Review

Der Stift respektive die Tastatur steht bei Autorin Andrea Klier scheinbar nicht still, denn nach ihrem im Januar dieses Jahres erschienenen Buch „Die schwarze Perle“ legt sie bereits mit „Ostfriesische Rache“ eine weitere Veröffentlichung im Subgenre der Regionalkrimis nach. Angesichts der Kürze ihrer jeweiligen Publikationen wundert das Schreibtempo Kliers nicht, denn auch im aktuellen Kriminalroman mit ostfriesischen Bezügen handelt sie einen unterhaltsamen Fall auf nur knapp 177 Seiten ab.

Entsprechend kompakt fällt „Ostfriesische Rache“ aus und entsprechend flott geht die Handlung vonstatten. Mit Kindesentführungen, Bankraub und suspekt wirkenden weiblichen Figuren mit dem scheinbar einen oder anderen dunklen Geheimnis, über deren Relevanz sich Klier zunächst noch absichtlich bedeckt hält, werden die Leser bereits auf den ersten 20 Seiten konfrontiert.
Interessiert verfolgt man die weiteren Kapitel, in denen nun Schlag auf Schlag weitere Verbrechen geschehen, während die Polizei- bzw. die Ermittlungsarbeit ebenfalls zügig voranschreitet.

Letztere wird allerdings eher fragmentarisch präsentiert, sodass sich daher und in Anbetracht der wenigen Seiten des Romans (oder man muss schon fast Erzählung sagen) nur eine gemäßigte Spannung ergibt.
Die oftmals kurzen Sätze, mit hoher Sachlichkeit versehen und „trocken“ formuliert, hindern „Ostfriesische Rache“ zusätzlich am vermehrten Spannungsaufbau.

Immerhin bricht eine gewisse Emotionalität stellenweise hervor; zu verdanken ist dies den empfindsamen Rahmenbedingungen, die Andrea Klier ihrem Krimi verpasst. Während es sich bei den Opfern um Kinder handelt, geht auch das Thema „Menschen mit Handicap und deren gesellschaftliche Ausgrenzung“ nicht spurlos am Leser vorbei. Alles zusammengenommen sind jedoch derart emotionalisierende Aspekte, die kaum auf 177 Seiten genügend Platz finden können. Ihnen dennoch ausreichend gerecht zu werden, schafft Klier in „Ostfriesische Rache“ gut.

Andrea Klier (Copyright: Andrea Klier, April 2013)

Andrea Klier (Copyright: Andrea Klier, April 2013)

Besieht man sich noch einmal die eingangs erwähnte Fülle an inhaltlichen Gegebenheiten, so möchte man unabdingbar schon früh erfahren, wie die Autorin ihre unterschiedlichen Handlungsstränge und Figuren schließlich miteinander in Verbindung bringen wird.
Überraschenderweise tut sie dies jedoch nicht auf die Art, wie man es von ihr kennt. Vielmehr legt Andrea Klier einige Finten und sorgt damit zwar für teils irrelevante Nebenhandlungen, mehr aber noch für einige Wendungen, die es auch hartgesottenen Krimifans schwer machen werden, den Tätern voreilig auf die Spur zu kommen.

Der Fall an sich fällt somit insgesamt sehr solide aus, doch was ist mit den typischen Markenzeichen eines Regionalkrimis? Das Lokalkolorit findet bei den Lesern kaum Beachtung, und zwar deshalb, weil im vorliegenden Krimi auch die Autorin selbst eher nachlässig mit regionalen Einsprengseln umgeht. Da die diesbezüglich wenig vorhandenen Elemente außerdem in der Mehrheit sehr gezwungen integriert wirken, und auch die typischen norddeutschen Raubeine in Form ihrer Figuren kaum erkennbar sind, hat man diesen Ansatz bereits in ihren zuvor erschienenen Büchern weitaus besser gelesen.

„Ostfriesische Rache“ reiht sich dennoch in die Serie von Andrea Kliers Ostfriesland-Krimis rund um Hauptkommissar Hauke Holjansen gelungen ein, ohne dass der Leser jedoch Vorkenntnisse dringend mitbringen müsste. Dies und die Kurzweil des Romans macht das Buch daher auch für Neulinge der Reihe attraktiv, das sich darüber hinaus als schnelle Bett- oder Zwischendurch-Lektüre eignet.

Handlung

Wieder ein kniffliger Fall für Hauptkommissar Hauke Holjansen und seinen Kollegen Sven Ohlbeck: An verschiedenen Orten werden von einem unbekannten Täter Kinder entführt, die Angst geht um in Ostfriesland! Was niemand ahnt, ist, dass bereits mit dem Verschwinden des ersten Kindes der Countdown für etwas noch viel Schrecklicheres eingeleitet wurde. Die Polizei, die verzweifelt nach einer Verbindung zwischen den Opfern sucht, steht unter dem Druck der Öffentlichkeit und trotz Verdächtiger vor einem schier unüberwindlichen Problem. Sind die Kinder in der Hand eines Psychopathen? Als Hauke Holjansen endlich den entscheidenden gemeinsamen Nenner findet und mit den seelischen Verstrickungen seiner Verdächtigen konfrontiert wird, nimmt der Fall eine brisante Wendung …

(Quelle: Klarant Verlag)

Autorin

Andrea Klier ist eine sehr erfolgreiche deutschsprachige Autorin. Bereits in ihrer Kindheit wollte sie Schriftstellerin werden. Ihr Roman-Debüt wurde auch ins Chinesische übersetzt und mit dem Literaturpreis „Die Kalbacher Klapperschlange“ ausgezeichnet. Sie hat zahlreiche Kurzgeschichten, wahre Geschichten, Fach- und Sachartikel veröffentlicht und ist Mitautorin mehrerer Heftromane und E-Book-Reihen, auch unter Pseudonym.

(Quelle: Klarant Verlag)

Andrea Klier – Homepage

Details

Format: eBook
Vö-Datum: 21.04.2015
Seitenzahl: 177
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Klarant Verlag

Copyright Cover: Klarant Verlag



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde