Review

Wenn das Bedürfnis nach knuffigen, liebenswerten Figuren, humorvollen Inhalten und abwechslungsreichem, buntem Adventure-Spaß gestillt werden möchte, dann ist es an der Zeit, ein neues Kapitel von „The Book of Unwritten Tales“ aufzuschlagen.

Der erste Teil dieses klassischen Point-and-Click-Adventures mit parodistischen Zügen wurde 2009 von der Zockergemeinde äußerst positiv aufgenommen, doch auf eine Fortsetzung musste bis jetzt gewartet werden. Zwar überbrückte Entwickler King Art diese Zeit mit der Veröffentlichung der Vorgeschichte „The Book of Unwritten Tales: Die Vieh Chroniken“ 2011, der Neugier und der Erwartung auf einen direkten Nachfolger wurden jedoch erst in diesem Jahr ein Ende gesetzt. Jetzt ist „The Book of Unwritten Tales 2“ auf dem Markt und man kann nur sagen: das Warten hat sich gelohnt. Also auf nach Aventásien!

Grafisch überzeugend! Detailreichtum und Professionalität waren hier federführend.  (Copyright: King Art)

Grafisch überzeugend! Detailreichtum und Professionalität waren hier federführend. (Copyright: King Art)

Für eure Abenteuerreise solltet ihr Maus und Tastatur ebenso im Gepäck haben wie Zeit und Ausdauer, denn geballte 20 Stunden Spielzeit werden euch in Beschlag nehmen. Diese beginnen auch schon, nachdem der umfangreiche, aber komplikationslose Installationsprozess und das interaktive Tutorial abgeschlossen sind.

Galt es bisher, zudem die Lachmuskeln gut trainiert zu haben, müsst ihr euch über diesbezüglichen Muskelkater keine allzu großen Sorgen machen. Obwohl auf den Charme, die Selbstironie, den parodistischen Charakter und den ganz eigenen Humor eines typischen „Book of Unwritten Tales“-Spiels nicht verzichtet werden muss, halten sich die Gags und Lacher – ausschließlich in Anbetracht der Dialoglastigkeit des zweiten Teils – in Grenzen. Hier hätte es gerne noch mehr sein dürfen.

Uninteressant sind die hohen Sprachanteile des Adventures allerdings auch dann nicht, wenn es mal nichts zu lachen gibt, liefern sie doch in bester Sprachausgabenqualität und mit abermals perfekt besetzten Sprechern ab und zu den einen oder anderen Hinweis, um die Handlung voranzutreiben und die zahlreichen Rätsel lösen zu können.
Diese variieren nicht nur im Schwierigkeitsgrad, sodass auch Casual-Gamer ihr Zockerglück probieren können, sondern fordern neben dem logischen Denken – wie für das Genre üblich – Kombinationsgeschick, Geduld zum Ausprobieren und die Muße, nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen, wenn es mal etwas kniffliger wird. Hotspotanzeigen können in diesem Fall ebenso weiterhelfen wie Querdenken, ein Blick ins Inventar oder ein erneutes Gespräch mit den schön anzusehenden Nebenfiguren.

Apropos Figuren: Als Spieler ist man nicht nur an einen festen Charakter gebunden, vielmehr steuert man die verschiedenen Hauptfiguren, darunter Elfenprinzessin Ivo, Gnom-Magier Wilbur Wetterquarz, Kapitän Nate Bonnet und natürlich sein Vieh. Das bringt Abwechslung in „The Book of Unwritten Tales 2“, die zudem mit Schauplatzwechseln einhergeht.

Grafisch wurde das Ganze bunt, detailreich und selbst auf höchster Stufe ohne technische Schwächen umgesetzt. Neben den Atmosphäre schaffenden Licht- und Schatteneffekten sind es vor allem die kleinen liebevollen Details im Hintergrund, welche die Liebe der Entwickler zur „Book of Unwritten Tales“-Reihe widerspiegeln. Schön fürs Auge, gut für die Wiederspielbarkeit des Adventures, denn auch bei einem weiteren Durchgang von „The Book of Unwritten Tales 2“ gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken, was einem vielleicht auf Anhieb gar nicht aufgefallen ist.

Auch die Bildschirmaufteilung fällt sehr übersichtlich aus. Spiel- und Speicheroptionen, Inventar und die zu spielenden Charaktere-Buttons befinden sich jeweils am Bildschirmrand und nehmen dem Spieler nichts von der Sicht auf das je aktuelle Szenario.

Kapitän Nate Bonnet und sein schmollender Flaschengeist. Es ist an Euch, ihn aus dieser misslichen Lage zu befreien. (Copyright: King Art)

Kapitän Nate Bonnet und sein schmollender Flaschengeist. Es ist an Euch, ihn aus dieser misslichen Lage zu befreien. (Copyright: King Art)

Während wir „The Book of Unwritten Tales 2“ in der Rolle des Nate Bonnet beginnen, der sich – wie kann es anders sein – bereits in den ersten Sekunden in Lebensgefahr befindet und auch von seinem Flaschengeist keine Hilfe zu erwarten hat, freundet man sich mit der Spielweise langsam, aber effektiv an. Insbesondere für Gelegenheitszocker ist dies sehr positiv. Erfahrene Point-and-Click-Abenteurer hingegen könnten die ersten Sequenzen noch recht ermüdend und langwierig finden.
Daran ändert sich auch noch nichts, wenn wir im nächsten Kapitel in die Rolle von Ivo schlüpfen. Klassische Aufgaben und Rätsel sind zu lösen, indem wir Zutaten sammeln müssen, Items kombinieren, Gespräche führen und das Inventar mit brauchbaren Gegenständen füllen sollen.
Allerdings erfahren wir hier schon eine Menge über die sich aufbauende Handlung von „The Book of Unwritten Tales 2“.

Unsere Protagonisten hat es in verschiedene Gegenden verschlagen, während sich erneut eine Bedrohung ankündigt. Wird man den Erwartungen gerecht? Müssen unsere Helden im Verlauf von „The Book of Unwritten Tales 2“ gegen mächtige Gegner bestehen, die fantasytauglich dunkel, grausam und monströs ausfallen? Ja, naja, so ähnlich. Diesbezüglich wird uns natürlich eine typische „Book of Unwritten Tales“-Variante mit einer Extraportion Flausch geboten, denn die dunkle Macht ist rosa und verwandelt mächtige Kreaturen in niedliche Plüschwelpen und Burgen in übergroße Puppenhäuser.

Bevor wir uns der rosa Bedrohung stellen, übernehmen wir nach Nate und Ivo aber zunächst noch die Steuerung von Wilbur Wetterquarz, der sich derzeit als Lehrer in der „Schule für Zauberei und Hexerei“ (Sidekick entdeckt?) befindet.
Ab sofort können auch die eingefleischten Adventure-Fans loslegen, denn sobald wir als Wilbur versuchen, die kleinen garstigen Schüler zu bändigen, nimmt die Geschichte an Fahrt auf und die Handlung wird komplexer. Damit wurde auch den Casual-Gamern genügend Zeit gegeben, sich mit der Spielhandhabung anzufreunden, die simple Steuerung ausreichend kennenzulernen und sich einen ersten Eindruck über Locations und Figuren zu machen. Dem Spielspaß steht nun nichts mehr im Weg.

Selbst im Hintergrund der einzelnen Szenen gibt es viele liebevolle und witzige Details zu entdecken. Der Bildschirm ist zudem sehr aufgeräumt. (Copyright: King Art)

Selbst im Hintergrund der einzelnen Szenen gibt es viele liebevolle und witzige Details zu entdecken. Der Bildschirm ist zudem sehr aufgeräumt. (Copyright: King Art)

Macht es aber auch Sinn, „The Book of Unwritten Tales 2“ nach erfolgreichem Beenden erneut durchzuspielen? Im Prinzip ja. Dafür sprechen auf jeden Fall die liebevoll und detailreich inszenierten Schauplätze, die – wie bereits erwähnt – immer Neues entdecken lassen; auch die humorvollen Sprüche und Gags werden wohl mit ein wenig Pause zwischen den Spieldurchgängen wieder zünden. Und letztlich wachsen einem die Figuren auch im zweiten Teil der Reihe dermaßen ans Herz, dass man sie noch einmal zum Leben erwecken möchte.

„The Book of Unwritten Tales 2“ ist damit ein Spiel, das auf ganzer Linie überzeugt, stellenweise jedoch die langen Sprachsequenzen mit noch mehr Witz hätte auflockern können. Wer bereits mit dem „Book of Unwritten Tales“-Universum vertraut ist, sollte kaum über einen Kauf nachdenken müssen, alle Adventure-Fans, die es gerne auch mal bunt, schräg und humorvoll angehen möchten, sei die Veröffentlichung ebenfalls mehr als empfohlen.

Trailer

Beschreibung

Einige Jahre sind ins Land gezogen, seit unsere Helden die Erzhexe Mortroga besiegten. Doch der Krieg Der Zwei Türme hat tiefe Wunden hinterlassen, die Rückkehr zur Normalität schreitet nur zäh voran, sowohl für unsere Helden, als auch die Völker Aventásiens.

Der Gnom Wilbur Wetterquarz hat es nicht leicht in seinem neuen Job an der wiedereröffneten Schule für Zauberei und Hexerei. Sein Zauberstab scheint ein Eigenleben zu entwickeln und ein Mordkomplott überschattet die ersten demokratischen Wahlen in Seefels.

Umgeben von politischen Intrigen, die den zerbrechlichen Frieden bedrohen, bräuchte Wilbur seine Gefährten mehr denn je. Doch die Elfenprinzessin Ivo und der Abenteurer Nate sind nach einem kurzen romantischen Intermezzo getrennte Wege gegangen.

Ivo kehrte zurück in den goldenen Käfig, das Elfenreich, stets überwacht von ihrer kontrollsüchtigen Mutter.

Nate und sein treuer Gefährte das Vieh wurden von seinem Erzfeind, dem Roten Piraten, auf dessen fliegender Insel gefangengenommen.

Doch das Schicksal ruht nicht. Eine dunkle Macht zieht über das Land. Schlimmer noch, eine rosa Macht, die mächtige Kreaturen in flauschige Plüschwelpen und hochragende Burgen in übergroße Puppenhäuser verwandelt. Jede Welt braucht Helden. Und die findet man oft, wo man sie nicht vermutet …

(Quelle: King Art Games)

The Book of Unwritten Tales – bei King Art
The Book of Unwritten Tales – Facebook

Systemanforderungen

Minimale Systemvoraussetzungen:
Betriebssystem: Windows XP SP3 / Vista / 7 / 8
Prozessor: 2.0 GHz CPU
Speicher: 2 GB RAM
Grafik: DirectX 9c kompatibel; Grafikkarte mit 512 MB RAM und PixelShader 3.0
DirectX: Version 9.0c
Festplatte: 13 GB freier Speicher
Soundkarte: DirectX 9.0c kompatibel

Details

Hersteller: King Art Games / Nordic Games
Sprache: Deutsch (Spiel) / Deutsch (Handbuch)
Freigabe: FSK 12 / Pegi 12
Anzahl Spieler: 1
Vö-Datum: 20.02.2015
Homepage Hersteller: King Art Games

Copyright Cover: King Art Games



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde