Review

Die durch die Hölle gehen 2 

Die beiden FBI-Spezialagenten, die toughe Shaw und der idealistische McGregor, sind nach wie vor in ihrem persönlichen Alptraum gefangen. Dabei wissen sie nicht einmal, ob sie noch lebendig oder schon tot sind.

Zu allem Überfluss taucht dann auch noch der Mörder und Kinderschänder Carnahan vor den im Dunkeln tappenden Ermittlern auf. Das ist ebenso unwahrscheinlich, wie das gesamte Szenario, in dem die beiden Agenten gefangen sind, denn schließlich hat Shaw den Verbrecher dereinst erschossen. Carnahan scheint allerdings quicklebendig und in der einsamen Lagerhalle auch omnipotent zu sein. In einer gestellten Vernehmungssituation breitet er all seine Bestialitäten vor Shaw und McGregor aus. Es zeigt sich, dass der Mörder das wahrhaftig Böse zu sein scheint. Für die Ermittler verschwimmen Wirklichkeit und Wahn immer mehr.

Derweil ist deren Chefin Driscoll auf dem Weg zu ihren verloren gegangenen Agenten.

Teil 2 zieht ordentlich an

Nach einem recht schleppenden Beginn bzw. einer recht schleppenden ersten Hälfte der zwölfteiligen Maxiserie von Autor Garth Ennis und Zeichner Goran Sudžuka in „A Walk through Hell 1: Das verlassene Lagerhaus“, weiß die fiese Horrorstory in „A Walk through Hell 2: Die Kathedrale“ (US-Ausgaben #6-12) doch noch ganz überwiegend zu überzeugen.

Mit dem Auftauchen des Killers Carnahan wird der persönliche Alptraum der im Dunkeln tappenden Ermittler greifbarer und die mysteriösen Ereignisse häufen sich.

Leseprobe aus „A Walk through Hell 2“.
(Copyright: Cross Cult)

Dabei fesselt Ennis‘ Story nunmehr immer mehr durch ihre komplexe und unberechenbare Art und wird zum Ende hin ein packendes Stück.

Der kühle und mechanische Täter als Verkörperung des Bösen ist überzeugend und die Situation der zwei Agenten in der Lagerhalle gerät atmosphärisch dicht und spannend.

Dabei reichert Ennis seine Geschichte über den unmittelbaren Horror-/Mystery-Kontext noch mit Religionskritik, insbesondere Facetten der Theodizee-Frage, sowie mit kritischen Fragen zur Politik in den USA an.

Für einen derart finsteren Albtraum bleibt Künstler Goran Sudžuka genau die richtige Wahl, da er diese vielschichtige Story in atmosphärisch passende Bilder einzukleiden weiß.

Fazit

Abgesehen von einem nicht gänzlich zufriedenstellenden Ende, das allzu offen daherkommt, vermag die Geschichte aus der Feder des nordirischen Könners Garth Ennis ab der Hälfte doch die erhoffte facettenreiche Horror/Mystery-Unterhaltung zu bieten, die man zunächst eher vergeblich suchte. Nimmt man unsere Bewertungen der beiden deutschen Hardcover-Einzelbände zusammen, so kommt man insgesamt doch zu einem äußerst lesens- und empfehlenswerten Independent-Comic mit leichten Anlaufschwierigkeiten.

Inhalt

Die FBI-Spezialagenten Shaw und McGregor kümmern sich um die kleinen, alltäglichen Fälle – und Shaw ist das ganz recht so. Sie ist 40, dem Burnout nahe, und die Schatten ihres letzten Falls verfolgen sie noch immer. Ihr Partner McGregor hingegen ist jung und idealistisch, bereit es mit allem aufzunehmen, das ihm das Schicksal vor die Füße wirft.

Doch dann verschwinden zwei Agenten in einer Lagerhalle. Shaw und Mc Gregor werden losgeschickt, um das Gebäude zu untersuchen … und finden dort einen Albtraum vor, der die Grenzen jeder Vorstellungskraft übersteigt. Diese Nacht wird nie enden …

(Quelle: Cross Cult)

Künstler

Garth Ennis
wurde am 16. Januar 1970 in Hollywood geboren.

Ennis starte seine Karriere 1989 mit der Serie Troubled Souls, die von John McCrea gezeichnet wurde und in der Anthologien-Reihe Crisis erschien. Von 1991-1994 arbeite er mit Hellblazer an seinem ersten US-amerikanischen Comic im Hause DC. Zusammen mit Steve Dillon schuf Ennis die Serie Preacher. Später wechselte Garth zu Marvel und übernahm zusammen mit Dillon die Serie Punisher.

Ennis ist bekannt und partiell harsch kritisiert für seinen immens schwarzen Humor und die gewaltvollen Stilmittel seiner Zeichnungen.

Garth Ennis – Facebook

Goran Sudzuka
wurde 1969 in Zagreb geboren.

Nach der Hochschule für Angewandte Kunst begann er 1988 seine Tätigkeit in einem Animationsstudio und veröffentlichte erste Comics und Illustrationen. Nach mehreren Veröffentlichungen in seiner Heimat war „Outlaw Nation“ mit Goran Parlow und Jamie Delano 1999 seine erste Arbeit für DC Vertigo, für die er als vielversprechendster Newcomer 2001 einen Eisner Award erhielt.

Neben der  Serie „Hellblazer“, war Sudzuka regelmäßig als Gastzeichner für Brian K. Vaughans und Pia Guerras hochgelobte Serie „Y – The Last Man“ tätig.

Goran Sudzuka – Homepage | Goran Sudzuka – Facebook

(Quelle: Cross Cult)

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 11.12.2019
Seitenzahl: 176
ISBN: 978-3-959813-56-3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)