Review

Auf satten 13 Stunden und 50 Minuten präsentiert der Argon Verlag den Sci-Fi-Jugendroman „Aurora erwacht“, geschrieben und erdacht von Amie Kaufman und Jay Kristoff, als ungekürztes Hörbuch.

Ein Hörbuch auf hohem Niveau

Die als Download oder Stream verfügbare akustische Umsetzung des Buches, das gleichzeitig den Auftakt zur Reihe namens „Aurora Rising“ darstellt, wird von mehreren professionellen Sprechern und Sprecherinnen vertont. Würden sich dazu noch ein paar Sound- und Musikeffekte gesellen, käme die Produktion schon nahe an ein Hörspiel heran. Denn dynamisch und ausdrucksstark hauchen Alexander Pensel, Julia Preuß, Luise Georgi, Charlotte Puder, Martin Valdeig, Loris Kubeng, Andine Pfrepper und Armin Zarbock ihren Figuren Leben ein und verleihen somit auch der Handlung viel Drive.

Die Auswahl der SprecherInnen ist also gut gelungen, wenngleich die Stimme des Protagonisten Tyler zunächst ein wenig zu alt wirkt für das der Figur zugedachte Alter eines jungen Erwachsenen respektive Heranwachsenden, der nicht älter als 20 Jahre sein soll. Mit jeder verstreichenden Minute arrangiert man sich damit aber und es tritt schließlich ein Gewöhnungseffekt ein.

Eine strittige Altersempfehlung

Apropos Alter: Als Jugendbuch wird „Aurora erwacht“ sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form einer Leser- bzw. Zuhörerschaft ab 14 Jahren empfohlen. Nicht nur, weil die Hauptfiguren allesamt 17 Jahre und älter sind, sondern auch aufgrund der (nicht selten sehr sexualisierten!) Ausdrucksweise, der (Science-Fiction typischen) Themen inklusive aller  Fachbegriffe und der zunehmenden Komplexität der Handlung wäre aber eine Empfehlung für ebendiese Altersklasse ratsamer, die dann auch dem Erfahrungshorizont der HörerInnen eher entspräche und hinsichtlich der Figuren (noch mehr) Identifikationspotenzial liefern würde.

Über die Figuren

Jene werden ausreichend und derart detailliert eingeführt, um sie gut kennenzulernen und es fällt leicht, sich in sie hineinzuversetzen. Dadurch werden ihre Handlungen und Entscheidungen nachvollziehbar und glaubwürdig. Auch die Entwicklungen, die einige Charaktere durchmachen, sind authentisch angelegt und werden ganz selbstverständlich in den inhaltlichen Kontext integriert.

Dem allen kommen die wechselnden Erzählperspektiven zugute, die jeder Figur ausreichend Platz im Roman einräumen. Das unterstreicht die sehr individuellen Persönlichkeiten, die sich wie folgt zusammensetzen:

  • Tyler, der Musterschüler und Alpha
  • Scarlett, die Diplomatin (Sarkasmus hilft immer)
  • Zila, die Wissenschaftlerin (dezent soziopathisch veranlagt)
  • Finian, der Techniker (der Klugscheißer)
  • Kaliis, der Kämpfer (es gibt definitiv Menschen, die ihre Aggressionen besser unter Kontrolle haben)
  • Cat, die Pilotin (die sich absolut nicht für Tyler interessiert (behauptet sie zumindest))
  • Aurora, das Dornröschen mit dem großen mysteriösen Geheimnis

Zudem bieten die unterschiedlichen Sichtweisen die Gelegenheit, den weiblichen Figuren beispielsweise typische Mädchen-Themen (wie etwa Jungs, Liebe etc.) zuzuschreiben, ohne auf „gender equality“ zu verzichten. Insgesamt legt man in „Aurora erwacht“ viel Wert auf Diversität und gibt sich zeitaktuell.

Von Fachtermini und repetitivem Fluchen

Trotz dieser positiven Eigenschaften ist es – insbesondere für jene, die „neu“ oder nur sporadisch im Sci-Fi Genre unterwegs sind – oftmals schwer, hier über die gesamte Dauer des Hörspiels rein- und mitzukommen. Die zahlreichen Zeit- und Ortssprünge sowie die Fachtermini, die zuweilen arg technisch und wissenschaftlich anmuten, fordern die Aufmerksamkeit und Konzentration der ZuhörerInnen.

Dabei fällt zudem auf, dass sich das Autorengespann hinsichtlich der Flüche und des Schimpfens der Charaktere eher wenig kreativ und stattdessen sehr repetitiv zeigt. (Typisch amerikanische) Ausdrücke wie „son of a buscuit“ oder „holy cake“ federn zwar die Derbheit der Originalausrufe ab, kommen daher sehr jugendfrei daher und sollen am Ende dem Ganzen wohl einen jugendsprachlichen Touch verleihen, die Intentionen und Emotionen in diesen Situationen verlieren durch die häufigen Wiederholungen jedoch an Wirkung.

Fazit

Mit diesen Kritikpunkten kann man aber gut leben, zumal die Spannung und Neugier auf den weiteren Fortgang der Handlung ungebrochen hoch bleiben. Entsprechend ist nach den knapp 14 Stunden Hörspaß das Interesse auf Teil 2 geweckt und man ist gespannt, wie das Weltraumabenteuer dieser bunt zusammengewürfelten Truppe wohl weitergeht.


Aurora erwacht

Inhalt

Tyler, frisch ausgebildeter Musterschüler der besten Space Academy der ganzen Galaxie, freut sich auf seinen ersten Auftrag. Als sogenannter Alpha steht es ihm zu, sein Team zusammenzustellen – und er hat vor, sich mit nichts weniger als den Besten zufrieden zu geben. Tja, die Realität sieht anders aus: Er landet in einem Team aus Losern und Außenseitern:

Scarlett, die Diplomatin (Sarkasmus hilft immer)
Zila, die Wissenschaftlerin (dezent soziopathisch veranlagt)
Finian, der Techniker (der Klugscheißer)
Kaliis, der Kämpfer (es gibt definitiv Menschen, die ihre Aggressionen besser unter Kontrolle haben)
Cat, die Pilotin (die sich absolut nicht für Tyler interessiert (behauptet sie zumindest))

Doch dieses Katastrophenteam ist nicht Tylers größtes Problem. Denn er selbst ist in den verbotenen interdimensionalen Raum vorgedrungen und hat ein seit 200 Jahren verschollenes Siedlerschiff gefunden. An Bord 1.000 Tote und ein schlafendes Mädchen: Aurora. Vielleicht hätte er sie besser nicht geweckt. Ein Krieg droht auszubrechen – und ausgerechnet sein Team soll das verhindern.

(Quelle: Argon Verlag)

Autor/in

Amie Kaufman 
wuchs in Australien und Irland auf und hatte als Kind das Glück, in der Nähe einer Bücherei zu wohnen. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrem Hund Jack in Melbourne und schreibt Science-Fiction- und Fantasy-Romane für Jugendliche. Sie liebt Schokolade und Schlafen, hat eine riesige Musiksammlung und einen ganzen Raum voller Bücher.

Jay Kristoff
verbrachte den Großteil seiner Jugend mit einem Haufen Bücher und zwanzigseitiger Würfel in seinem spärlich beleuchteten Zimmer. Als Master of Arts verfügt er über keine nennenswerte Bildung. Er ist zwei Meter groß und hat laut Statistik noch 13.020 Tage zu leben. Zusammen mit seiner Frau und dem faulsten Jack-Russell-Terrier der Welt lebt er in Melbourne. Jay Kristoff glaubt nicht an Happy Ends.

(Quelle: Argon Verlag)

Sprecher/innen

Alexander Pensel
ist festes Ensemblemitglied am Neuen Theater in Halle (Saale). Darüber hinaus steht er für Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera und hat in zahlreichen Hörbuchproduktionen mitgewirkt.

Julia Preuß
begann mit der Spielzeit 2015/16 ihr Engagement am Schauspiel Leipzig. Als Sprecherin hat sie bereits zahlreiche Hörbücher eingelesen, darunter Ich bin eure Stimme von Friedensnobelpreisträgerin Nadja Murad.

Luise Georgi
wurde 1990 in Karl-Marx-Stadt (jetzt Chemnitz) als Luise Schubert geboren und absolvierte ihr Schauspielstudium 2012 an der Hochschule für Musik und Theater „Felix-Mendelssohn-Bartholdy“ Leipzig. Während des Studiums war sie bereits auf diversen deutschen Bühnen zu sehen. Mittlerweile arbeitet sie freischaffend als Schauspielerin, aber auch Sängerin und Sprecherin.

Charlotte Puder
absolvierte ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig, spielte danach viel Theater und arbeitet seit 2012 freischaffend im Bereich Film und Theater. Sie gründete den Leipziger Raum „Hopfe“, wo bis 2018 Ausstellungen, Performances und Theatervorstellungen stattfanden. Seit 2017 doziert sie im Bereich Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“.

Martin Valdeig
wurde 1990 in Leipzig geboren. Nach erfolgreichem Abschluss des Schauspielstudiums in Berlin ging er 2011 ans Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau / Görlitz. Es folgten zahlreiche Theater-Engagements. Nebenbei ist Martin Valdeig als Hörbuch- und Hörspielsprecher aktiv, sowie als Rundfunk- und Synchronsprecher.

Loris Kubeng
wurde 1992 in München geboren und absolvierte seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig. Bereits vor seinem Studium sammelte er erste Spielerfahrungen. Seit Abschluss seines Studiums ist er auf zahlreichen deutschen Bühnen zu sehen sowie in Film- und Fernsehproduktionen.

Andine Pfrepper
wurde 1988 geboren und wuchs in Leipzig auf. Sie studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und schloss im Sommer 2014 mit Diplom ab. Seitdem spielt sie Theater, wirkt in Theater- und Filmproduktionen mit und liest Hörbücher.

Armin Zarbock
wurde 1964 in Berlin geboren, wo er auch seine Schauspielausbildung machte. Seither spielt er Theater, wirkt in Film- und Fernseh-Formaten mit, macht Kabarett, führt Regie, arbeitet als Theaterpädagoge und spricht Hörbücher ein.

(Quelle: Argon Verlag)

Details

Format: Download / Streaming
Vö-Datum: 28.07.2021
Laufzeit: 13 Stunden, 50 Minuten (ungekürzt)
ISBN: 978-3-7324-5666-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Argon Verlag

Copyright Cover: Argon Verlag



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde