Review

Der polnische Autor Andrzej Sapkowski dürfte inzwischen nicht nur eingefleischten Fantasy-Fans ein Begriff sein, erfreut sich seine Saga um den Hexer Geralt von Riva, nicht zuletzt durch die Videospielserie „The Witcher“, auch hierzulande immer größerer Popularität.
Dieser Tage erschien mit dem Roman „Zeit des Sturms“ ein weiteres Kapitel um den introvertierten Hexer, welcher allerdings chronologisch vor der eigentlichen 5-bändigen Saga angesiedelt ist.

In Zeiten der Omnipräsenz von Tolkiens „Herr der Ringe“ oder Martins „Lied von Eis und Feuer“ hat Sapkowski mit der Saga um den Hexer Geralt von Riva ein eigenes Fantasy-Universum erschaffen. Sein Protagonist agiert in einer Welt, die an das europäische Mittelalter des 13. Jahrhunderts angelehnt ist, fügt dieser allerdings die fantastischen Elemente regionaler Märchen und Sagen hinzu.
Die „Hexer“-Welt ist oftmals düster und schmutzig. Die sie bevölkernden Charaktere sind zwielichtig und verfolgen ihre ganz eigenen Pläne und Ziele. Es wimmelt vor Intrigen.

Geralt von Riva soll eigentlich die Menschen mit Schwert und Magie vor Ungeheuern und Unholden schützen. Dabei hat er es selber nicht immer leicht, seine wahren Gegner zu erkennen und Gut von Böse zu unterscheiden.
Genau dies macht viel der Atmosphäre des Romans aus: Einiges erscheint (zunächst) undurchsichtig und damit nicht fassbar und bedrohlich. Geralt (und mit ihm die Leser) wissen nicht, wem sie letztendlich trauen können.

Geralt ist ein Einzelgänger, der vielerorts aufgrund seines Hexer-Berufs auf Ablehnung trifft. Es gibt nur ganz wenige Freunde und Weggefährten, die ihm zur Seite stehen. Einzig auf Frauen strahlt er eine beinahe mysteriöse Faszination aus und erliegt selber des Öfteren den Reizen des weiblichen Geschlechts.

Auch moralische Fragen, speziell die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaften, und wie weit diese mit ihren Forschungen gehen dürfen (im Roman entsprechend auch Magie), und das Pro und Kontra von eigenen Entscheidungen werden an vielen Stellen des Buchs thematisiert. Es werden auf diese Fragen keine endgültigen Antworten gegeben, die Leser werden aber angeregt, sich darüber ihre eigenen Gedanken zu machen.

Andrzej Sapkowski (Copyright: privat / Andrzej Sapkowski)

Andrzej Sapkowski (Copyright: privat / Andrzej Sapkowski)

Für jene, die bisher noch nichts mit der „Hexer“-Welt zu tun hatten, ist der Einstieg in „Zeit des Sturms“ – trotzdem es sich um ein Stand-Alone-Abenteuer handelt – nicht ganz einfach. Dies liegt vor allem daran, dass sich Sapkowski mit weitergehenden Beschreibungen in allen Belangen auffällig zurückhält. Er überlässt dies größtenteils der Phantasie des Lesers. Dies ist aber nicht auf mangelnde Kreativität oder schriftstellerisches Unvermögen des Autors zurückzuführen, sondern gewolltes Stilmittel. (Dass Sapkowski auch „blumiger“ schreiben kann, beweist er beispielsweise mit einem kurzen Kapitel, in dem Geralts Freund, der Barde Rittersporn, zu Wort kommt.)

Diese Lesehürde muss erst mal überwunden werden. Alle anderen, die die bisherigen „Hexer“-Bücher oder die Videospiele kennen, werden beim Lesen schnell wieder in die vertraute und bekannte Welt eintauchen können.
So bleibt abschließend eine neutrale Bewertung von 4 Punkten, auf die Fans und Kenner des Hexers aber gerne noch einen Punkt hinzuzählen dürfen.

Noch ein Tipp: Wer sich den Spaß und die Spannung nicht verderben lassen möchte, sollte auf gar keinen Fall den vorderen Klappentext im Buch lesen. In diesem werden nämlich bereits wesentliche Handlungsdetails verraten. Ein absolutes No-Go vonseiten des Verlags!

Handlung

Neues vom Hexer Geralt von Riva

Kurz nach seiner Ankunft im Königreich Kermack wird der Hexer Geralt von Riva verhaftet.
Die Zauberin Koralle will ihn so zwingen, einen gefährlichen Auftrag anzunehmen. Er soll einen Dämon finden, der in Menschengestalt blutige Massaker verübt. Geralt, betört von der magischen Schönheit Koralles, nimmt den nahezu aussichtslosen Kampf gegen das Ungeheuer auf …

(Quelle: dtv)

Der Hexer – Homepage

Autor

Andrzej Sapkowski, geboren 1948, ist Wirtschaftswissenschaftler, Literaturkritiker und Autor. Er lebt in Łódź. Seine „Hexer-Sage“ erreicht weltweit Millionen-Auflagen. Höchst erfolgreich ist auch seine Mittelalter-Trilogie um den Medicus Reinmar von Bielau.
2008 wurde Andrzej Sapkowski mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Łódź ausgezeichnet.

(Quelle: dtv)

Andrzej Sapkowski – Homepage
Andrzej Sapkowski – Facebook

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 01.04.2015
Seitenzahl: 448
ISBN: 978-3-423-26057-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: dtv

Copyright Cover: dtv



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde