Review

Die Hitlist der Regionalkrimis, die den Leser in den Süden Deutschlands entführen, wird unumstritten angeführt vom Autorenduo Klüpfel und Kobr und ihrer „Kluftinger“-Reihe. Ihnen kann so schnell niemand das Wasser reichen. Ob es Andrea Klier gelingt, dem Erfolgsduo mit Krimis aus nördlichen Gefilden Konkurrenz zu machen?

Die Autorin hat schon einige Veröffentlichungen auf der Haben-Seite und konnte mit ihrem Debüt-Roman bereits den Literaturpreis „Die Kalbacher Klapperschlange“ einheimsen. Es scheint also, als könnten sich die Allgäuer Herren warm anziehen. Zunächst aber sollte sich der Leser für die raue Nordseeluft wappnen, denn mit „Die schwarze Perle“ legt Andrea Klier abermals einen Ostfriesland-Krimi vor.

Binnen kürzester Zeit fühlt man sich durch die detailreichen Landschafts- und Umgebungsbeschreibungen sowie durch die ausführliche Darstellung der Eigenart des Nordens inklusive seiner kulinarischen Seite direkt an den Ort des Geschehens versetzt.
Dieses Gefühl wird unterstützt durch die mit Dialekt durchzogenen Dialoge.
Im weiteren Verlauf des Romans nehmen derartige Schilderungen und das Lokalkolorit innerhalb der wörtlichen Rede zwar ab, dennoch baut Klier insbesondere zu Beginn eine Atmosphäre auf, die authentisch sowie lebhaft wirkt und von der der Leser bis zum Schluss zehren kann.

Entsprechend der Region sind auch die Figuren in „Die schwarze Perle“ angelegt. Sie sind von einer gewissen Kühle umgeben, die die Herzlichkeit einiger Charaktere umso auffälliger erscheinen lässt, gleichzeitig jedoch zwischen Lesern und Figuren eine Distanz erschafft, die nur selten aufgehoben wird.

Indem die Handlung sehr rasant vonstattengeht, immerhin gilt es nur knapp 232 Seiten zu lesen, bleibt dafür auch nur wenig Zeit.
Wider Erwarten baut sich in dieser Kürze jedoch der Roman gut auf und weiß für kurzweilige Krimi-Unterhaltung zu sorgen.

Dazu trägt vor allem der gelungene Schreibstil bei. Andrea Klier arbeitet überwiegend mit kurzen Sätzen, drückt sich dabei aber niveauvoll aus. Knapp, aber nicht simpel. Vor allem die anfangs immer wieder eingestreuten Ausführungen über Schauplätze und geografisch-klimatische Gegebenheiten besitzen schon fast eine poetische Note.

Andrea Klier (Copyright: Andrea Klier, April 2013)

Andrea Klier (Copyright: Andrea Klier, April 2013)

Anders verhält es sich mit dem hier zum Zuge kommenden Kriminalfall. Dieser fällt in seiner Ausarbeitung eher nüchtern aus. Auf blutrünstige Momente muss der Leser ebenso verzichten wie auf komplexe Motive oder Entwicklungen. Klier beschränkt sich auf bewährte Kost, die die Themen Rache und Selbstjustiz streift, während die vorkommenden Morde subtil darin eingebettet werden. Die Ermittlungen wirken lange Zeit authentisch, gegen Ende trägt aber mehr der Zufall als echte Polizeiarbeit zur Aufklärung des Falls bei. Positiv wirkt dies dahingehend, da verdeutlicht wird, dass der realitätsnahen Polizeiarbeit manchmal Grenzen gesetzt sind, was die Frage nach Gerechtigkeit aufkommen lässt. Dies bewegt auch den Leser zum Nachdenken. Negativ fällt diese Vorgehensweise in dem Sinne aber auf, als dass die Autorin diesen Weg augenscheinlich deshalb gewählt hat, um dem Roman in seiner Kürze einen Abschluss zu verpassen. Auch wenn man also auf Komplexität verzichten muss, die es nicht nur den Ermittlern in „Die schwarze Perle“ erschweren, zu einer Lösung des Falls zu kommen, sondern auch den Lesern, so fehlt es dem Krimi nicht an spannenden Elementen. Diesbezüglich kann Klier auch ohne Blutrünstigkeiten überzeugen.

Zu dick aufgetragen hat die Autorin dann allerdings zum Schluss des Buches, als sie ihre Figur Rosa abschließend zu Wort kommen lässt. Mit übertriebenem Pathos berichtet jene von Heilung und Liebe. Diese Passage (zu finden auf den Seiten 211 und 212 der eBook Fassung) wirkt für einen Krimi unpassend und aus dem Mund einer jungen Medizinstudentin zu aufgesetzt und unglaubwürdig; vor allem, wenn man den Kontext und ihr Befinden beachtet, auf das aus Spoilergründen an dieser Stelle nicht näher eingegangen wird.

Mit dem Charme eines „Kluftinger“-Romans kann „Die schwarze Perle“ letztendlich dann doch nicht mithalten, dafür fehlt es an Witz, aussagekräftigeren Figuren und einer konsequenteren Einbindung regionaler Bezüge. Empfehlenswert für Regionalkrimi-Fans ist Andrea Kliers aktuelles Werk jedoch trotzdem; insbesondere – aufgrund des nicht zu übertriebenen Lokalkolorits – für jene, die das Genre neu für sich entdecken.

Handlung

Gerade wird Hauke Holjansen zum Hauptkommissar befördert, da wartet auch schon ein mysteriöser Fall auf ihn und seinen Kollegen Sven Ohlbeck: Im ostfriesischen Norden werden in kurzem Abstand zwei der drei Eigentümerinnen des neu errichteten Schönheitszentrums ermordet. Beide werden von ihrem Mörder gezwungen, eine geheimnisvolle schwarze Perle zu schlucken … Wollte die verbliebene Eigentümerin alles für sich alleine haben? Oder steckt Rache dahinter? Die Liste der Verdächtigen wird immer länger, und als Haukes Schwester Rosa im Schönheitszentrum überfallen wird, fängt der Fall an, für ihn zu einer persönlichen Angelegenheit zu werden …

(Quelle: Klarant Verlag)

Autorin

Andrea Klier ist eine sehr erfolgreiche deutschsprachige Autorin. Bereits in ihrer Kindheit wollte sie Schriftstellerin werden. Ihr Roman-Debüt wurde auch ins Chinesische übersetzt und mit dem Literaturpreis „Die Kalbacher Klapperschlange“ ausgezeichnet. Sie hat zahlreiche Kurzgeschichten, wahre Geschichten, Fach- und Sachartikel veröffentlicht und ist Mitautorin mehrerer Heftromane und E-Book-Reihen, auch unter Pseudonym.

(Quelle: Klarant Verlag)

Andrea Klier – Homepage

Details

Format: eBook
Vö-Datum: 31.01.2015
Seitenzahl: 232
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Klarant Verlag

Copyright Cover: Klarant Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde