Review

Vom Regen in die Traufe

Seit die geplante Hochzeit von Batman und Catwoman geplatzt ist („Batman 7: Die Hochzeit“), zeigt die Stimmungskurve des Mitternachtsdetektivs – offenbar langfristig – nach unten („Batman 8: Eisige Zeiten“).

Nachdem die Fledermaus etliche Kleinganoven und Superschurken vermöbelt hatte, hat sie es sich – aufgrund ihrer brutalen Methoden – schließlich auch mit dem langjährigen Freund Commissioner Jim Gordon verscherzt. Batman taumelt von einem Tiefschlag in den nächsten. Er ist wie ein blanker Nerv („Batman 9: Flügel des Schreckens“). Und im Schatten lauert auch noch der gnadenlose Knochenbrecher Bane, der Gotham – scheinbar aus dem Arkham Asylum heraus – übernehmen möchte.

Dem Titel entsprechend – „Batman 10: Die Albträume des Dunklen Ritters“ – ändert sich die Lage des Dunklen Ritters auch im Folgenden nicht zum Besseren. Ohne zu wissen, was ihm genau widerfahren ist, befindet sich Batman offenbar in Gefangenschaft. Von seinen Feinden wurde er scheinbar an eine Apparatur gefesselt, welche ihn fortwährend mit Scarecrows Gas versorgt. Die dadurch hervorgerufenen Träume und Albträume sind Gegenstand dieser Kurzgeschichten aus der Feder von Eisner Award-Gewinner Tom King.

So sieht sich ein blutüberströmter Dunkler Ritter beispielsweise in einem Schlachthaus mit dem sadistischen Professor Pyg konfrontiert; vor allem aber träumt Bruce – in einer Art „Was wäre, wenn …“-Szenario – von seiner geliebten Selina sowie der erhofften Hochzeit.

Höhen und Tiefen

Noch in unserer Besprechung zum letzten Paperback haben wir betont, wie sehr die „einzelnen Ausgaben von Kings Serie immer von Bedeutung für das große Ganze sind„. Doch ausgerechnet auf die vorliegende Ausgabe trifft dies nur bedingt zu.

Batmans Albträume stehen zwar scheinbar in ursächlichem Zusammenhang mit den Schergen des einsitzenden Schwerverbrechers Bane. Dennoch wirken die hiesigen Kurzgeschichten bisweilen unnötig und aus der Luft gegriffen. Erstmals haben wir es in dieser „Batman“-Reihe mit so etwas wie Stillstand und Verzögerung zu tun.

Dabei gibt es freilich auch hier besonders gelungene Episoden. Insbesondere das Kapitel rund um den fiesen Professor Pyg in einem abstoßenden Schlachthaus weiß zu überzeugen. Ein halb bewusst- und vollkommen tonloser Dunkler Ritter sieht sich seinem Widersacher ohnmächtig, verwirrt und weggetreten ausgeliefert. Als Leser:in fragt man sich, ebenso wie der Mitternachtsdetektiv, wie dieser in eine solch geradezu aussichtslose Lage geraten konnte; bevor plötzlich ein gnadenloses Gefecht losbricht.

Leseprobe aus „Batman 10: Die Albträume des Dunklen Ritters“. (Copyright: Panini Comics)

Dann gibt es starke Abschnitte über Batman Bruce Wayne, der mit seiner Selina Kyle alias Catwoman versucht auszuloten, warum ihm das persönliche Glück verwehrt bleiben soll.

Andererseits gibt es ein Kapitel über Selinas Junggesellinnenabschied, den sie gemeinsam mit Lois Lane in Supermans Festung der Einsamkeit feiert; während Bruce und Clark einen holprigen Männerabend verleben. Das ist zwar irgendwie ulkig und ein Stück weit unterhaltsam, wirkt im großen Konzept von Tom King indessen deplatziert. Immerhin konnte man nach den letzten beiden Büchern davon ausgehen, dass Batmans Liebesbeziehung zu Catwoman nun – nach und nach – in den Hintergrund gerückt wird, und Bane nicht nur die Mauern der Irrenanstalt Arkham Asylum, sondern ganz Gotham erzittern lässt. Hier muss die Leserschaft ein wenig Geduld walten lassen.

Visuell ist der Paperback facettenreich und vielseitig; bietet indessen durchweg die gewohnt hohe Qualität von Zeichnern wie Mikel Janín, Jorge Fornés oder auch Yanick Paquette.

Fazit

Batmans Albträume bescheren weder ungenügende, noch außergewöhnliche Unterhaltung. Nach einer bislang in jeder Hinsicht gehaltvollen Serie entsteht vorliegend allerdings ungewohnter Leerlauf. Dieser dürfte indes bloß sporadischer Natur sein, da das Arkham Asylum und die Superkriminellen aus Batmans Welt, allen voran sein alter Feind Bane, bereits mit den Hufen scharren.


Batman: Bd. 10 (2. Serie): Die Albträume des Dunklen Ritters

Inhalt

Batman wird von Träumen und Albträumen gequält: Über seine verlorene Liebe Catwoman, den Schlächter Professor Pyg und vieles mehr. Und während Lois Lane und Selina die Festung der Einsamkeit von Superman auf den Kopf stellen, kommt die Wahrheit über den Schurken Bane und Thomas Wayne ans Licht …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Tom King
ist ein amerikanischer Autor und Comicbuchschreiber und Ex-CIA-Officer.

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Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 17.08.2021
Originalausgaben: Batman (2016) 61-63, 66-69
Seitenzahl: 172
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)