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Berichte

12. Mai 2015

Bericht: Thy Art is Murder – The Australian Takeover Tour 2015 (Leipzig, 10.05.2015)

Das 4rooms in Leipzig lud am 10.05.2015 zum gemeinsamen Abfeiern ein. Mit von der Partie: ein Hammer-Line-up.
Vier Bands aus Australien verschlug es auf die Bühne. Thy Art is Murder waren so oder so vor Ort, da sie derzeit im Rahmen der Impericon-Tour unterwegs sind. Der Rest, darunter Feed Her To The Sharks, Aversions Crown und Earth Rot, hat einiges auf sich genommen, um diese Show möglich zu machen. Da war es natürlich Pflicht, diesen Termin an einem Sonntagabend wahrzunehmen.

Das 4rooms macht sich mittlerweile wirklich. Viele verschiedene Bands und auch Musikstile finden dort Platz, um sich auszudrücken, und das ist, bei der sterbenden Clubkultur, fast ehrenhaft.

Um 19:00 Uhr öffneten sich die Türen, sodass es um 20:00 Uhr auch schon pünktlich mit der ersten Band losgehen konnte. Noch kurz eine Afri Cola bestellt und ab in den kleinen Konzertraum.

earth-rot-logo

Den Anfang machten Earth Rot. Die Jungs aus Perth spielen einen Mix aus derbem Sludge und Black Metal. Die Mixtur klingt total merkwürdig und im ersten Moment auch kein Stück passend, aber als Opener des Abends rissen sie die Bude jedoch ordentlich ab.
Oftmals ist die erste Band verhalten und man tastet sich langsam heran. Nicht so Earth Rot. Die Bühne gehörte ihnen; in bester Warbringer-Thrash-Manier legten die Jungs los und bewegten das Publikum sofort zum Headbangen.

Der Sound war gewaltig und groovy. Fronter Jared hat ein ordentliches Organ und ist einfach eine coole Sau.
Bei dem Line-up ging man eigentlich von Freizeit-Boxern aus, die den Saal in einen Halbkreis verwandeln. Dem war nicht so, denn bei Earth Rot standen die langhaarigen Bombenleger im Vordergrund und das war ein gutes Gefühl.

Immer wieder machte der Sänger klar, wie froh sie sind, eine Tour in Deutschland zu spielen. Ohne Label oder jemanden im Rücken, der etwas Geld reinspielt, ist das auch wirklich ein Unterfangen für eine Band, die alles in Eigenregie laufen lässt. Respekt!

Ach, und wer zur Hälfte des Sets an Vitaminmangel litt, konnte sich von Earth Rot Orangenstückchen abholen, ihr Markenzeichen für mehr Energie.

Grandiose Band, die es zu supporten gilt!

feed-her-to-the-shark-logo

Der Nacken war nun schon gut massiert, da musste erst mal ein kaltes Getränk her. In der Zwischenzeit bauten schon die Jungs von Feed Her To The Sharks ihr Set auf. Und was darauf folgte, war dann schon eher das, was man an diesem Abend erwartet hat: Ein Metalcore-/Deathcore-Mix mit Elektroklängen und fiesen Breakdowns.
Der Masse gefiel es, da jetzt auch die kurze Hosen und Tank Top Dudes aus ihren Löchern kamen.

Zwischen Cleangesang und Growls wurde alles geboten. Der Drummer ist ziemlich fähig und riss mit seinen Blasts die ganze Hütte nieder.
Leider wirkte der Sänger etwas schwachbrüstig. Zwischen Trigger und tiefen Gitarren ging er deutlich unter. Nichtsdestotrotz war die Performance solide und die Fans gingen mit und feierten ihre Helden. Verständlich, die Breakdowns waren groovig und mitreißend.

Wir befanden uns hier in Gefilden von As I Lay Dying und Killswitch Engage, doch insgesamt kamen Feed Her To The Sharks nicht ganz an die Qualität der Großen heran. Man muss ihnen aber zugutehalten, dass sie direkt mal den ersten Circle Pit sowie die erste Wall of Death in einem kleinen Club wie dem 4rooms gestartet haben. Wahnsinn!

