Review

Die bayrische Autorin Anna Mocikat lieferte mit ihrem Debütroman „MUC“ einen soliden Einstieg in das dystopische Genre. Dass sich „MUC“ – von der Autorin übrigens auch als dystopischer Heimatroman bezeichnet – insgesamt abgeschlossen las, war erst einmal eine positive Abwechslung im Trilogie-Einheitsbrei, doch entschied sich Mocikat, auf dieser Welt weiter aufzubauen. So folgten einige Single E-Books („Robins Reise“, „Das große Sterben“, „Falks Mission“) und schließlich „MUC. Die verborgene Stadt“ als Fortsetzung.

Spätestens nach der Lektüre des zweiten Teils wird dann auch klar, dass mindestens ein weiteres Buch folgen muss, denn es endet gewissermaßen an der spannendsten Stelle. Damit zeigt sich schon ein erstes größeres Manko, mit dem viele Trilogien zu kämpfen haben: Der mittlere Band ist fast immer ein Lückenfüller. So ergeht es leider auch der „MUC“-Fortsetzung, auch wenn sich Anna Mocikat reichlich Mühe gibt, ihrer Erzählung Schwung und Eigenständigkeit zu verleihen.

Die neue Story setzt ein Jahr nach der Handlung des Debüts an, während sich die Protagonistin Pia nach ihrer anstrengenden Reise aus einem Bergdorf in den Alpen in das halb zerstörte München gut im Untergrund eingelebt hat. Dort, im „Hades“, hat sie eine neue Familie gefunden und sogar ihr Bruder, der Grund, warum sie überhaupt ihr Heimatdorf verlassen hat, lebt nun mit ihr dort. Doch das Glück wird von einer neuen Bedrohung gefährdet. Zunächst beginnt es mit mysteriösen Unruhestiftern, bis dann ein bekanntes – und unliebsames – Gesicht wieder auftaucht: Falk, dem Pia bereits misstraute und der spurlos verschwand, entpuppt sich als Spion. So erfährt die eingeschworene Gemeinschaft nach und nach, dass sich nördlich von MUC in „Utilitas“, dem ehemaligen Frankfurt am Main, eine Armee formiert, um MUC zu zerstören – und außerdem Pia gefangen zu nehmen. Denn mit ihren schwarzen Haaren ist sie in einer Welt, in der sonst dank einer Genmutation nur rothaarige Menschen überleben können, etwas ganz Besonderes.

Die Hadesbewohner müssen so einen ungewöhnlichen Pakt mit den übrigen Bewohnern des zerstörten Münchens schließen. Außerdem soll Pia mit einer kleinen Gruppe zum Münchner Flughafen reisen, denn dort könnte sich die erhoffte Hilfe verstecken, die diese ausweglose Situation noch wenden kann.

Sobald Pia und ihr Team den Flughafen erreichen, beginnt die Story endlich an Fahrt aufzunehmen, nur leider kommt diese spannende Wendung erst nach zwei Dritteln der Lesezeit. Während der Schluss dann mit überraschenden Wendungen förmlich explodiert, tröpfelt am Anfang alles nur so dahin. Zähe und teilweise umständliche Entwicklungen lassen kaum Spannung aufkommen.

Anna Mocikat (Copyright: Renate Hasenfratz)

Anna Mocikat (Copyright: Renate Hasenfratz)

Dass Mocikat außerdem die Story nicht mehr nur aus Pias Sicht erzählt, sondern auch andere zur Sprache kommen lässt, unterscheidet Band 1 und 2 – nur leider gewinnt die Fortsetzung dadurch auch nicht an Dynamik. Denn statt den anderen Figuren mehr Plastizität zu verleihen, bleiben sie sogar in ihren inneren Dialogen eindimensional. Der Bösewicht ist eben böse, der Verliebte ist verliebt und Pia ist immer noch das verunsicherte Mädchen von der Alm. Und dass es dann auch noch ein Liebesdreieck oben drauf gibt, nimmt der Story noch mal ein gutes Stück Eigenständigkeit.

Damit lässt sich schließlich nur festhalten: „MUC. Die verborgene Stadt“ ist insgesamt etwas schwächer als der erste Teil, allerdings lohnt sich das Durchhalten am Ende doch. Die radikalen Entscheidungen, die zu einem nervenaufreibenden Cliffhanger führen, machen dann wieder Lust auf Teil 3. Davon bitte mehr!

Inhalt

Die Fortsetzung von „MUC“

Anna Mocikat lässt ihre Leser die Post-Apokalypse vor der eigenen Haustür erleben: In „MUC – Die verborgene Stadt“ kommt es zum Krieg zwischen jenem sagenhaften alten Ort am Nordrand der Alpen und Utilitas, einer ebenso großen, etwa 400 km nordwestlich gelegenen Stadt, deren Name einst „Frankfurt“ war.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Anna Mocikat
geb. 1977, machte zunächst eine journalistische Ausbildung, ehe sie an der renommierten Drehbuchwerkstatt München (Filmhochschule München) ein Stipendium erhielt und Drehbuchschreiben studierte. Anschließend war sie mehr als zehn Jahre lang im Filmbusiness als Drehbuchautorin und Regisseurin tätig, wobei sie mit zahlreichen namhaften TV-Sendern und Produktionsfirmen zusammen arbeitete. Später schrieb sie als Gamewriterin für diverse deutsche Videospielhersteller. Anna Mocikat lebt in der Nähe von München, „MUC“ ist ihr Debütroman.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Quality Paperback (Taschenbuch)
Veröffentlichung: 02.11.2015
Seitenzahl: 384
ISBN: 978-3-426-51757-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer