Review

Es war einmal ein Spieleautor, der hieß Daniel Fehr. Gemeinsam mit dem Illustrator Felix Mertikat (u.a. bekannt für seine Comic-Reihe „Steam Noir“ oder die Spiele „Opus Anima“ und „Tsukuyumi“) mischte er die Karten über die Märchen und Legenden von Rotkäppchen, Robin Hood, König Artus und Dracula neu und legte ihr Schicksal in die Hände aller Freunde von Denk- und Logikspielen.

Glücklich bis ans Lebensende? Nur, wenn 2-4 Spieler den bekannten und beliebten Protagonisten im Legespiel „Woodlands“ den richtigen Weg weisen.
Entkommt Rotkäppchen also dem bösen Wolf? Bleibt Robin Hood auf freiem Fuß? Findet König Artus sein Schwert? Und gelingt es Jonathan Harker, dem blutsaugenden Dracula den Garaus zu machen?

„Woodlands“ versetzt die Spieler in die Welt dieser Märchen und Legenden. In jeder der vier Geschichten gilt es, mindestens 4, teilweise 5 Kapitel zu meistern, indem Wege anhand einer vorgegebenen Folie durch einen verwunschenen Wald gelegt und Aufgaben dabei erfüllt werden müssen. Die Kapitel repräsentieren gleichzeitig die Anzahl der Spielrunden pro Geschichte. Der Spielablauf selbst erfolgt immer nach dem Schema „Geschichte lesen“, „Landschaft legen“ und „auswerten“.

Die Anleitung zu „Woodlands“, im mitgelierferten A4-Heft zu finden, ist sowohl den Umfang als auch die Erklärungen betreffend gut verständlich und übersichtlich.
Zudem befindet sich eine Kurzzusammenfassung in Legendenform auf jeder Folie. Somit bleibt der Überblick über die jeweiligen Aufgabenstellungen sowie über die anschließende Punktevergabe durch die eindeutigen Symbolgrafiken am Folienrand stets bewahrt.

Was sich jedoch so leicht anhört, erfordert ein hohes Maß an Konzentration. „Woodlands“ stellt somit die Konzentration der Spieler immer vor den Spielspaß, der letztlich jedoch auch nicht auf der Strecke bleibt. Eine Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Spieler eine Affinität zu Logik- und Denkspielen mitbringen sollten.
Entsprechend optimistisch ist die Altersempfehlung ab 10 Jahren angesetzt. Gerade bei Kindern könnte der Frustfaktor schnell sehr hoch werden. „Woodlands“ sehen wir somit – trotz variabler Schwierigkeitsgrade – eher an die Zielgruppe der Erwachsenen gerichtet.

Wer sich letztlich auch immer an „Woodlands“ versucht, dem sei der Hinweis erlaubt, dass das Spiel sehr gut zu zweit zu bewältigen ist. Der Spielausgang bleibt dabei deshalb schon lange spannend, da das Spiel mittels einer Sanduhr nicht nur zeitlich begrenzt ist, sondern dem Führenden zusätzliche Aufgaben aufgebürdet werden. Das stellt eine Ausgeglichenheit her und hält die Gewinnoptionen für jeden Spieler offen.
Um alle sich bietenden Möglichkeiten jedoch auszuschöpfen, sind drei bis vier Spieler allerdings ratsamer. Dies macht das Spielgeschehen zudem noch um einiges interessanter.
Denn gerade die sogenannten „Schatzkarten“, ein zusätzliches Spielelement, das den Spielausgang mitsteuern kann, gehen im 2-Spieler-Modus zu sehr unter. Je mehr Mitspieler, desto größer fallen auch die Auswirkungen dieser Karten aus. Sofern man dann noch die „Meisterfolien“ (2 an der Zahl) in das Spielgeschehen integriert, eine Option, um den Schwierigkeitsgrad abermals zu steigern, wirken die „Schatzkarten“ schon gar nicht mehr entbehrlich.

Verbesserungswürdig wäre jedoch eventuell die Höhe der unterschiedlichen „Belohnungen“ für bewältigte Aufgaben. So zählt beispielsweise ein gesammelter Edelstein 1 Punkt, während ein ganzes Set aus vier unterschiedlich farbigen Edelsteinen ebenfalls nur 1 Punkt ergibt. Hätte man diese Belohnungen höherwertig und auch in ihrer Gewichtung unterschiedlich angesetzt, wäre der Reiz noch größer, alle Aufgaben zu lösen. So nehmen insbesondere Taktiker eine ungelöste Aufgabe eher in Kauf, um an anderer Stelle (mehr) Punkte zu erzielen.

Abgesehen von dieser kleinen Kritik überzeugt „Woodlands“ auch optisch. Felix Mertikat verpasst dem Spiel einen passenden und ansprechenden Anstrich, der weder zu kindlich noch zu detailarm ausfällt.
Ebenso kann die Qualität des Spielmaterials einem häufigen Gebrauch solide standhalten.

Einblick in das Spielmaterial von „Woodlands“ (Copyright: Ravensburger)

Jenes erscheint – angesichts der überschaubaren Spielaktivität – sehr umfangreich. Nichtsdestotrotz benötigt man zusätzlich noch einen Stift und Papier, um die Spielergebnisse zu notieren. Eine Punktetabelle liefert Ravensburger als (Kopier)vorlage im Beiheft mit. All jene, die es lieber „interaktiver“ mögen, können sich die App „Ravensburger Game Companion“ kostenlos für das Smartphone herunterladen; in dieser kann die Zeit gestoppt sowie die Punkte eingetragen werden, noch dazu liefert sie sogar passende Hintergrundmusik für das Spiel.

Ein weiterer großer Pluspunkt von „Woodlands“ zeigt sich schließlich noch in dem denkbaren Vorteil, das Spiel in Zukunft durch weitere Foliengeschichten zu erweitern. So ist nicht nur die Umsetzung anderer Märchen, Sagen und Legenden im Rahmen dieses Spielprinzips möglich, auch Lizenzthemen wie beispielsweise „Fluch der Karibik“ könnten als „Special Edition“ mit „Woodlands“ spielbar sein. Diesbezüglich bleibt zu hoffen, dass das Spiel auf ausreichend großes Interesse bei allen Knobel-Freunden stößt, sodass in Zukunft noch zusätzliche Ausgaben und/oder Erweiterungen folgen mögen.

Unabhängig davon bereitet „Woodlands“ in seiner jetzigen Form bereits derart viel Spaß, dass dem Spiel eine Langzeitmotivation nicht abzusprechen ist. Geschuldet ist dies vor allem den steigerbaren und diversen Schwierigkeitsgraden, den unterschiedlichen vier Geschichten inklusive ihrer Hauptfiguren sowie der großen Auswahl an Spielvariationen.

Alles in allem ist „Woodlands“ daher ein anspruchsvolles Legespiel mit Trainings- und Lerneffekt in „fabelhaften“ Settings.

Video

Spielinfo

Das fabelhafte Legespiel für wahre Helden und solche, die es werden wollen

Vier spannende Geschichten entführen die Spieler in die wunderbare Welt der Sagen und Legenden. Die Spieler müssen König Artus helfen, sein Schwert zu finden, indem sie eine Landschaft aus Wald und Wegen legen. Sie müssen Dracula entkommen und dabei schneller und cleverer als die Mitspieler sein!
In diesem außergewöhnlichen Legespiel erschaffen 2 bis 4 Spieler möglichst schnell eine Landschaft aus ihren Wald- und Wegekarten. Eine bedruckte Klarsichtfolie wird anschließend oben auf die Landschaft gelegt und zeigt, welche Aufgaben die Spieler erfüllen können. So darf Rotkäppchen nur über Wege zur Großmutter gelangen, Robin Hood hingegen nur durch den Wald schleichen.
20 Folien erzählen Kapitel für Kapitel die vier enthaltenen Geschichten nach. In jedem Kapitel gilt es neue Aufgaben zu meistern. Dafür sind ein gutes Auge und räumliches Vorstellungsvermögen gefragt. Ist der böse Wolf im Wald versteckt? Kann König Artus sein Schwert erreichen und dabei möglichst viele Edelsteine einsammeln? Die Spieler haben das Schicksal der Helden selbst in der Hand.
Für noch mehr Abwechslung sorgen die kniffligen Rückseiten der Wegekarten und die Meisterfolien. So lassen sich alle Geschichten immer wieder neu erleben.

(Quelle: Ravensburger)

Spielmaterial

20 bedruckte Folien
1 Folienunterlage
4 Spielertafeln
52 Wegekarten
4 Spielfiguren mit Aufstellfüßen
1 Sanduhr
24 Schatzkarten
22 Schlüsselplättchen
37 bunte Edelsteine

Details

Hersteller: Ravensburger
Sprache: Deutsch
Freigabe: Empfohlen ab 10 Jahren
Anzahl Spieler: 2-4
Spieldauer: 20-40 Min.
Vö-Datum: 2017
Homepage Hersteller: Ravensburger

Copyright Cover: Ravensburger



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde