Review

Wenn man „Departure“, einen klassischen Sci-Fi-Roman mit dystoptischen Elementen, von A. G. Riddle erst einmal gelesen hat, könnte man meinen, dass hier ein Drehbuchautor am Werk war. Der Amerikaner, dessen Name irgendwie nach Pseudonym klingt, hat aber scheinbar noch nie für Fernsehen oder Kino geschrieben, stattdessen war er vor seiner Schreiberei Gründer diverser Internetfirmen.

Unabhängig davon, welche Talente Riddle für diese früheren Tätigkeiten brauchte, jetzt setzt er sie für unsere Unterhaltung ein – und das ziemlich gelungen. Nach einer Trilogie widmet er sich in „Departure“ nun einem Zeitreise-Thema. Alles beginnt jedoch bei der jungen Schriftstellerin Harper, die eine wichtige Entscheidung treffen muss: Geld oder Liebe? Entweder schnappt sie sich den gut bezahlten Biografiejob, oder sie arbeitet endlich an ihrer eigenen Romanidee. Hin- und hergerissen begibt sie sich auf den Heimflug nach London. Die erste Klasse, in der sie ausnahmsweise reisen darf, lenkt sie immerhin ein bisschen ab, bis dann das Unglaubliche passiert: Das Flugzeug stürzt ab!

Mitten in diesem Chaos entdeckt dann Protagonist Nr. 2, Nick, ungeahnte Talente. Der junge Mann mit Händchen für Risikofinanzgeschäfte entwickelt sich zum Anführer und Lebensretter. Kurzerhand nimmt er die dramatische Rettung der Überlebenden in die Hand. Während der Leser noch an den Folgen des schrecklichen Absturzes knabbert, beginnen die zwei Helden so langsam Fragen zu stellen. Wo sind sie? Was ist passiert? Und warum kommt keine Hilfe? Als sie sich auf eigene Faust auf die Suche begeben, finden sie die Welt entvölkert vor. Langsam dämmert es allen, dass sie eine Zeitreise gemacht haben. Dass zwei weitere Passagiere davon mehr wissen, als alle anderen, sorgt für langanhaltendes Gedankenkarussell.

Schritt für Schritt enthüllt Riddle seinen Plot, der neben Zeitreisen auch parallele Existenzen, moralische Grundsatzfragen und einige Kampf- und Überlebensszenen beinhaltet – sogar erste Annäherungsversuche zwischen zwei Beteiligten kann er gut unterbringen. Obwohl die Ideen auf den ersten Blick sehr reichhaltig klingen – vor allem für „nur“ knapp über 400 Seiten – überfrachtet Riddle seine Erzählung nicht. Er scheint immer ein gutes Mittelmaß zu finden. Besonders dank der plastischen Beschreibungen gelingt ihm das. Dabei geht allerdings auf der anderen Seite schon mal etwas Tiefe verloren. Als beispielsweise die Motivation hinter der Zeitreise erläutert wird, geht alles eher „husch-husch“, sodass man die Hintergründe durchaus hinterfragen kann. Die schrittweise Enthüllung sorgt dennoch dafür, dass der Leser bei der Stange bleibt.

A.G. Riddle (Copyright: Jessica Crawford)

A.G. Riddle (Copyright: Jessica Crawford)

Der Spannung ebenso zuträglich sind die Perspektivenwechsel zwischen Harper und Nick, zumindest wenn beide nicht am gleichen Geschehen beteiligt sind. Diese Stellen wirken dann etwas erzwungen, schmälern den Lesespaß aber nur minimal.

Am Ende – Achtung, hier wird mild gespoilert! – liefert Riddle für „Departure“ dann noch ein hollywoodreifes Happy End.

Zusammen mit der eher geringen Detaildichte entsteht hier der eindeutige Eindruck, dass dieses Buch ohne Abstriche ein großartiger Hollywood-Streifen werden könnte. Bis es soweit ist, können sich Action-, Sci-Fi- und Dystopiefans mit leichter Sommerlektüre die Zeit vertreiben.

Inhalt

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Flug 305, auf dem Weg von London nach New York. Plötzlich fallen alle Systeme aus, das Flugzeug stürzt ab. Für die Passagiere ist diese Katastrophe erst der Anfang – denn die Welt ist nicht mehr die, die sie kennen. Als die Überlebenden auf ein Hologramm von Stonehenge stoßen, wird ihnen klar, dass sie weit in die Zukunft geschleudert worden sind – auf eine anscheinend entvölkerte Erde. Doch fünf von ihnen sind auserwählt, die Menschheit zu retten – oder sie zu vernichten …

(Quelle: Heyne Verlag)

Autor

A. G. Riddle
A.G. Riddle wuchs in North Carolina auf. Zehn Jahre lang beschäftigte er sich damit, diverse Internetfirmen zu gründen und zu leiten, bevor er sich aus dem Geschäft zurückzog. Seitdem widmet Riddle sich seiner wahren Leidenschaft: dem Schreiben. Seine Atlantis-Trilogie ist in Amerika schon jetzt ein Phänomen. Riddle lebt in Parkland, Florida.

(Quelle: Heyne Verlag)

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Details

Format: Taschenbuch, Broschur
Vö-Datum: 09.05.2016
Seitenzahl: 432
ISBN: 978-3-453-43851-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Heyne Verlag

Copyright Cover: Heyne Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer