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Berichte

9. November 2022

Bericht und Fotos: Wardruna – „Nordic Night Open Air Tour“ (Dresden, 14.07.2022)

Die auferlegte Pause zwang leider auch den weißen Raben in die Knie. Konnte „Kvitraven“ zwar als Streaming-Veranstaltung vorab schon viel Begeisterung für sich verbuchen, war der Drang zum Live-Auftritt von Wardruna mehr als überfällig und wurde innigst erwartet.

Und was fällt bei Wardruna ein? Schlicht „Magie“. Somit bedurfte es auch einem angemessenen Ambiente, welches inmitten der Wälder Dresdens gefunden wurde. Somit kredenzte der Weiße Hirsch den passenden Rahmen für den „Nordic Night Open Air Tour“-Termin am 14. Juli 2022.

Praktischerweise wurden Wardruna von zwei „Mitstreiterinnen“ aus den eigenen Reihen begleitet, nämlich Lindy-Fay Hella & Dei Farne und Katrine Stenbekk mit Kalandra.

Gefühlvolles Opening

Überpünktlich kam Lindy mit ihren Begleitern auf die Bühne und verzauberte mit minimalistischer Art das Publikum. Sie ließ ihren distanziert-zauberhaften Charme walten und gab mit Dei Farne Aspekte ihrer beiden Alben „Seafarer“ und „Hildring“ wieder.

Galerie: Lindy-Fay Hella & Dei Farne
Lindy-Fay Hella & Dei Farne

(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Verstand sie dies schon wenige Wochen vorher beim Auftritt während des WGTs, betonte der natürliche Rahmen hier die Authentizität ihrer Performance. Ihr Liedgut ging somit gleich tief unter die Haut.

Zauberhaftes Zwischenspiel

Katrine Stenbekk verstand es, mit ihren männlichen Begleitern von Kalandra gleichwohl anzusetzen und mit einem gesetzten Indie-Rock-Sound-Gänsehautfeeling zu zaubern.

Auch sie ließ es nicht missen, ihrer Freude über die Gäste und dem Ambiente Ausdruck zu verleihen, wirkte in Teilen gar etwas schüchtern, aber das machte die Präsenz noch sympathischer und glaubhafter.

Galerie: Kalandra
Kalandra

(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Und so verzauberte sie u.a. mit Liedern wie „Naive“, „Brave New World“ und „Ensom“.

Tief unter die Haut gehender Hauptact

Wardruna verstehen sich exzellent darauf, aus wenig mehr zu machen. Daher bedarf es lediglich ein paar Bannern, um die Klangkulisse visuell auszufüllen. Die Zuschauer:innen wurden sofort in den Bann gezogen und wippten, tanzten und sangen andächtig und überraschend textsicher mit.

Katrine Stenbekk verlieh mit ihrer Stimme noch einen Akzent Weichheit und unterstützte Lindy in den female Vocals.
Auch die Weidenflöte und die Bronze-Lure betonten den Zauber der Ausnahmetalente.

„Lyfjaberg“ wirkte in der Tat heilend und gar tantrisch-meditativ. Besonders erwähnenswert ist dabei, dass die Magie, welche über den Weißen Hirschen waberte, dafür sorgte, dass das Konzert im Hier und Jetzt genossen wurde und kaum Handys gezückt wurden.

Galerie: Wardruna
Wardruna

(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Einar „Kvitrafn“ Selvik ließ es sich auch nicht nehmen, zu erklären, wofür Wardruna stehe. Dabei verdeutlichte er, es ginge nicht um eine Zeitreise; nicht um die Frage, ob die eine Kultur besser sei als die andere, oder um verklärte Romantisierung alter Zeiten und einem „Nachtrauern“ nach dem Alten. Sondern es ginge vielmehr um die Rückbesinnung zur Natur. Denn die Natur ist das Leben. Die Natur kennt keine Grenzen, denn wir alle wandern unter dem gleichen Himmel. Und somit werden Teile aus etwas Altem ausgewählt, wie die Sing-Kultur, in die Neuzeit übertragen und daran erinnert, dass das Leben nicht als eine Linie zu betrachten sei. Es sei vielmehr ein Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt. Das könne auch auf Zivilisationen, Wachstum und vieles mehr übertragen werden.

Der Brückenschlag zu „Helvegen“ gelang insofern, als dass er den Sinn dahinter so erklärte, dass mehr gesungen werden sollte in der heutigen Zeit, denn damals wurde alles besungen, somit auch der Tod, das Hinübergleiten in die andere Welt, die Erinnerungen und das Sterben an sich. Gänsehaut war somit vorprogrammiert.

Setlist:
Kvitravn, Skugge, Solringen, Bjarkan, Heimta Thurs, Lyfjaberg, Tyr, Isa, Raido, UruR, Grá, Rotlaus tre fell, Fehu, Odal, Helvegen, Voluspa (Skaldic Version)

Fazit

Es war zwar sehr bedauerlich, dass die Zeit viel zu schnell verging, denn ein bisschen mehr „alt-neuer“ Weisheit und Esprit, Zauber und Verzauberung war ganz offenkundig bei so ziemlich jedem Zuschauer wie eine Portion Andacht und Balsam für die Seele. Aber so ging man schlussendlich leichtfüßig in Richtung Ausgang und hatte ein rundum wunderschönes Gefühl, weil diese Musik es einmal mehr schaffte, mitten ins Herz zu treffen.

Video

Links

Wardruna: Homepage | Facebook | Twitter | Instagram

Lindy-Fay Hella: Homepage | Facebook | Instagram

Kalandra: Homepage | Facebook | Twitter | Instagram

Details

Datum: 14.07.2022
Location: Weißer Hirsch, Dresden

Copyright Artikelbild: Landstreicher Konzerte / Wardruna
Copyright Fotos: Dagmar, DeepGround



Über den Autor

Daggy
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