Deepground Magazine
Mehr als nur ein weiteres Magazin



Berichte

15. Oktober 2014

Bericht und Fotos: Frankfurter Buchmesse 2014

Vom 08. bis 12. Oktober öffnete die Messe in Frankfurt wieder Tür und Tor für zahlreiche nationale und internationale Buchbegeisterte und verwandelte sich in diesen Tagen zum Mekka für Lesende.

Auch wir vom DeepGround Magazine waren am Sonntag auf dem Gelände unterwegs und konnten uns von der Qualität und den Vorzügen der Messe überzeugen.

Die gute Organisation, die uns in den folgenden Stunden immer wieder auf ein Neues bestätigt wurde, zeigte sich bereits bei der Ankunft. Von der Parkplatzeinweisung, über Lotsen an den Rolltreppen bis hin zu einem kostenfreien strukturierten Shuttle Bus Service, der permanent und lückenlos zur Verfügung stand und die Menschenmassen nicht nur vom Parkhaus zum Messegelände, sondern auch von Halle zu Halle beförderte, wurde alles aufgeboten, um Wartezeiten und Unannehmlichkeiten jeder Art zu vermeiden und den Besuchern einen angenehmen und reibungslosen Aufenthalt zu ermöglichen.
Zahlreiche Lagepläne und Beschilderungen sorgten für ein schnelles Zurechtfinden auf dem großen Messegelände. Traten darüber hinaus trotzdem noch Fragen oder Unklarheiten auf, half das kompetente und freundliche Personal der Buchmesse auf Anhieb weiter.

Dadurch gewannen wir schnell einen ersten Überblick über das Areal und die Aufteilung der Frankfurter Buchmesse, durch deren Hallen wir bis 10 Uhr gemütlich flanierten. Dann aber führte uns der erste feste Programmpunkt des Tages auf die Agora, genauer gesagt in das dort zentral gelegene Lesezelt. Hier versammelten sich Interessierte, um dem moderierten Gespräch der Autorenduos Iny Lorentz und Klüpfel & Kobr zu lauschen.

Das Thema der Diskussionsrunde lautete „Erfolg zu zweit“, wurde von der Verlagsgruppe Droemer Knaur veranstaltet und entlockte den Autorenteams so manche Information über das duale Schreiben, ihr jeweiliges Kennenlernen, ihre Schreibabläufe und natürlich über ihre aktuellen Veröffentlichungen. Entsprechend kamen die Zuschauer auch in den Genuss einer Leseprobe der neuen Romane „Grimmbart“ (Klüpfel & Kobr) und „Die List der Wanderhure“ (Iny Lorentz).
Während die Zuschauer in der ersten halben Stunde gebannt an den Lippen der beiden Krimiautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr hingen, die mit viel Unterhaltungswert, Witz und Esprit die ihnen gestellten Fragen beantworteten und dabei Einblicke in ihre Arbeitsweise gewährten, fragte man sich im zweiten Teil der Gesprächsrunde, wo der Anstand und die Höflichkeit der Zuschauer geblieben sind, denn als das Schriftstellerehepaar Iny Lorentz das Wort übernahm, verließen nach und nach einzelne Besucher und Besuchergruppen das Lesezelt. Sicherlich handelte es sich dabei um Fans der „Kluftinger“-Krimi-Schreiber, die mit den historischen Romanen von Iny Lorentz weniger anfangen konnten, insgesamt störte das stete Kommen und Gehen in dieser Phase aber die übrigen Zuschauer und bestimmt auch das Autorenpaar selbst, welches ebenfalls interessante Antworten zu geben hatte. Entsprechend des historischen Kontextes, der in der „Wanderhuren“-Reihe zu finden ist, fielen ihre Ausführungen zwar eher sachlicher aus und auch die Leseprobe aus „Die List der Wanderhure“ war recht ungünstig gewählt, da Iny Lorentz diesbezüglich aber improvisiert haben und auf die Schnelle eine Stelle zum Vortragen aussuchten, war dies zu verschmerzen.
Interessant war die gesamte Diskussion allemal, einzig einige Zuschauer sollten sich vielleicht noch einmal den Knigge auf ihren SuB-Stapel legen und insbesondere lesen.