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Der Kopf dröhnte schon und ich merkte, dass ich alt bin, denn während das Jungvolk noch voll auf Party getrimmt war, wollte ich nur noch ins Bett. Aber nix da, die Bands werden sich angeschaut! Gute Entscheidung, denn mit der nächsten Truppe und ihrer Musik hätte ich nicht gerechnet. Ich ging wieder von Metalcore mit schönem Cleangesang und viel Emotionen aus. Pustekuchen, Aversions Crown drückten uns ihre Faust aber mal so was von ins Gesicht.

Die Australier sind frisch unter Vertrag bei Nuclear Blast und machen auf dicke Hose. Zu Recht, ihr brutalo Deathcore mit 8-Saiter Gitarren und Oceano Gesang geht gut rein und ist frisch. Dazu kommen coole Komponenten: die Atmosphäre sowie der Horror. Viele Stücke wirken, als wären sie Horrorfilmen entnommen. Live klang das aber nicht schlecht, sondern – im Gegenteil – ziemlich gut. Die Breakdowns mit dissonanter Untermalung fielen so dermaßen fies aus, dass man sich darin verlieren konnte, um mit geschlossenen Augen in einer Art Trance zu verweilen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Band so umhaut.

Zwei Dinge waren allerdings etwas nervig: Zum einen hat der Sänger ziemlich penetrant darauf hingewiesen, dass man doch jetzt bitte Spaß zu haben hat, da sie ja den ewig langen Weg zu uns auf sich genommen haben. Zum anderen war der Drummer zwar schnell und „tight as fuck“, dennoch zugleich leise. Die Trigger Bass hat den Kopf vibrieren lassen, doch die Toms samt Snare habe ich teilweise nur erahnt. Nichtsdestotrotz haben die Jungs Stimmung gemacht und waren definitiv einen Blick wert.

thy-art-is-murder-logo

Da war doch noch was!? Thy Art is Murder luden ein, mit ihnen den Abend ausklingen zu lassen. Und wie sie ihn ausklingen ließen.

Anfangs war noch viel Gewirbel auf der Bühne zu vernehmen. Sänger CJ kam mit Kapuze auf die Bühne und machte einen auf wahnsinnig. Die Augen waren weiß, er ließ uns wissen, dass er einen totalen Dachschaden hat. Als das Intro stoppte, zeigte uns die Band, was sie kann.

Ihr Stil ist heftig, brutal und verlangt alles ab. Mein Kopf begann instant zu kreisen. Zwar wirkten Thy Art is Murder auf der Bühne eher abgeklärt, trotzdem zeigten sie, dass sie in Deutschland gerne spielen. Mit gelegentlichen deutschen Kommentaren à la „Guten Abend“ und einer Fäkalsprache, die sowieso immer geht, heizten sie die Menge richtig an und nahmen den Laden auseinander.

Der beste Kommentar des Abends kam ebenfalls vom Sänger: „Mir geht es gerade nicht so gut, aber ihr habt nun mal für die Show bezahlt und wir müssen für euch spielen“. Richtig, so läuft das.
Und so hauten die gespielten Breakdowns einen einfach nur um. Man verlor sich regelrecht in ihnen, denn es herrschte eine Art Traumatmosphäre. Natürlich nur beim aktuellen Material. Mit dem alten Material wie den Klassikern „Decrepit Purification“ oder „Whore To A Chainsaw“ rissen sie die Menge ordentlich mit und einmal mehr öffnete sich der Pit.

Was mich allerdings sehr wunderte, war der große Andrang Langhaariger. Versteht mich nicht falsch, das fand ich sogar gut, denn so entstand eine Koexistenz, die ziemlich viel Spaß gemacht hat. Keiner fühlte sich fehl am Platz, sondern man bangte und violent dancte zusammen. Das war einfach nur klasse.

Gegen 23:30 Uhr war dann Feierabend und ich fuhr mit einem wohligen Gefühl und dem Gedanken nach Hause, dass ich in vier Stunden schon wieder aufstehen durfte …

 



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Marcus
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