Review

In einer einzigen Rezension ein Spiel zu bewerten, das – je nach Spielstil – 60 bis 120 Stunden vor einem kleinen Bildschirm fesselt, ist sicherlich eine Herausforderung. Ebenso herausfordernd ist es allerdings, erst einmal so ein Spiel zu konzipieren.

Glaubt man den Stimmen im Internet (und meiner eigenen Spielerfahrung), hat es Nintendo mit „Xenoblade Chronicles 3D“ geschafft, solch ein Monstrum für den New Nintendo 3DS aufzulegen. Allerdings spricht „viel“ noch nicht zwangsläufig für „gut“ – was erwartet den Spieler also tatsächlich?

Zunächst sei erwähnt, dass es sich bei diesem Handheld-Titel um eine Neuauflage handelt. Bereits 2011 erschien „Xenoblade Chronicles“ für die Wii (und Ende letzten Jahres erschien dann auf der Wii U die Fortsetzung „Xenoblade Chronicles X“). Die Portierung von Konsole auf Handheld birgt dabei einige Stolpersteine, der vielleicht größte liegt in der Optik: Zugegeben, in vielen Punkten kann der New 3DS tatsächlich (und erschreckenderweise?) mit der überholten Wii mithalten, allerdings bleiben sowohl Figuren als auch Charaktere in beiden Formaten eher abstrakt. Außerdem lassen sich die weitläufigen Welten und Landschaften, die epochalen Kämpfe und die bunten Effekte auf einem größeren Bildschirm garantiert mehr genießen. Dafür lässt sich das Spiel nun auch in drei Dimensionen spielen – Schachmatt also an dieser Stelle.

Story und Figuren

Nachdem nun geklärt ist, dass es die New 3DS-Variante grundsätzlich mit dem Vorgänger aufnehmen kann, wird es dringend Zeit für einen Blick auf die Handlung. Im Spiel erlebt der Spieler zunächst einen Kampf, den eine menschliche Armee gegen Maschinenwesen führt. Als wirksamste Waffe in diesem Krieg erweist sich das Schwert namens „Monado“, das von einer mysteriösen Kraft durchströmt wird. Es wird weiterhin erläutert, dass der Kampf und die gesamte restliche Welt auf zwei leblosen Göttern angesiedelt sind. Diese zwei, ebenfalls Lebewesen und Maschine, begannen einst den Kampf zwischen den verfeindeten Kulturen.

Umfangreiche Auswahl an Charakteren. (Copyright: Nintendo)

Umfangreiche Auswahl an Charakteren. (Copyright: Nintendo)

Anschließend geht es erst mal in die beschauliche Kolonie 9, in welcher der junge Forscher Shulk dem Monado, mit dem ihn eine eigentümliche Vergangenheit verbindet, seine Geheimnisse entlocken will. Als die Kolonie jedoch plötzlich von Mechons, den metallenen Feinden aller menschenähnlichen Homs, angegriffen wird, führt Shulk das Monado, um seine Freundin Fiora zu retten. Leider erfolglos … und so beschließt er mit seinem besten Freund Reyn, den Bösewichten den Kampf anzusagen. Für die zwei beginnt eine abenteuerliche Reise.

Da allerdings zwei Personen für ein Rollenspiel eine dürftige Besetzung wären, gesellen sich nach und nach weitere, ganz verschiedene Charaktere zu dieser Party. Am Ende kann der Spieler insgesamt 7 verschiedene Figuren wählen, die alle unterschiedliche Fertigkeiten besitzen. Allerdings sind hier die Berufe fest vergeben, auch mit den Skills kann man daran wenig drehen, da diese automatisch mit dem Levelup aktiviert werden. Allerdings lassen sich mit dem Verbessern der einzelnen Fähigkeiten noch kleine Akzente setzen.

Fähigkeiten, Kampf und Harmoniepunkte

Damit ist das Skill- und Fortentwicklungssystem zunächst nicht besonders breit gefächert. Daran kann auch die Möglichkeit, durch die Verbesserung von Harmoniepunkten von anderen Charakteren Eigenschaften zu übernehmen, nur bedingt etwas ändern, denn zum einen handelt es sich dabei um sehr allgemeine Attribute, zum anderen lassen sich diese Verbesserungen auch nicht wirklich leicht erreichen. Dabei ist das Prinzip so simpel: Man erreicht mit seinem Team einen besonderen Ort, der durch ein Symbol anzeigt, das hier mit zwei Charakteren ein Harmoniegespräch geführt werden kann. „A drücken, Video angucken“ ist hier allerdings nicht die Devise, denn man muss ziemlich genau den richtigen Zeitpunkt, das richtige Team und die richtige Harmoniestufe (ja, richtig gehört!) abpassen. Beim ersten Passieren lassen sich daher die wenigsten Harmoniepunkte „einfach so“ einsammeln. Aber auch durch gemeinsam erledigte Quests und im Kampf kann man dafür sorgen, dass sein Team sich gut leiden kann.

Allerdings – dafür muss man während der Kämpfe erst mal Zeit finden! Denn obwohl „Xenoblade Chronicles“ in einigen Punkten mit einem durchaus komfortablen Kampfsystem ausgestattet ist (kaum Zufallskämpfe, kein Einsatz von Items, kein Waffenwechsel, nur ein zu steuernder Charakter, kein Charakterwechsel), ist die Mischung aus aktiven und passiven Kampfanteilen sowie gelegentlichen Strategieelementen äußerst gewöhnungsbedürftig (für RPG-Fans). Wenn eine dem Spieler ebenbürtige Monstergruppe keinen Kampf initiiert, was de facto umgangen werden kann, wenn man sich an den Viehchern vorbei schleicht, besitzt der Spieler immer die Möglichkeit, durch Angriffe ein Battle zu starten. Sodann übernehmen der oder die Begleiter ihre Aufgaben. Nur der Protagonist behält volle Beweglichkeit, die der Spieler auch tunlichst ausnutzen sollte, um Attacken optimal zu platzieren oder um Angreifern halbwegs auszuweichen. Während man also um ein bis viele Gegner herumspringt, muss man nebenbei noch zwischen sechs Skills und mehren Monado-Modi wechseln, auf seine Kumpane aufpassen – dazu zählt warnen, heilen, aufmuntern oder zur Flucht animieren -, durch strategische Attacken die Leiste für gemeinsame Aktionen füllen und im besten Fall auch noch Schaden austeilen. Wer hier rundenbasierte, fast schon gemütliche Battles à la Final Fantasy gewöhnt ist, muss sich ganz schön umgewöhnen.

Quests, Items und Gameplay

Optik und Kampfmechanik bilden ganz elementare Punkte, wenn es darum geht, ob ein Spiel Spaß macht oder ganz schnell in der Ecke landet. Unterm Strich bietet „Xenoblade Chronicles 3D“ beide Bereiche solide an, besitzt allerdings auch die eine oder andere Schwäche.

Wo die Macher des Spiels auf keinen Fall geschwächelt haben, ist das Item- und Questangebot. Von beidem gibt es unwahrscheinlich viele.

Multitaskingfähigkeiten der Spieler sind in den Kämpfen von "Xenoblade Chronicles 3D" nicht von Nachteil. (Copyright: Nintendo)

Multitaskingfähigkeiten der Spieler sind in den Kämpfen von „Xenoblade Chronicles 3D“ nicht von Nachteil. (Copyright: Nintendo)

Zunächst erhält der Spieler wahnsinnig viele Items, die er zudem „registrieren“ kann, wodurch er weitere Items erhält. Außerdem gibt es sehr viele wirklich nützliche Dinge zu finden (und zu kaufen), wie eine große Auswahl an Waffen und Rüstungen. (Ein nettes Detail ist, dass auch in Cutszenes die zusammengestellten Rüstungsteile an den Charakteren zu sehen bleiben.) Aber – und das ist wieder eine kleine Schwäche – man benötigt auch verdammt viele kleine dusselige Dinge für kleine anstrengende Quests. „Finde 10 Wasserkartoffeln!„, „Bringe mir 3 Truthasen!„, „Suche Opa Bodo!“ – zugegeben, nicht alle Nebenquests strotzen vor Kreativität. Allerdings muss man sie ja nicht alle machen, und wenn man es wirklich ernst meint, kann man hier mit viel Sammeleifer alle nützlichen und unnützen Dinge zusammentragen, die diese Welt zu bieten hat. Wenn dann das Questlog noch ein bisschen praktischer aufgebaut wäre – die Standardeinstellung ist, dass man stets alle Quests sieht, auch solche, die bereits erledigt sind und Veränderungen dieser Anzeige nicht gespeichert bleiben -, ließen sich diese kleinen Nebenquests sicherlich besser bewältigen.

Nützlich wäre dafür auch eine Verbindung von Kartenmaterial und Questlog, aber der Karte lassen sich keine solcher Informationen entnehmen. Enthalten sind lediglich die Reisepunkte, die allerdings wieder sehr praktisch sind. Insgesamt wirkt aber gerade das Kartensystem auf dem 3DS etwas unhandlich. Hier hätte man beispielsweise sehr gut mit den Touchdisplays arbeiten könnten, um so dem Spieler etwas mehr Komfort zu bieten.

Unterm Strich

Zählt man nun diese einzelnen Punkte zusammen, denen sicherlich noch viele weitere hinzugefügt werden können, ergibt sich ein im Grunde positives Bild. Die Welt, die hier geschaffen wurde, sowie die herzigen Protagonisten schaffen es trotz der englischen Sprachausgabe, eine Verbindung zum Spieler aufzubauen. Die Vielfältigkeit der Möglichkeiten erlaubt es zudem trotz der eher linearen Story so viel Abwechslung unterzubringen, wie individuell benötigt wird. Oh, und man kann springen! Was möchte das RPG-Herz mehr?

Trailer

Beschreibung

Im umfangreichen RPG-Abenteuer Xenoblade Chronicles 3D – exklusiv für New Nintendo 3DS und New Nintendo 3DS XL – ist die Action so groß wie die unendlichen Weiten des Landes. Deine heldenhafte Aufgabe besteht darin, das Böse zu bekämpfen.

Nach einem verheerenden Angriff auf deine Heimatwelt schöpfst du neue Hoffnung und machst dich auf eine Reise im Zeichen der Rache, die dich über den Horizont hinaus in wundersame Länder führen wird. Dort warten Schätze und Gefahren auf dich. Du wirst alten Feinden begegnen, neue Freunde finden und dich deinem Schicksal stellen müssen. Kannst du den Lauf der Zeit aufhalten und die Zukunft verändern, oder ist deine gesamte Art dem Untergang geweiht? Dein Abenteuer beginnt mit einer Vision …

(Quelle: Nintendo)

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Details

Hersteller: Nintendo
Sprache: Deutsch
Schwierigkeit: Mittel bis schwer
Freigabe: USK 12
Anzahl Spieler: Einzelspieler
Vö-Datum: 2.4.2015
Homepage Hersteller: Nintendo

Copyright Cover: Nintendo



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer