Review

Mafia I war im Jahr 2002 ein absoluter Hit. Kein Spiel hat die Stimmung des Mafia-Themas und die engstirnigen Charaktere so gut transportiert wie dieser Titel. Erzählerisch konnte Mafia I fesseln, während sich das Spielprinzip stark an die GTA-Reihe anlehnte, doch war es dabei deutlich ernster und tiefer. Nicht jede Mission verlief gut, man verlor lieb gewonnene Charaktere oder musste selbst schwere Entscheidungen treffen. Mafia II konnte zwar noch auf diesen Zug aufspringen, doch den Vibe der alten Schule vermittelte dieser Teil nicht. Nun soll Mafia III alles richten und die Fans wieder in die Welt der Drogen, der Gewalt und der Machtbesessenheit zurückholen. Protagonist Lincoln Clay hat dabei nicht nur wegen seiner Hautfarbe Probleme. Viele wollen ihm ans Leder. Wie schon der Duke aus Duke Nukem sagte: „Come Get Some!“

Story:

Lincoln Clay ist Afroamerikaner. Für den Spieler sollte das kein Problem darstellen, doch im Jahr 1968 hat man damit schwer zu kämpfen. Neben Waisenhaus, Kirche und Krieg hat er leider keine richtige Familie gefunden und sich so durchs Leben geschlagen. Nachdem er aus dem Vietnamkrieg zurück nach New Bordeaux (einer fiktiven Version von New Orleans) kommt, schließt er sich einer Organisation unter der Leitung von Sammy Robinson an. Er fühlt sich wohl, denn die Jungs arbeiten für die Marcano-Familie und können gut davon leben. Nach einem großen Deal platzt jedoch die ganze Chose und Lincoln samt Ersatzfamilie werden verraten.

Drogen, Waffen, Gewalt und Machtbesessenheit sind nur einige Aspekte, die Mafia III zu bieten hat. (Copyright: Hangar 13 / 2K Games)

Drogen, Waffen, Gewalt und Machtbesessenheit sind nur einige Aspekte, die Mafia III zu bieten hat. (Copyright: Hangar 13 / 2K Games)

Er überlebt das Attentat und schwört Rache. Und das nicht zu knapp, denn wie Lincoln vorgeht, ist wirklich brachial – aber dazu später mehr. Sein guter Freund John Donovan, seines Zeichens CIA-Agent, versorgt ihn mit Infos, um die ganze Marcano-Familie auszulöschen.

Die Story wird in Dokumentarmanier erzählt. Leute, die mit Lincoln zu tun hatten, werden interviewt bzw. sieht man den Prozess, der gegen John Donovan geführt wird, zwischendurch. Die Erzählweise liegt dabei in der Vergangenheit und ist mal etwas Neues. Spannend, wie dieser Vorgang voranschreitet.

Gameplay:

Hier bleibt alles beim Alten, nämlich bei der Third Person-Ansicht, wie man es von Open World-Spielen derzeit kennt.

Diverse Waffen aus der Zeit, in der Mafia III spielt, stehen bereit. Vom Messer bis zum Raketenwerfer hat man eine gute Auswahl, mit der die Feinde bezwungen werden können. Allerdings gibt es hier schon einen Haken: Der Spieler kann nur eine leichte und eine stärkere Waffe verwenden (beispielsweise eine Desert Eagle und ein M4 Sturmgewehr).

Die Steuerung geht dabei recht flüssig von der Hand, da sie sich an bekannte Standards hält. Etwas umständlich ist es jedoch, dass man zur Aktionsausführung die Taste immer eine gewisse Zeit halten muss, anstatt sie nur einmal zu drücken. Das nervt besonders beim Einsteigen in ein Fahrzeug oder beim Öffnen von Türen.

Apropos Fahrzeuge: Hier hat Hangar 13 ganze Arbeit geleistet. Vielleicht haben wir nicht unbedingt die Vielfalt wie in einem GTA V, dafür diverse alte Schlitten, die wirklich grandios aussehen.

Doch was ist nun eigentlich das Ziel von Lincoln Clay bzw. von uns als Spieler?
Zuerst beginnen wir, die ganze Stadt einzunehmen. Im Laufe der Story tun wir uns mit alten und neuen Freunden zusammen. Vito Scaletta, den die meisten aus Mafia II kennen, ist einer davon. Nachdem wir ein Gebiet erobert haben, können wir es einem unserer Partner zuweisen. Damit erhalten wir ein höheres Einkommen, die Person ist uns gegenüber noch positiver gestimmt und wir schalten damit weitere Perks frei, auf die wir später noch näher eingehen. Dies lässt uns einen Entscheidungsfreiraum, der jedoch größer aussieht, als er in Wirklichkeit ist.

Zusätzliche Taxi- oder Polizeimissionen sucht man vergebens. Ein paar „Klaue den LKW und bring mir die Waffen“-Nebenmissionen gibt es zwar, aber die werden viele schnell links liegen lassen. Wer gerne Dinge sammelt, kann Playboys und Plattencover aus den 60ern einsacken und sich diese in der Galerie anschauen. Andernfalls kann man sich beherzt auf die Hauptstory stürzen.

Leider zieht sich diese anfangs wie Kaugummi. Man wird von A nach B geschickt, um mit Person XY zu sprechen, denn die kennt wieder jemanden, der etwas mit Marcano zu tun hat. So schaltet man erst die Leutnants des Marcano-Clans aus, um dann die wirklich dicken Fische im Teich zu killen. Der Prozess dauert jedoch, wodurch die ersten 2/3 des Spiels in Gebietsgewinnung und -zuteilung enden. Zwar sind die Einzelstorys nett erzählt, aber wer in GTA San Andreas schon Gebiete einnehmen musste, der weiß, wovon ich rede. Mit jedem neuen Gebiet und der Zuteilung eines Mitspielers schalten wir aber immerhin weitere Perks frei, die wir im Laufe des Spiels verbessern.

Perks:

Immer auf der Hut, immer auf Missionen: Protagonist Lincoly Clay in Mafia III (Copyright: Hangar 13 / 2K Games)

Immer auf der Hut, immer auf Missionen: Protagonist Lincoly Clay in Mafia III (Copyright: Hangar 13 / 2K Games)

Da hätten wir Upgrades für die Fahrzeuge, wie schnelles Anfahren und höheres Endtempo, oder Waffenupgrades, die unser Magazin erweitern bzw. für mehr Durchschlagskraft sorgen. Bei unserem Waffenhändler auf vier Rädern können diese Perks gegen Geld freigeschaltet werden. Per Auswahlmenu rufen wir ihn zu uns und rüsten uns aus. Da wir nicht unbedingt mit Geld um uns schmeißen, sollte man hier jedoch immer etwas auf die Scheine achten.
Verbesserungen für Lincoln gibt es natürlich auch. Auch er wird widerstandsfähiger oder bekommt einen größeren Energiebalken.

Neben dem Waffenhändler gibt es auch noch Cassandra, die uns unser Geld abnimmt und es für uns verwahrt. Werdet ihr getötet, verliert ihr nämlich einen Teil der Summe in eurem Portemonnaie. Daher bietet es sich immer an, ihr die Kohle zu geben.

Alle Partner spendieren euch in ihren Vierteln zudem einen Trupp aus Mitgliedern, die für euch kämpfen. Das macht gerade in Infiltrationsmissionen viel Sinn, da die Gegner nicht ohne sind.

Habt ihr eine Mission abgeschlossen, kann euch euer freundlicher Autohändler ein Auto vorbeifahren lassen. Die Modelle hängen ebenfalls von den erwirtschafteten Gebieten ab. Das macht jedoch die Suche nach Fahrzeugen sinnlos, denn keiner klaut dann noch ein Auto in der Spielwelt.

Spielwelt:

Apropos Spielwelt, die ist wunderschön. Die Straßen sind amerikatypisch sehr breit und groß. Viele alte Schlitten schmücken die Stadt. Die einzelnen Gebiete verbinden Armenviertel, Reichenviertel und den Mittelstand sehr gut miteinander. Orte wie die Docks oder Sumpfgebiete machen New Bordeaux sehr abwechslungsreich und spannend. Wäre noch mehr zu tun gewesen, hätte die Stadt noch mehr überzeugt. Gerade im Dunklen kann die Welt mit ihrer Atmosphäre überzeugen. Abends bei guter Musik durch die Stadt zu crusen oder aber einen Verbrecher dingfest zu machen, ist schon ziemlich lässig. Die aufgebohrte Illusion Engine aus Mafia II ist zudem noch einmal ein ganzes Stück chicer, wenn auch nicht ganz bugfrei.

Grafik:

Mafia III sieht gut aus! Man ist versucht, den Begriff Fotorealismus in den Mund zu nehmen.
Fährt man mit seinem getunten Sportwagen die Straße entlang, hat die Sonne im Gesicht und womöglich ist die Straße sogar noch ein wenig nass, dann ist das wirklich schön. Die Framerate ist dabei leider nicht immer optimal, weshalb es hier und da zu Hängern kommt.

Neben den grandiosen Wettereffekten sind die Modelle der Autos wunderschön und kraftvoll. Wenn ihr die Reifen eures Muscle-Car durchdrehen lasst, dann könnt ihr das Gummi und das Profil regelrecht spüren. Wirklich Wahnsinn, was mittlerweile möglich ist – und das mit einer betagten Engine.

Ebenfalls bemerkenswert sind Mimik und Gestik der Charaktere. So gute Gesichtsausdrücke hat man selten gesehen. Wenn Pater James über Lincoln erzählt und sichtlich ergriffen ist, bewirkt das schon etwas im Spieler.

Mafia III bildet die Spielwelt auch grafisch hervorragend ab. (Copyright: Hangar 13 / 2K Games)

Mafia III bildet die Spielwelt auch grafisch hervorragend ab. (Copyright: Hangar 13 / 2K Games)

Kommen wir aber zu den Lowlights in der Engine. Beispielsweise kann es ganz gerne mal passieren, dass die Engine zwischen hell und dunkel hin- und herspringt und ein Fahrzeug mal komplett matt ist und im nächsten Moment vor Glitzerpartikeln nur so strahlt. Bit Mapping-Geschichten gehören mittlerweile wahrscheinlich genauso zum guten Ton wie Clippingfehler. Die findet ihr im Spiel auch vor, zum Glück aber nicht so häufig. Mafia III läuft so weit recht rund, bis auf die regelmäßigen Frameeinbußen kommen andere Fehler selten vor.

Sound:

Ein absolutes Highlight des ganzen Spiels ist die Songauswahl im Radio und die Musik, die in den Missionen gespielt wird. Beispiele gefällig? Dusty Springfield – „Son of a Preacher Man“, James Brown – „I Got You (I Feel Good)“ oder Johnny Cash – „Ring of Fire“ sind nur einige der Kracher in eurem Radio. Die Songauswahl untermalt hervorragend  die Epoche, in der die Handlung spielt.

Fazit:

Mafia III ist ein rundes Spiel und besitzt doch Ecken und Kanten. Die vorgegaukelte Freiheit erlischt relativ schnell und bricht es auf das Wesentliche herunter. Das ist im ersten Teil des Spiels relativ unschön und lässt euch das eine oder andere Mal das Pad zur Seite legen. Doch wer dran bleibt, erlebt einen Rachefeldzug, der sich gewaschen hat. Lincoln lässt in New Bordeaux niemanden am Leben, der es verdient hat zu sterben. Musik und Stil greifen dabei gut ineinander, wenn auch nicht so famos wie im ersten Teil der Serie. Fans und Spielfreunde sollten deshalb beherzt zugreifen, denn Mafia III ist kein GTA Abklatsch, sondern ein vollwertiger Triple-A-Titel in 2016.

Trailer

Beschreibung

Nach Jahren des Kampfes in Vietnam weiß Lincoln Clay: Familie ist nicht das, wo man hineingeboren wird, sondern das, wofür man stirbt. Als seine Ersatzfamilie, die schwarzen Gangster, von der italienischen Mafia verraten und ausgelöscht wird, gründet Lincoln auf der Asche der Vergangenheit eine neue Familie und schlägt eine Schneise der Rache und Vergeltung durch die Reihen der verantwortlichen Mafiosi.

(Quelle: 2K Games)

Mafia – Homepage
Mafia – Facebook

Details

Hersteller: Hangar 13
Publisher: 2K Games
Sprache: Deutsch
Schwierigkeit: Mittel bis Schwer
Freigabe: USK 18
Anzahl Spieler: Einzelspieler
Vö-Datum: 07.10.2016
Homepage Hersteller: Hangar 13

Copyright Cover: 2K Games



Über den Autor

Marcus
Marcus