Review

Vor allem im Zeitalter von Facebook und Co. scheint es ein Leichtes zu sein, anonym oder auch ganz offensichtlich andere Menschen zu diffamieren und/oder sie auf unterschiedlichste Art zu mobben. Mobbing hält dabei nicht nur Einzug in die Erwachsenenwelt, auch in den Schulen, also schon unter Kindern und Jugendlichen, geht es diesbezüglich heiß her.

Diesem scheinbar stets aktuellen und immer akuter werdenden Thema widmet sich die Amerikanerin Amanda Maciel in ihrem Debüt „Das wirst du bereuen“, ein Roman der Mobber gleichsam wie Opfer in den Fokus rückt und ungeschönt die möglichen Folgen für alle Beteiligten aufzeigt.

Obwohl es sich bei „Das wirst du bereuen“ um einen Jugendroman handelt, der Jugendlichen ab ca. 14 Jahren empfohlen wird, weiß Amanda Maciel auch Erwachsene mit ihrem Buch zu berühren und zu erreichen. Denn gelungen beleuchtet sie jede ihrer Figuren, mögliche Ursachen für das hier beschriebene Mobbing, dessen Folgen und insbesondere die kaum bemerkbare Entwicklung von harmlosen Streichen hin zu lebensverändernden Bösartigkeiten, die nicht nur das Opfer Emma Putnam in den Selbstmord treiben, sondern auch das Leben der „Täter“ unwiederbringlich verändern, ja zerstören. Auch das Ausmaß und die Konsequenzen vom Mobbing lässt Amanda Maciel damit also nicht außen vor. Schonungslos geht die Autorin in die Tiefe, schildert Emotionen und zeigt auf, dass „die Wahrheit oft viel komplizierter ist als man denkt“.

Besonders gut gelingt ihr dies durch die ständigen Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit. In einem Zeitraum von knapp einem Jahr schildert die Autorin den hier erdachten Vorfall an einer amerikanischen Highschool, der stellvertretend für jede Art von Mobbingvorfällen unter Schülern stehen könnte.
Beginnend mit den Fakten, einem unausweichlich scheinenden anstehenden Gerichtsverfahren, katapultiert Maciel ihre Leser mitten in die Geschichte bzw. an das Ende. Es wird somit kein klassischer Spannungsbogen erzeugt, ineffektiv ist ihr Vorgehen dadurch aber noch lange nicht, denn sowohl durch die Zeitsprünge als auch durch die sich langsam klärenden Ereignisse, die zum Gerichtsverfahren und zum Selbstmord von Emma Putnam geführt haben, bleibt der Leser am Ball und möchte mehr über die Hintergründe und Geschehnisse erfahren.

Amanda Maciel (Copyright: Abby McAden)

Amanda Maciel (Copyright: Abby McAden)

Die Wahl der Erzählperspektive, nämlich aus Sicht der Protagonistin Sara, unterstützt dies und liefert zudem Einblicke in die Sichtweise einer der Täterinnen.
Es ist also nicht das Opfer, das hier zu Wort kommt, was überraschend ist. Dieses findet dennoch ausreichend Berücksichtigung, denn keineswegs schönt Amanda Maciel die Täterfiguren durch die Wahl der Ich-Erzählperspektive. Im Gegenteil, gewährleistet die Autorin dadurch nur, dass beide Seiten der berühmten Medaille berücksichtigt werden und der Leser zudem verstehen lernt, wie es zu Mobbing überhaupt kommen kann und wie schnell sich anfängliche Sticheleien verselbstständigen können.

„Das wirst du bereuen“ ist ein Jugendbuch und öffnet sich durch seine wichtige Thematik doch nicht nur einer gezielten Lesergruppe. Sicherlich ist es sprachstilistisch für Jugendliche angelegt, d.h. es finden sich jugendsprachliche bzw. als solche vermutete Ausdrücke (insbesondere in den Dialogen) wieder, davon abgesehen arbeitet Maciel das Thema Mobbing aber derart vielseitig auf, dass eine in sich stimmige Geschichte entsteht, die zum Nachdenken anregt und Mobbing nicht länger tabuisiert.

Natürlich kann man bei einem derart komplexen Thema wie Mobbing, das geprägt ist durch unterschiedliche Faktoren und bei dem verschiedene Blickwinkel zum Tragen kommen, nicht die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten, Auswirkungen und Hintergründen erfassen, Maciel berücksichtigt aber vieles davon und münzt dies auf die in „Das wirst du bereuen“ geschilderte Geschichte. Es bleiben dabei logischerweise noch einige Fragen offen, diese sind aber nicht negativ zu verstehen, sondern bieten vielmehr eine Grundlage zu weiterführenden Diskussionen, weshalb sich das Buch durchaus als Schullektüre eignet, um mit der hier angesprochenen Zielgruppe das Thema zu erarbeiten und dadurch möglichen Vorfällen vielleicht sogar präventiv entgegenwirken zu können.

Klappentext

Alle Welt denkt, dass Emma Putnam sich umgebracht hat, weil wir sie Schlampe genannt haben – und nicht weil sie eine Schlampe war. Echt klasse.

Sara und ihre beste Freundin Brielle müssen sich vor Gericht verantworten – angeklagt, ihre Mitschülerin Emma gemobbt und in den Tod getrieben zu haben. Dabei war es doch Emma, die sich an Saras Freund Dylan rangemacht hat. Ein kleiner Denkzettel über Facebook muss da schon drin sein, finden die Freundinnen. Doch dann verselbstständigen sich die Dinge und plötzlich ist Emma
tot …

(Quelle: Bastei Lübbe)

Autor

Amanda Maciel hat nach ihrem Studienabschluss als Lektorin in verschiedenen Verlagen gearbeitet, im Moment ist sie Cheflektorin bei Scholastic. In ihrer Freizeit schreibt sie, sie geht gerne joggen oder fährt mit ihrem kleinen Sohn in der U-Bahn herum.
Zusammen mit ihrem Sohn, ihrem Mann und ihrer Katze lebt sie in Brooklyn, New York. „Das wirst du bereuen“ ist ihr erster Roman.

(Quelle: Bastei Lübbe)

Amanda Maciel – Facebook
Amanda Maciel – Twitter

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 18.07.2014
Empfohlen: ab 14 Jahren
Seitenzahl: 300
ISBN: 978-3-414-82406-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Boje Verlag / Bastei Lübbe

Copyright Cover: Boje Verlag / Bastei Lübbe



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde