Review

Düstere Verdammnis

Mit dem mittlerweile dritten hochwertigen Hardcover im Albumformat, „Batman: Damned 3 (von 3)“, geht die eigenständige und unabhängige Serie unter dem DC Black Label-Etikett aus der Feder von Könner Brian Azzarello und Ausnahmekünstler Lee Bemejo in ihre finale Runde.

Bisher haben wir die düstere Geschichte um den Dunklen Ritter aus Gotham City durchaus zwiespältig rezipiert. Einerseits machen das brillante Artwork und der extrem aufwendige Stil von Bemejo jeden Comic lesenswert und zu einem echten Blickfang, da er schlicht und ergreifend ein Ausnahmetalent ist. Mit seinen düsteren und realitätsnahen Bildern ist er wie gemacht für die Welt der Fledermaus und die hier auftretenden okkulten Gestalten.

Andererseits ließ die Erzählweise von Brian Azzarello bislang – unerwartet – zu wünschen übrig. Nicht eben schnörkellos und selbst für dessen Verhältnisse ungemein verschachtelt erzählt, war es schwer zu sagen, worauf das Ganze hinauslaufen soll – diverse Nebenkriegsschauplätze inklusive.

Ausgangslage

Nachdem Gothams Dunkler Ritter schwer verletzt in einem Krankenwagen aufgewacht ist, taumelt er angeschlagen durch seine Stadt. Von John Constantine – der hier als eine Art unzuverlässiger Erzähler fungiert – erfährt er vom Ableben seiner Nemesis, des Jokers. In der Folge trifft der Mitternachtsdetektiv auf allerhand in der Welt der Magie, des Mystischen und Okkulten verhaftete Figuren des DC-Universums (wie die Magierin Zatanna, den Geist Deadman, den dämonischen Rapper J Blood oder auch das magische Wesen Enchantress („Batman: Damned 1 (von 3)“)).

Zum Ende von „Batman: Damned 2 (von 3)“ gerät Batman in ein Gefecht mit der verrückt-verzweifelten Harley Quinn. Seine Ermittlungen in Bezug auf seinen wahnsinnigen Erzfeind treten allerdings nach wie vor auf der Stelle.

Ein Spaziergang durch die Hölle Gotham City

Zum Beginn von „Batman: Damned 3 (von 3)“ erwacht der grimmige Dunkle Ritter in einem Sarg unter der Erde – lebendig begraben wie Beatrix Kiddo. Um sich zu befreien, bedarf es hier jedoch keiner „Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik“. Stattdessen kommt Batman – von Bemejo wunderbar in Szene gesetzt – Swamp Thing zur Hilfe.

Das monströse Sumpfding gerät dann wiederum mit dem Okkultisten John Constantine aneinander. Der Dunkle Ritter dürfe diesem nicht trauen. Abermals von der finsteren Hexe Enchantress heimgesucht, verfällt Bruce Wayne in albtraumhafte Rückblicke in seine Vergangenheit, insbesondere zu der Ermordung seiner Eltern Martha und Thomas Wayne, und wandelt dabei scheinbar an der Grenze zwischen Leben und Tod.

Nach einer Séance mit Zauberkünstlerin Zatanna scheint Batman endlich bereit zu sein, sein Schicksal zu akzeptieren und seine Ermittlungen im Mordfall des Jokers abzuschließen

Versuch einer Einordnung

Die dreibändige Geschichte „Damned“ von Top-Autor Brian Azzarello bleibt auch bis zum Schluss ausgesprochen verschachtelt und sperrig. Unabhängig davon verdient Azzarello für seinen komplexen Ansatz, seinen ebenso interpretationsoffenen wie interpretationsabhängigen und künstlerisch anspruchsvollen Stoff Beifall. Die düstere Geschichte erlaubt gerade mit ihrem Ende verschiedene Lesarten und lädt dementsprechend zu mannigfaltigen Deutungen und zu verschiedenen – unter den Lesern sicherlich – abweichenden Vermutungen ein.

Batman, lebendig in einem Grab, um Kontrolle ringend in „Batman: Damned 3“. (Copyright: Panini Comics)

Nach dem Schmökern legt die Story von Azzarello den Wunsch nahe, das gesamte Werk erneut zu lesen, ggf. die Perspektive zu ändern und noch tiefer in die Gedanken einzudringen. Dies ist ein Verdienst, das man Brian Azzarello und „Damned“ schlechterdings nicht absprechen kann.

Über seine eigene außergewöhnliche Geschichte hinaus präsentiert der Autor eine Hommage an den einflussreichen Comic-Klassiker Batman: Killing Joke“ von Alan Moore und Brian Bolland, und verbindet sie (lose) mit „Batman: Joker“ aus seiner eigenen Feder, ebenfalls gezeichnet von Lee Bermejo.

Die Kenntnis der letztgenannten Story um Jokers Entlassung aus der Irrenanstalt ergibt definitiv einen Mehrwert für die Lektüre des vorliegenden Werkes. Die Geschichten bauen in gewisser Weise aufeinander auf und scheinen im gleichen Universum zu existieren.

Über die Arbeit von Lee Bemejo sind an sich keine weiteren Worte zu verlieren. Dieser zaubert auch zum Abschluss von Batmans Odyssee nach Herzenslust und legt einen finsteren Kunstband vor, der Maßstäbe setzt.

Fazit

Um Spoiler zu vermeiden, bieten wir euch hier keinen Interpretationsansatz für „Batman: Damned“ an. Die gesamte Geschichte lässt sich grundsätzlich ohne größeres Vorwissen lesen und genießen, gewinnt aber einen Mehrwert, wenn andere Batman-Titel bekannt sind. Die Geschichte und insbesondere das Ende werden die Leser – mit ihrer ambitionierten und bisweilen auch prätentiösen Art – sicherlich spalten. Nichtsdestotrotz bleibt sie nachhaltig in Erinnerung und ist schon deshalb lesens- und empfehlenswert.

Inhalt

Das finale Album der finsteren, okkulten Batman-Interpretation!

Bruce wird mit den Dämonen seiner Vergangenheit konfrontiert …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Brian Azzarello
ist ein US-amerikanischer Comicautor, der unter anderem für die 100 Bullets-Reihe, eine Kurzepisode für Flinch, Episoden für Hellblazer und diverse andere Marvel/DC-Mainstream-Serien schreibt. 100 Bullets gewann 2002 sowohl den Harvey Award als auch den Eisner Award für die beste fortlaufende Serie.

(Quelle: Wikipedia)

Brian Azzarello – Twitter

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 03.12.2019
Seitenzahl: 60
Storys: Batman: Damned 3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)