Deepground Magazine
Mehr als nur ein weiteres Magazin



Berichte

16. März 2015

Bericht und Fotos: Leipziger Buchmesse 2015

Zeitmanagement, Aggressionstherapie und Koffeinentzug: Ein Bericht von der Leipziger Buchmesse 2015

Freitag morgens, halb zehn in Deutschland. Ein Zug, der in wenigen Minuten in Richtung Leipzig aufbricht und bereits jetzt gut gefüllt ist. In meinen Adern dreht das Koffein eigentlich noch nicht lange genug seine Runden, um schon größeren Menschenmengen mit Freundlichkeit zu begegnen, aber es geht Richtung Buchmesse und der Gedanke, dass mit mir noch andere Bücherwürmer freudig die Bücherwelten erwarten, lässt mich mein Schicksal ertragen. Das und der süße Haselnuss-Cappuccino in meiner Hand.

Ohne noch einen weiteren Stehplatz zu verschwenden, geht die Reise los. Wenn ich jetzt schon innerlich die Augen verdrehe, ahne ich noch nicht, dass die Anreise am Samstag – statt mit dem ÖPNV mit dem Auto – noch unangenehmer werden wird. Denn nur weil die Menschen nicht um Sitz-, sondern um Parkplätze rangeln, wird die Situation nicht angenehmer. Was lernen wir daraus? Eigentlich ist es egal, auf welchem Weg wir anreisen, Geduld sollten wir immer genug dabei haben!

Aber erst mal ist Freitag. Voller Vorfreude verlasse ich den Zug in Richtung Messegelände. Um mich herum vor allem Schulklassen, aber auch schon ein paar Cosplayer, von denen ich sogar einige Charaktere erkenne.

Galerie: Cosplayer

(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Kurz nach dem behüteten Pressebereich geht es dann richtig los. Ob es Strategie ist, dass dieser direkt an Halle 1 angrenzt? Die Halle, die das bunte Völkchen rund um die nun ausgelagerte Manga-Comic-Convention beherbergt? Ich weiß es nicht, zweifele aber schon jetzt an dieser Planungsmaßnahme. Immerhin ist es – wie ich nach meinem Samstagsbesuch nun weiß – am Freitag noch luftig. Allerdings drehe ich erst einmal nur kurz eine Orientierungsrunde in Halle 1, denn ich habe einen Plan, der doch eigentlich alles gut abdeckt, was ich sehen möchte, und heute steht die MCC da noch nicht drauf. Also werfe ich einen letzten Blick auf den japanischen Teegarten, dem man am Nachmittag zur Entspannung ja einen Besuch abstatten könnte, und breche Richtung Haupthalle auf. Von diesem zentralen Punkt soll es dann weiter zu den anderen Schwerpunkten der Messe gehen.

Auch hier sind, obwohl es erst kurz nach Öffnung der Messe ist, bereits viele Menschen unterwegs, die ersten auch schon mit erjagten Souvenirs: Großformatige Papiertüten sind dieses Jahr kostenlos abzugreifen, zusätzlich sehe ich viele Trolleys, Beutel, Taschen und randvolle Rucksäcke, die hoffentlich mit gekauften Büchern gefüllt sind. Kostenlos ist bei allen Besuchern beliebt, hier allerdings darf und muss an fast jedem Stand das Portemonnaie gezückt werden, Mitarbeiter der Messebuchhandlung machen es möglich. Für verlorene Impulskontrolle gibt es sogar die Variante der elektronischen Bezahlung – dem Shoppingvergnügen steht also nichts im Weg.

Vorort Lesen ist hingegen schon eher problematisch. Auch wenn ich Freitag zwischen Schulklassen und Fachbesuchern noch gut durch die Gänge huschen kann – auch das wird am Samstag gänzlich anders aussehen – entspannt Bücher anlesen, am besten noch sitzend, ist kaum möglich. Nicht nur die Besucherströme und die schon heute anstrengende Geräuschkulisse lassen keinen Zweifel, dass die Messe nicht der richtige Ort für Schmökerei ist.

Andrea Bottlinger liest aus ihrem Buch "Geek Pray Love" auf der LBM 2015 (Copyright: DeepGround Magazine)

Andrea Bottlinger liest aus ihrem Buch „Geek Pray Love“ auf der LBM 2015.

Nachdem einige Bücher befühlt, Hände geschüttelt, Fotos geknipst und Stände abgeklappert sind, steht eine kleine Premiere für mich an:
Die erste Lesung überhaupt, der ich bei der Buchmesse beiwohne.
Dafür zurück zu Halle 1, unterwegs noch einen Kaffee einsammeln. Am Kaffeestand bekomme ich einen kleinen Schock, 3,80€ für einen Milchkaffee? Na gut. Dann halt keinen Kaffee.
Die Zeit sitzt mir sowieso das erste Mal im Nacken.

Also auf zum schwarzen Sofa – das übrigens gar kein Sofa ist! – und Andrea Bottlinger ohne ihren Mitautoren bei der Vorstellung/Lesung ihres Buches „Geek Pray Love“ lauschen. Eine wichtige Erkenntnis habe ich dabei sogar gewonnen: Kein Buch für mich. Selbst wenn die Lesung etwas unterhaltsamer und interaktiver gewesen wäre, der Thematik „Geek-Kultur“ möchte ich mich so nicht widmen. Und so würde ich mich auch nicht darstellen lassen wollen. Nun ja. Die Ernüchterung teilten auch die wenigen anderen Zuhörer – aber immerhin hatte ich für 45 Minuten nicht nur einen Sitzplatz, ich konnte auch schon einen Blick auf die Vorbeigehenden werfen – was sich in Halle 1 immer lohnt!

Auf dem Rückweg noch einen kurzen Abstecher zum japanischen Teegarten, Kaffee war vorhin ja nicht drin. Jetzt, zur Nachmittagszeit, ist dieser aber grandios überlaufen, und wegen meiner mangelnden Flexibilität werde ich es auch dieses Jahr nicht schaffen, hier einen Tee zu trinken. Hätte ich doch nur zu Beginn die Gelegenheit genutzt!

Nun, wenn ich aber schon mitten in Halle 1 bin, kann ich wenigstens noch einen weiteren Punkt auf meiner Liste erledigen:
Die Ausstellung „20 Jahre Sailor Moon in Deutschland“!
Hier war leider das Plakat das schönste Exponat … Neben einigem Plastikmerchandise verblieben nur eine Handvoll Plakate zum Bestaunen. Immerhin: Mehr als 5 Minuten verliert der Messebesucher hier nicht.
Auch die zweite Ausstellung „Comics zur Lage der Welt in Leipzig“ erwies sich als Flopp.
Nun, im nächsten Jahr muss das wohl nicht mehr auf meine persönliche Liste.

BlognTalk der RandomHouse Gruppe wie immer gemütlich und ein voller Erfolg. (Copyright: DeepGround Magazine)

BlognTalk der RandomHouse Gruppe wie immer gemütlich und ein voller Erfolg.

Schließlich war der Freitag beinahe rum und es war Zeit, sich zum Blogntalk von RandomHouse zu schieben. Die Verlagsgruppe zeigte sich hier ziemlich erfahren im Umgang mit Bloggern – nicht nur, dass jene eine extra Veranstaltung bekommen, die zeitlich strategisch platziert und mit äußerst vielen Autoren und Mitarbeitern angereichert ist, man kredenzt zu Sekt auch noch Macarons. DAS Bloggerfood schlechthin! Die anschließende Ansage „Wer ein Foto von den Macarons machen möchte, sollte jetzt kommen, sonst sind sie leer!“ zeigte außerdem: Hier denkt jemand mit!

Die tollen persönlichen Gespräche offenbarten dann auch mal die Gesichter hinter der Technik – so sollte Buchmesse immer sein. Wenn ich jetzt noch ein, zwei der Autoren gekannt hätte, wäre es perfekt für mich gewesen.

Galerie: Leipziger Buchmesse 2015: Impressionen

(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Im Großen und Ganzen zufrieden mit der Planung von Tag 1 war ich überzeugt, auch Tag 2, den gefürchteten Samstag zu überstehen. Zumal ich ja weiß, dass es samstags verrückt zugeht!
Dennoch ist die Geschichte hier schnell erzählt: Zwei Stunden Stau, übervolle Hallen, übervolle Signierstunde bei Herrn Fitzek und zusammenbrechende Kommunikationswege – Handys waren so nutzlos wie Rauchzeichen – machten den Tag zur Odyssee.
Wenn ich schon glaubte, Freitag wäre hart, hatte ich wohl einfach verdrängt, wie schlimm Samstage auf der Buchmesse sein können. Entspannt geht anders. Aber bei einer Viertelmillion Besucher bleibt die Gemütlichkeit halt doch auf der Strecke. Auch Freundlichkeit suchte man bei Messemitarbeitern und Besuchern manchmal vergeblich, aber nun ja. Da hilft nur ein dickes Fell. Und vielleicht selbst mitgebrachter Kaffee.

Leipziger Buchmesse 2015 - und ein Teil der DeepGround Redaktion war für Euch vor Ort. (Copyright: DeepGround Magazine)

Leipziger Buchmesse 2015 – und ein Teil der DeepGround Redaktion war für Euch vor Ort.



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer




 
 

 

Überblick: Wave Gotik Treffen 2019

Treffen der Schwarzen Szene Auch dieses Jahr wird es schwarzbunt in Sachsen, denn zum 28. Mal findet vom 07. bis 10. Juni das Wave Gotik Treffen in Leipzig statt. Parallel an ca. 50 Veranstaltungsorten, verteilt über die ganze...
von Daggy
0

 
 

Von nackten Hasen, Höhlenmalerei und Elfenbeintürmen – Ein Plädoyer für Cosplayer auf den Buchmessen

Die Leipziger Buchmesse 2017 ist Geschichte. Allerdings hat sie im Abgang ein unerwartet starkes Nachbeben zu verkraften, verursacht durch einen Beitrag des SWR. In diesem wird eine Bilanz der Buchmesse gezogen, die – sta...
von Silvana
0

 
 

Bericht und Fotos: Leipziger Buchmesse und Manga-Comic-Con 2017

Leipziger Buchmesse – oder: Eine Frage des Platzes Ich wusste es eigentlich besser. Immerhin blicke ich auf eine lange Erfahrungsgeschichte mit der Leipziger Buchmesse zurück. Seit meinem 15. Lebensjahr schon besuche ich...
von Silvana
1

 




0 Comments


Seien Sie der erste, der einen Kommentar hinterlässt!


Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.