphy und sein Weißer Ritter tiefe Spuren in der Welt des Mitternachtsdetektivs hinterlassen.

Die Geschichten erzeugen wahnsinnige Sogwirkung und strotzen von der Liebe des Autors zu den Figuren und der Welt aus Batmans achtzigjähriger Historie. „Batman – Der Fluch des Weißen Ritters“ bringt eine eigenständige wie epische Betrachtung des Dunklen Ritters hervor und fesselt den Leser bis zum Schluss.

Inhalt

Eine Neuinterpretation von Batmans Welt

Wie Frank Miller wirft auch Ausnahmekünstler Sean Murphy in seinem eigenen Universum einen frischen Blick auf den Batman-Mythos. In diesem Komplettband nutzt der Joker ein altes, tief im Arkham Asylum vergrabenes Geheimnis, um für Batman, Jim Gordon, Batgirl, Harley Quinn und Gotham alles zu verändern. Der Clownprinz des Verbrechens rekrutiert sogar den brutalen Azrael, der sein Flammenschwert schwingt …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Sean Murphy
ist ein amerikanischer Comiczeichner, bekannt für seine Arbeiten an  „Teen Titans“, „Hellblazer: City of Demons“, „Shaun of the Dead“ und anderen.

(Quelle: Wikipedia)

Sean Murphy – Homepage

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 07.07.2020
Originalausgaben: Batman: Curse of the White Knight 1-8, Batman: White Knight Presents: Von Freeze 1
Seitenzahl: 268
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)