Review

Drei Handlungsstränge, zwei Liebende, ein Finale 

Mit „Batman/Catwoman 4“ legt der umtriebige und preisgekrönte Autor Tom King („Strange Adventures 2 (von 2)“„Rorschach 4“, „Batman 12: Bane City“) das Finale seiner Alternativweltgeschichte vor. Die Beinahe-Hochzeit von Batman und Catwoman („Batman 8: Eisige Zeiten“) aus seiner eigenen „Batman“-Reihe soll hier veredelt werden.

Bereits zum Abschluss des letzten Albums („Batman/Catwoman 3“) waren wir – aufgrund der Arbeiten des Autors aus der jüngeren Vergangenheit – skeptisch, ob es King mit seiner abschließenden Konklusion gelingt, die wichtigsten Veränderungen und Erkenntnisse – vor allem im Leben von Selina Kyle – zu bündeln und eventuell sogar ein Fazit zu ziehen.

Vorliegend springen wir geradezu wild zwischen den Zeitebenen hin und her. Rastlos hetzen wir durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Während in der Vergangenheit vor allem Selinas Abkapselung und Abschottung vom Joker beleuchtet wird, gerät sie in der Zukunft mit ihrer geliebten Tochter Helena aneinander. Die Erbin im Zeichen der Fledermaus kann der Mutter nicht die Ermordung des Clownprinzen des Verbrechens verzeihen. Ethisch und moralisch kommt sie offenkundig eher nach dem Vater. Indessen kommt es auch zum Konflikt zwischen Helena und dem aktuellen Police Commissioner Dick Grayson. Jener verdächtigt wiederum seine Partnerin im Kampf gegen das Verbrechen, die verschlagene Mutter zu schützen.

Und schließlich kommt es in der Gegenwart zur lang ersehnten Hochzeit von Bats und Cat.

Was bleibt?

Das Finale zerfällt geradezu frappierend in zwei Hälften.

So ist da einerseits die visuelle Ebene dieser Geschichte, illustriert von Zeichner Clay Mann. Bereits in der Besprechung zu „Batman/Catwoman 3“ haben wir die Arbeiten Manns als herausragende Illustrationen eines Ausnahmekünstlers geadelt und das Artwork überdies als das Herz und die Seele der bisherigen Saga hervorgehoben. Der Künstler ist nach meinem Dafürhalten über jeden Zweifel erhaben und von jeglicher Kritik auszunehmen.

Warum fällt die Bewertung des finalen Albums im Vergleich zu den Vorgängern dennoch so erheblich ab?

Wir kommen zum Knackpunkt und damit zu der erzählerischen Ebene dieser vermeintlich „großen Saga über den Dunklen Ritter“. Einerseits ist dies hier primär und zuvorderst eine Catwoman-Saga. Diese Tatsache macht nicht nur das hiesige fantastische Cover, welches Cat klar hervorhebt, sondern auch die Geschichte immer wieder deutlich. Hier geht es nur geringfügig um Bruce und auch nur zeitweise um die schwierige Beziehung zwischen Batman und Catwoman. Der Scheinwerfer liegt insbesondere auf Catwoman respektive Selina Kyle und ihrem Charakter. Das für sich genommen ist indes nur eine Feststellung und keine Beanstandung.

Zu beanstanden ist meines Erachtens jedoch abermals das Storytelling von Tom King. Überaus verworren, unnötig verschachtelt und sehr gewollt geht es hier zu, wenn King ohne ersichtlichen Grund von Panel zu Panel und gleichermaßen von Zeitebene zu Zeitebene springt.

Leseprobe aus „Batman/Catwoman 4“. (Copyright: Panini Comics)

Tom King versteckt sich insbesondere zum großen Finale hin unter einem vermeintlich bedeutungsschwangeren Deckmantel der Komplexität. So gibt es hier zwar – nach wie vor – viel zu lesen, aber wenig zu sehen. Es ist am Ende des Tages eine überschaubare Erzählung über die Liebe von Mitternachtsdetektiv und Meisterdiebin, die eigentlich schon längst auserzählt ist und scheinbar um jeden Preis weitergeführt werden sollte. Einige wesentliche Handlungsstränge werden dennoch nur stiefmütterlich angerissen oder vollständig vernachlässigt. Ein großer Erkenntnisgewinn oder ein erheblich tieferes Verständnis für die beiden Hauptfiguren ist hier nicht dargetan. Zwar gibt es hier die lang erwartete Hochzeit von The Bat und The Cat. Indessen kommt die Zeremonie – ähnlich wie die Reihe im Ganzen – ohne berührende romantische Höhepunkte oder besonders gefühlvolle Szenen aus. Der Autor ergeht sich vielmehr in Fanservice und kurzen Gastauftritten.

Eine gefühlvolle Facette erhält das Album aber dadurch, dass es eine Ehrerbietung für den viel zu früh verstorbenen Zeichner John Paul Leon umfasst. Jener war vor seinem Ableben noch mit einem „Batman/Catwoman“-Special betraut, welches von Kollegen wie Mitch Gerads und anderen beendet worden und hier mit abgedruckt worden ist.

Fazit 

Was so ambitioniert mit drei Handlungssträngen und drei Zeitebenen begann, endet mal wieder mit einem frustrierenden Abschluss nach der Machart Tom King. Das Finale beendet eine gestreckte und längst auserzählte Story, die nur wenig Erinnerungswürdiges hinterlässt.

Erinnerungswürdig und eindrucksvoll sind hingegen die Zeichnungen von Clay Mann, der nach seiner kurzen Pause so abliefert, als wäre er nie weg gewesen.


Batman/Catwoman 4

Inhalt

Die Geister von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kennen keine Ruhe. Doch jetzt kommen alle Geheimnisse über die Beziehung zwischen Batman, Catwoman und dem Joker ans Licht! Darüber hinaus läuten sowohl Hochzeits- als auch Totenglocken. Und nicht zuletzt nimmt die Comic-Szene in einer besonderen Geschichte Abschied von Ausnahmekünstler John Paul Leon (1972–2021).

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Tom King
ist ein amerikanischer Autor und Comicbuchschreiber und Ex-CIA-Officer.

Tom King – Facebook | Tom King – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 04.10.2022
Originalausgaben: Batman/Catwoman 10–12, Batman/Catwoman Special 1
Seitenzahl: 124
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)