Review

„Helden in Schnabelschuhen“ von Anselm Neft ist ein gut geschriebener Roman, der eine ungewöhnliche Liebesgeschichte erzählt.
Die Handlung ist dabei in der wunderbar schrulligen Welt der Mittelalterszene angesiedelt, wo die beiden Protagonisten aushilfsweise bei einer fiktiven Kombo namens „Kobold“ spielen. Dieser Plot ist insbesondere aus dem Grund interessant, weil Anselm Neft selbst zwei Jahre Mitglied der mittlerweile aufgelösten Band „Schelmish“ war.

Daher ist die Erzählung in Teilen sehr authentisch, wobei der Protagonist – aus dessen Sicht dieses Buch erzählt wird – dieser Szene nicht unbedingt viel abgewinnen kann. Er hat nur Augen für seine Bandkollegin und Freundin seit Kindertagen, der er bisher seine Gefühle nicht offenbart hat.

Doch „Helden in Schnabelschuhen“ ist weit mehr als eine plumpe Liebesgeschichte. Dieses Buch wirft einen satirischen Blick auf die Mittelalterszene und zeigt mit einem Augenzwinkern auf, wie lächerlich einige Veranstaltungen in diesem Bereich sein können.
Zudem ist dieses Buch sehr philosophisch, wobei diese Texte in die Bandansagen integriert wurden, was das Ganze stimmig macht.

Anselm Neft ging beim Schreiben von „Helden in Schnabelschuhen“ sehr liebevoll vor. Er hat Figuren erschaffen, die absolut authentisch wirken, wodurch es für den Leser extrem leicht ist, sich in diese hineinzuversetzen und die Probleme, die sie haben, nachzuvollziehen.
Auch die Schauplätze sind für jeden, der zumindest einmal auf einem Mittelaltermarkt oder einer ähnlichen Veranstaltung war, so detailliert beschrieben, dass man sich die Location vor dem geistigen Auge vorstellen kann. Dennoch verzettelt sich Anselm Neft nicht in Beschreibungen, sodass „Helden in Schnabelschuhen“ zu keinem Zeitpunkt langweilig wird.

Anselm Neft (Copyright: Eckhard Heck)

Anselm Neft (Copyright: Eckhard Heck)

Interessant ist zudem, dass es Anselm Neft wunderbar schafft, seine Leser permanent schmunzeln zu lassen. Der Humor in „Helden in Schnabelschuhen“ ist stets präsent und sehr vielschichtig. Von plumpen, prolligen Sprüchen bis hin zum subtilen Witz findet man allerlei amüsante Szenen, die für permanent gute Laune sorgen, den Leser jedoch selten laut auflachen lassen. Dies muss auch gar nicht sein, denn „Helden in Schnabelschuhen“ ist kein Comedy-Buch. Es handelt sich vielmehr um eine ziemlich dramatische Liebesgeschichte in der Mittelalterszene, die auf eine amüsante Art und Weise erzählt wird.

„Helden in Schnabelschuhen“ kann und soll man gelesen haben, und zwar nicht nur, wenn man sich in der Welt des Mittelalters zuhause fühlt. Das Buch ist darüber hinaus genau das Richtige für jene, die die Nase von klischeehaften Liebesromanen voll haben, sich aber trotzdem hin und wieder in einer romantischen Geschichte verlieren möchten.

Inhalt

Wie bin ich bloß in diese „Gewandung“ geraten?

Was zur Hölle mache ich als Schalmeienbläser in einer Band namens „Kobold“?

Und warum heiße ich plötzlich „Theoprastus Bombastus von Witterschlick“ und trinke Met aus Hörnern?

Es hat natürlich mit Katja zu tun – dieser „Wanderpäpstin und Gegenhure“, mit der ich seit zehn Jahren befreundet bin, dieser durchgeknallten Philosophin, die ich seit zehn Jahren liebe.

Oh, ich Vollpfosten!

(Copyright: Knaus Verlag)

Autor

Anselm Neft, geboren 1973 in Bad Godesberg, studierte Vergleichende Religionswissenschaften, Volkskunde, Vor- und Frühgeschichte und ein paar Semester Philosophie. Anschließend zog er zwei Jahre mit der Mittelalterband „Schelmish“ durch Deutschland. Danach verschliss er noch andere absurde Jobs (z.B. Unternehmensberater). Nach fünf Jahren als Autor und Tagelöhner in Berlin lebt er nun in gleicher Funktion in Bonn. Anselm Neft ist regelmäßiger Gast auf deutschsprachigen Lesebühnen und Mitherausgeber von „EXOT – Zeitschrift für komische Literatur“. 2007 war er Final-Teilnehmer des Open Mike, im Frühjahr 2011 war er Stipendiat im Künstlerdorf Schöppingen. Bisher erschienen: „Götter, Gurus und Gestörte“ und „Die Lebern der Anderen“.

(Copyright: Knaus Verlag)

Anselm Neft – Homepage

Details

Format: Broschiert
Vö-Datum: 18.08.2014
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-8135-0561-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaus Verlag

Copyright Cover: Knaus Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.