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6. September 2016

Bericht und Fotos: Die Krupps / Support: Enemy I (Berlin, 02.09.2016)

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Verfasst von: Conny
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„Es wird hart, es wird laut und es sollte keinesfalls verpasst werden!“ So kündigten wir das auf den 02. September 2016 datierte Konzertdebüt des Nuke Clubs in Berlin bereits in unserem Veranstaltungstipp an – und sollten recht behalten, denn mit Die Krupps und der lokalen Supportband Enemy I holte sich die ehrwürdige ehemalige Location K17, die seit Juni dieses Jahres unter dem Namen Nuke Club den Berliner Veranstaltungskalender mit Party- und (ab sofort auch wieder) Liveevents bereichert, zwei Truppen ins Haus, die mit harschen Tönen für ausgelassene Stimmung sorgen sollten.

Im Zeichen facettenreicher industrieller Klänge, die in ihrer headbangtauglich-metallischen und tanzbar-elektronischen Natur einen ausgewogenen Mix darstellten, öffnete der Nuke Club pünktlich um 19 Uhr die Tür zur Halle und – zunächst noch sehr verhalten – fanden die Besucher ihren Weg in die für Bands und Abend passende und wie gemachte Location.

Weitaus weniger verhalten stand die Supportband Enemy I parat und enterte daher – ebenfalls pünktlich – um 20 Uhr die bis dato noch jungfräuliche „Nuke-Club-Bühne“.

enemy-i-logo

Dass sie Lust auf den Gig hatten und den Zuschauern ordentlich einheizen wollten, zeigten die fünf Mannen um Fronter Rob DeVille bereits mit den ersten beiden Songs. Die für ihre abwechslungsreiche Metal-Mischung bekannte Band fokussierte sich – frei nach dem Motto „sind sie zu hart, bist du zu schwach“ – gleich zu Beginn auf ihre schnelleren Tracks, sodass der Auftakt mit den Songs „Don’t trust“ und „Placebo god“ rasant, energetisch und laut erfolgte. Damit präsentierten die Berliner gleichsam schon einen Vorgeschmack auf das für Ende des Jahres angekündigte Debütalbum „Dysphoria“, auf dem ebenfalls die performten Songs „Twinsight“, „A battlefield“ und „Without undue delay“ zu hören sein werden. Ergänzt wurde das ca. 45-minütige Set des Auftritts um die auf der bereits erhältlichen EP „anywhere but here“ zu findenden Titel „Automatic shut-off“, „Pimp my drug“ und „Red-Head bitch“.

Mut bewiesen Enemy I mit ihren gewagten Ausflügen in beinahe schon doomlastigere Regionen durch die erwähnten Tracks „Pimp my drug“ und „A battlefield“, welche sowohl kurze Verschnaufpausen und ruhigere Momente lieferten, als auch die musikalisch-stilistische Bandbreite der Band unterstrichen. Hier wurde das Tempo kurzzeitig deutlich reduziert und die sonst vorhandene mitreißende Eingängigkeit zugunsten atmosphärischer Strukturen mehr vernachlässigt. Überraschungsmomente, die sicherlich polarisieren, eine Enemy I Show zugleich aber nicht langweilig werden lassen.

Langeweile kam auch u.a. durch die hin und wieder eingebundenen Interaktionen mit dem Publikum nicht auf. Somit lag der Fokus der Zuschauer deutlich auf Sänger und Frontmann Rob DeVille, der die Bühne für sich zu nutzen wusste. Bewegung entstand auch immer mal wieder seitens der Instrumentalfront, die mit Bühnenaccessoire (Ventilator) und untereinander zu interagieren wusste. Gemessen an der Intensität ihrer Titel hätte es diesbezüglich sogar noch dynamischer zugehen können; dies trifft allerdings ebenso auf das Publikum zu, denn auch wenn sich die Halle während des Auftritts zusehends füllte, ist es dennoch schade, dass es immer üblicher wird, den Supportbands meist zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken, indem sich die Mehrheit der Zuschauer erst zum Mainact an Ort und Stelle einfindet. Wie Bands wie Enemy I beweisen, kann einem dadurch eine gute und vielversprechende Truppe entgehen, mit der in Zukunft definitiv noch zu rechnen ist.

Für zusätzliche Hingucker sorgte die Lichttechnik des Nuke Clubs, welche die Stimmung der Songs stets passend einfing und das Bühnengeschehen entsprechend ausleuchtete.

Ein gelungener Auftakt von Enemy I für die ab Herbst folgenden weiteren Gigs der Band und ein harter, aber herzlicher Einstieg in den Konzertabend, der die Die Krupps Fans schon einmal solide für die noch anstehenden Beats aufgewärmt haben sollte.

Galerie: ENEMY I (Photos by Silverangel Photography)

(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Während sich die Zuschauer nach dieser energiegeladenen Show dann erst einmal mit Getränken versorgten und Gelegenheit hatten, den Merchständen der beiden Bands einen Besuch abzustatten, stellten Enemy I und Helfer ihr temporeiches Abbautalent unter Beweis, sodass in kürzester Zeit Platz für die Headliner des Abends geschaffen wurde:

die-krupps-logo

Jene standen ihrem Support in Sachen Lautstärke in nichts nach und rissen das sich nun zahlreich vor der Bühne wieder eingefundene Publikum umgehend vom ersten Ton des Intros an mit.

Ein Blick vom hinteren Teil der Halle aus verriet: es war voll! Und so fanden die harschen Beats von Die Krupps ein großes und dankbares Publikum, das in Feierlaune war. Die Stimmung auf und vor der Bühne bedingte sich gegenseitig, sodass die gesamte Setlist der Band frenetisch aufgenommen wurde.

Das Gitarrendoppelpack brachte den Fokus auf die metallische Ausrichtung der Band und untermalte die Wucht ihres Sounds, der insbesondere dem letzten Albumtitel „Metal Machine Music“ mehr als gerecht wurde. Darüber hinaus wurden natürlich auch die elektronischen Beats nicht vernachlässigt und mit dieser Mischung fuhren Die Krupps auch an diesem Abend sehr gut. Ein bunter Songreigen, der zwar insbesondere an der jüngeren Diskografie der Band kratzte, gewohnt mit deutschen und englischen Lyrics aufwartete und auch die Kollaboration mit Caliban (Song: „Alive In A Glass Cage“) umfasste, bot dennoch mit Klassikern und Bandhymnen wie „To The Hilt“ oder „Fatherland“ Raum, um alte und neue Fans auf ihre Kosten kommen zu lassen.

Die Krupps absolvierten auch optisch einen Auftritt, der – wie schon bei Enemy I zuvor – wortwörtlich „ins rechte Licht gerückt“ wurde. Dabei kamen auch der im Mai zur Band gestoßene Livedrummer Hendrik Thiesbrummel (bekannt durch seine Schlagzeugaktivität bei u.a. Kingdom Come, Stormwarrior oder Xandria) und die weiteren Musiker gut zur Geltung, die sich in die ansonsten von Frontmann Jürgen Engler dominierte Show immer mal wieder gelungen einbrachten.

Eine Die Krupps-Performance wäre jedoch nicht eine authentische Die Krupps-Performance, wenn nicht auch das eigens von Jürgen Engler gebaute und gespielte Stahlophon zum Einsatz kommen würde, und so konnten die Zuschauer Engler immer mal wieder beim Schlagen auf Stahlrohre unterschiedlichen Durchmessers mit Eisenstäben beobachten, was den Songs Akzente verlieh und für das etwas andere Industrial-Feeling sorgte.

Während die Supportband dieses Jahr noch einige Gigs anstehen hat, beendeten Die Krupps mit dem Titel „Bloodsuckers“ ihre letzte 2016er Show in Europa. Ein Blick in die zufriedenen, freudestrahlenden (und teilweise auch schweißbenetzten) Gesichter der Zuschauer kündete davon, dass sie dies sehr erfolgreich taten.

Galerie: DIE KRUPPS (Photos by Silverangel Photography)

(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Volles Haus, super Stimmung, zwei mitreißende, spielfreudige Bands, die sich auch nach ihren Konzerten sehr fannah gaben, und das alles in einer gut organisierten Kulisse mit perfekten Licht- und Tonverhältnissen, die sowohl Support als auch Mainact gelungen in Szene gesetzt haben – so lautet die Bilanz des Abends, mit dem der Nuke Club nicht nur ein erinnerungswürdiges Konzertdebüt präsentiert hat, sondern auch die Tradition des K17 scheinbar solide fortsetzen wird.

Die Krupps

Industrie-Musik, pre-EBM, EBM, Industrial, Industrial-Metal, Metal Machine Music

Line-up (inkl. Livemusiker):
Jürgen Engler
Ralf Dörper
Marcel Zürcher
Hendrik Thiesbrummel
Nils Finkeisen
Chris Lietz

Die Krupps – Homepage
Die Krupps – Facebook
Die Krupps – Twitter

Enemy I

Industrial / Dark Metal

Line-up:
Rob DeVille – Vocals/Songwriting
Alex Swienty – Drums
Marco – Guitar
Jay Dude – Guitar
Arthur Antagonist – Bass

Enemy I – Homepage
Enemy I – Facebook

Details

Datum: 02.09.2016
Location: Nuke Club, Berlin
Eintrittspreis: VVK 24 Euro (zzgl. Gebühren) / AK 29 Euro

Copyright Artikelbild: Nuke Club
Copyright Konzertfotos: Silverangel Photography



Über den Autor

Conny
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"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde




 
 

 

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