Dies trifft auch auf jene Besucher zu, die immer mal wieder in den eigentlich ausreichend breiten Gängen innerhalb der Hallen – gerne auch in Gruppen – mittig stehen blieben; ohne Rücksicht auf Verluste und das nicht einmal, was noch verständlich gewesen wäre, vor den Ausstellungsflächen der Verlage, um sich dort umzusehen. Gegen das wenige Mitdenken besagter Personen half auch die beste Organisation nichts, sodass es oftmals zu kleinen Staus kam. Wer diese Situationen (und die dadurch teilweise entstandenen Karambolagen) nicht mit Humor nahm und keine schnelle Reaktionsgabe aufwies, der konnte schon leicht frustriert werden oder auf körperliche Tuchfühlung mit dem Vordermann gehen.

Berührungsängste sollte man also nicht unbedingt haben, wenn man die Frankfurter Buchmesse besucht. Dies zeigte sich auch in den vollen Hallen, in denen die renommierten großen und populären Verlage untergebracht waren wie z.B. jene der Random House Group (u.a. Heyne, Blanvalet oder Goldmann), Piper, Ullstein, Fischer, Droemer Knaur, Rowohlt, DTV, KiWi, Bastei Lübbe, Carlsen oder die einzelnen Verlagsmarken der Egmont Verlagsgesellschaften (wie u.a. LyxComic Collection oder Egmont Manga).
Ihre Verlagsauftritte waren entsprechend opulent, boten Platz zum Stöbern, Schmökern und Innehalten und luden durch schöne Aufsteller und Arrangements zum Verweilen ein.

Galerie: Frankfurter Buchmesse 2014: Impressionen

(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Diesbezüglich geizten jedoch auch viele „kleinere“ Verlage nicht und stachen so aus der Masse an Ausstellern heraus. So beispielsweise der KBV Verlag, der mit einer gemütlichen Sitzgarnitur Atmosphäre und Platz zum Probelesen schaffte, der Kein & Aber Verlag, der mitsamt ausgestelltem Bus anreiste, in dem man sich zum Lesen zurückziehen konnte, oder Amizaras, dessen wunderschöne Lesezeichen, passend zu ihrer fantastischen „Amizaras Chronik“, besonders hervorstachen. Besser kann man ein gelungenes Ambiente nicht schaffen.

Gleichsam gingen leider einige Verlage mit wenig Stellfläche zu sehr unter. Darunter der Westend Verlag, der am Sonntag sogar mit Dr. Norbert Blüm, der seine Polemik „Einspruch: Wider die Willkür an deutschen Gerichten“ vorstellte, eine politische Berühmtheit am Stand zu Besuch hatte, die allerdings zeitweise sehr alleine dasaß.

Über äußerst starkes Interesse dürften sich am Sonntag hingegen vor allem die Comic-, Manga- und Graphic Novel-Verlage gefreut haben, denn da ab 14:30 Uhr die 8. Deutsche Cosplay-Meisterschaft im Rahmen der Buchmesse stattfand, tummelte sich zahlreiches Cosplay-Volk auf dem Gelände, das die ihren Interessen entsprechenden Stände stürmte.
Insgesamt war das Publikum sehr gemischt, sodass nahezu alle Altersgruppen vertreten waren, dies wundert nicht, da auch für die Kleinsten ein vielfältiges Programm geboten wurde, mit fortschreitender Zeit stieg die Anzahl der Cosplayer jedoch rasant an. Durch ihre meist liebevollen Kreationen – von schlicht bis extrem war alles vertreten – machten die Cosplayer sogar den Ausstellern einige Konkurrenz, denn als „herkömmlicher“ Besucher gab es dies betreffend einiges zu betrachten.
Die Mühen der Cosplayer wurden bereits vor Beginn der Meisterschaften honoriert, indem kein einziger Platz mehr im Saal Harmonie (Congress Center) frei war. Einzig über Bildschirme, die jedoch zahlreich und gut einsehbar verteilt angebracht waren, konnte man das 3-stündige Event verfolgen.

Galerie: Cosplayer


(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Doch nicht nur am Sonntag, dem letzten Tag der Frankfurter Buchmesse, auch an den Veranstaltungstagen zuvor wurde (mit u.a. Lesungen, Diskussionen, Signierstunden, Autorentreffen u.v.m.) sehr viel Programm geboten, sodass man fast gar nicht alle Termine wahrnehmen konnte. Glücklicherweise waren die Wege zu den jeweiligen Veranstaltungsorten recht kurz gehalten (und nicht zuletzt durch die stets einsatzbereiten Shuttle Busse binnen weniger Minuten erreichbar). So konnte man mit ein wenig Planung im Voraus allen gewünschten Terminen beiwohnen und die interaktiven Angebote wie die sogenannte „Hörspiel-Box“ oder eine Handschriftenanalyse nutzen.

Bei so viel Wegstrecke, die man auf einer Buchmesse zurücklegt, boten zahlreiche Sitzmöglichkeiten Gelegenheit zum Pausieren. Diese wurden, ebenso wie die verschiedenen Gastronomieangebote, ausgiebig genutzt. Der eine oder andere nahm solch eine Verschnaufpause zudem wahr, um seine auf der Messe erstandene Lektüre bereits vor Ort zu lesen.

An Situationen wie diesen war erfreulich zu sehen, dass Literatur immer noch derart weite Kreise ziehen kann und die verschiedensten Menschen anzieht, begeistert und verbindet.
Dass zudem auf das gedruckte Buch, mehr als auf die beliebten E-Books, der Fokus lag, dürfte Freunde des haptischen Lesens glücklich gemacht haben.
So soll es sein und so wird es hoffentlich auch bei der nächsten Frankfurter Buchmesse 2015.

Die 2014er Ausgabe wurde immer wieder mit dem Begriff „Wohlfühlmesse“ in Verbindung gebracht. Und auch wir können nach unserem Besuch diesen Eindruck nur bestätigen. Darüber hinaus nehmen wir zahlreiche positive Erlebnisse und Gespräche, Eindrücke und Ausblicke mit. Ein Besuch lohnt sich und sollte daher bei jedem Buchfreund fest im Kalender eingeplant werden.

Copyright Artikelbild: Frankfurter Buchmesse



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde




 
 

 

Von nackten Hasen, Höhlenmalerei und Elfenbeintürmen – Ein Plädoyer für Cosplayer auf den Buchmessen

Die Leipziger Buchmesse 2017 ist Geschichte. Allerdings hat sie im Abgang ein unerwartet starkes Nachbeben zu verkraften, verursacht durch einen Beitrag des SWR. In diesem wird eine Bilanz der Buchmesse gezogen, die – sta...
von Silvana
0

 
 

Bericht und Fotos: Leipziger Buchmesse und Manga-Comic-Con 2017

Leipziger Buchmesse – oder: Eine Frage des Platzes Ich wusste es eigentlich besser. Immerhin blicke ich auf eine lange Erfahrungsgeschichte mit der Leipziger Buchmesse zurück. Seit meinem 15. Lebensjahr schon besuche ich...
von Silvana
1

 
 

Bericht und Fotos: Leipziger Buchmesse und Manga-Comic-Con 2016

15.933 Schritte ohne Bücher auf dem Rücken. Es ist wieder Freitag, nicht irgendeiner, sondern Buchmesse-Freitag! Man lernt ja aus seinen Fehlern, daher läuft dieses Jahr alles ein bisschen anders. Während letztes Jahr nicht...
von Ivonne
1

 




0 Comments


Seien Sie der erste, der einen Kommentar hinterlässt!


Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.