Review

Die „Assassin’s-Creed“-Reihe des französischen Publishers Ubisoft umfasst inzwischen unzählige Games (ok, ich habe nachgeschaut: Es sind acht Hauptspiele und noch einige Ableger). Gerade das erste Spiel aus dem Jahr 2007, welches noch für die PlayStation 3 erschien, mit dem Protagonisten Desmond Miles bzw. seinem Ahnen, dem Assassinen Altaïr, habe ich noch in sehr guter Erinnerung.

In „Assassin’s-Creed“ kann die Hauptfigur mittels einer Art Computer, dem sogenannten Animus, die genetischen Erinnerungen eines seiner Vorfahren durchleben. Dadurch kann man in dieser Reihe verschiedene spannende Epochen der Menschheitsgeschichte erleben, wobei man auch auf reale historische Personen trifft und auch solche Ereignisse durchläuft. Ein Hauptmotiv der Games ist dabei der Kampf der (guten) Assassinen gegen die (bösen) Templer.

Zuletzt gab es zu „Assassin’s-Creed“ auch die lange erwartete Realverfilmung der Reihe mit dem großartigen Michael Fassbender in der Hauptrolle.

Nachdem die Spieler inzwischen von den Games der „Assassin’s-Creed“-Reihe wohl ein wenig übersättigt sein sollten (zumindest ging es mir nach einiger Zeit so), erscheinen nun also im Verlag Splitter großformatige – und ich werde nicht müde, das immer wieder zu betonen – prachtvolle Hardcover-Comicalben. Nachdem der erste Teil „Assassin’s Creed: Feuerprobe“ bereits vor einiger Zeit erschienen ist, widmen wir uns nun „Assassins’s Creed: Sonnenuntergang (Band 2)“; beide stammen von dem Autoren-Duo Anthony del Col und Conor McCreery.

Die Story orientiert sich dabei selbstverständlich an dem oben skizzierten Konzept der Videospiele und greift zahlreiche der dortigen Motive auf, etwa die Animus-Technologie, den Konflikt Assassinen vs. Templer, versteckte Klinge, waghalsige Sprünge usw. Heldin des Comics ist aber ausnahmsweise mal eine Frau. Die junge Charlotte de la Cruz erlebt hier mittels des Animus Abenteuer ihrer Vorfahren in der Vergangenheit. Während uns der erste Band in die Zeit der Hexenprozesse von Salem verschlug, lebte ihr Vorfahr aus Band 2 zu der Zeit der Inka (Peru, 1536). Die Heldin, die von allen nur Char genannt wird, soll sich für die Bruderschaft der Assassinen als eine wertvolle Verbündete erweisen. Dabei lauern um Charlotte de la Cruz und ihr Team zahlreiche lebensbedrohliche Gefahren. Zum Inhalt soll hier gar nicht mehr verraten werden.

Zunächst muss man sagen, dass die Story dieser „Assassin’s Creed“-Comics nicht besonders einsteigerfreundlich ist. Man sollte sich auch vorher schon mal mit der „Assassin’s-Creed“-Reihe beschäftigt haben, um hier nicht überrumpelt zu werden. So gibt es in Band 1 durchaus einige kurze Erläuterungen, wie z.B. diese hier:

Die Templer benutzen Helix, um in die Vergangenheit zu blicken. Sie wollen… machtvolle Objekte finden, die sie nutzen, um die Gesellschaft zu kontrollieren. Und wir versuchen, ihnen zuvorzukommen. Da kommst du ins Spiel. Wir möchten dich in die Erinnerungen deines Vorfahren schicken. Das ist der Animus (…).

Alles in allem geht es hier aber ziemlich flott zu und der Leser wird recht unsanft in die Handlung hinein geschmissen; dabei müssen auch die meisten der Charaktere (etwa aus der Bruderschaft der Assassinen) ohne größere Vorstellung auskommen. Das muss nicht immer etwas Schlechtes sein, aber hier macht es das Verständnis nicht leichter und man baut keine besondere Beziehung zu den Figuren auf.

Leseprobe aus „Assassin’s Creed: Sonnenuntergang (Band 2)“ | Copyright: Splitter Verlag

Hält man die opulenten Hardcover-Comics erstmals in der Hand, muss man feststellen, dass das Cover-Artwork nicht besonders gelungen ist (weder bei Band 1 noch bei Band 2; das ist natürlich Geschmackssache); erleichtert stellt man dann fest, dass der Inhalt deutlich schöner von Zeichner Neil Edwards inszeniert worden ist; lediglich einige emotionale Gesichtsausdrücke sehen merkwürdig verzerrt und missglückt aus. Positiv bewerten möchte ich aber die Idee, die Erlebnisse im Animus auf schwarzem Grund und die Ereignisse im Hier und Jetzt auf weißem Grund darzustellen.

Es handelt sich alles in allem nicht um ein schlechtes Comicbuch; allerdings gibt es momentan einige richtig gute Veröffentlichungen, sowohl beim Splitter Verlag als auch andernorts. Daher muss diese „Assassin’s-Creed“-Reihe nicht nur die hauseigene Konkurrenz, sondern auch noch einige andere fürchten. Man möchte den Machern aber nicht den Vorwurf machen, sie seien nicht mit ganzem Herzen dabei; für Fans von „Assassin’s-Creed“ ist dies auf jeden Fall einen Blick wert und eine nette Ergänzung für das bereits bestehende Universum. Am Ende der jeweiligen Ausgabe gibt es ferner noch reichhaltiges Bonusmaterial über die enthaltene Epoche sowie eine Covergalerie.

Inhalt

Das Blut der jungen Charlotte de la Cruz birgt ein Geheimnis in sich, denn einer ihrer Vorfahren lebte zu der Zeit, als die Hexenprozesse von Salem stattfanden: Tom Stoddard, ein Assassine, der dunkle Machenschaften bezeugen kann, deren Auswirkungen sich bis auf den heutigen Tag erstrecken. Für die Bruderschaft der Assassinen wird Charlotte damit eine wertvolle Verbündete, denn mit der geraubten Animus-Technologie sind sie in der Lage, auf die Erinnerungen ihrer Vorfahren zuzugreifen und die Geschichte umzuschreiben. Doch die Templer, die Erzfeinde der Assassinen, wollen das um jeden Preis verhindern.

(Quelle: Splitter Verlag)

 

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Vö-Datum: 01.03.2017
Seitenzahl: 144
ISBN: 978-3-95839-418-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)