Review

Vor allem Rollenspieler kennen sie, die Dungeons, in denen illustre Gegner auf ihren (im optimalen Fall) Niedergang warten. Solchen Bösewichten in nur fünf Minuten Spielzeit den Garaus zu machen, scheint manchmal etwas utopisch. Nicht so beim Kosmos Verlag, der mit „5-Minute Dungeon“ ein Spiel auf den Markt bringt, das mittels fröhlicher „Kartenwischerei“ mindestens 2 und maximal „5 Helden gegen die Zeit“ antreten lässt.

Fünf Dungeons (dargestellt in Form von fünf Boss-Tableaus) gilt es für die Spieler zu meistern, die wahlweise als Waldläufer, Jägerin, Ninja, Dieb, Barbar, Gladiator, Zauberin, Magier, Walküre oder Paladin (dargestellt in Form von Helden-Tableaus) ihr Glück versuchen.

Auf die Gegner, fertig, los! (Copyright: Kosmos)

Ausgestattet mit jeweils einer (dem ausgesuchten Helden zugeordneten) Spezialfähigkeit und einer übersichtlichen Anzahl an Heldenkarten (die Kartenanzahl der Start-Hand richtet sich nach der Spielerzahl) machen sich die Spieler gemeinsam auf, um sich den Bossen, angefangen vom „Baby-Barbar“ bis hin zum „Dungeon-Overlord“, entgegenzustellen.

Währenddessen ist ihr Weg von einigen Hürden und Mini-Bossen gepflastert. Doch wer wollte seine Kräfte nicht schon immer einmal mit einem „Zauberer mit schlechtem Ruf“, einem „Bonsai-T-Rex“, einem „knuffigen Goblin“, einem „Hai mit sexy Beinen“, „genau 26 Ninjas“, einem „Kaktus, der umarmen will“, einem „Haufen schreiender Kinder“, „7 Null-Bock-Zwergen“, einer „Zombietusse“ oder gleich „Zombies ohne Ende“ und vielen weiteren netten Überraschungen messen?! Da darf dann auch die „plötzliche Krankheit“, eine „Falltür“, „ein langsam ladender Bildschirm“, „ein Ad-hoc-Völkerball-Turnier“, „lebendiges Grünzeug“, das „Chaos“ oder „ein etwas unbequemer Stuhl“ („Game of Thrones“ lässt bei dieser Karte optisch grüßen) nicht fehlen.
Doch wie geht man gegen diese und ähnliche Gemeinheiten vor; vor allem, wenn der zusätzliche Gegner die Zeit ist?

Gekämpft bzw. gespielt wird gemeinsam und gleichzeitig, nicht reihum. Ein Spielprinzip, das der begrenzten Zeit von fünf Minuten pro Boss geschuldet ist, nicht selten aber auch mal zu chaotischen Verhältnissen führt. Denn mit voranschreitendem Dungeon werden auch die Hürden bis zum Endboss kniffliger. Parallel zur Kartenmenge nimmt somit auch die Hektik seitens der Spieler zu. Zum „Runterkommen“ und Senken des eigenen Stresspegels eignet sich „5-Minute Dungeon“ also weniger. Empfehlenswert und einsteigerfreundlich ist daher aber der Beginn auf leichtester Schwierigkeitsstufe. Von jenen gibt es drei an der Zahl (Lehrling, Held und Dungeon-Master), was für langanhaltenden Spielspaß sorgt, selbst wenn sich nach einigen Runden eine gewisse Routine einstellt, denn ausgefeilte Spielstrategien gibt es hier nicht.

Das Regelwerk, anschaulich und gut in der Spielanleitung erklärt, ist einfach und schnell verständlich. Einem schnellen Start von „5-Minute Dungeon“ steht daher nichts im Weg.
Wer sich dann für die 2-Spieler-Variante entscheidet, sollte die limitierten Möglichkeiten zum Siegen bedenken und daher bei der Heldenauswahl klug entscheiden, um mit gut kombinierten und geeigneten Spezialfähigkeiten die Gewinnchancen zu erhöhen.
Ratsam ist es ebenfalls, sich die Heldenkarten vorab einmal anzuschauen, da während des Spielverlaufs kaum Zeit bleibt, sich erst dann mit ihren einzelnen Funktionen vertraut zu machen.

Wenig Zeit bleibt während einer Spielrunde auch für die Beachtung der einzelnen Dungeon- und Quest-Karten. Dies ist insofern schade, da das haptisch sehr gute, strapazierfähige und noch dazu überschaubare Spielmaterial optisch ein wahrer Hingucker und zudem sehr lustig aufgemacht ist. Statt das Gagpotenzial einiger Karten jedoch würdigen zu können, ist über den Zeitraum von fünf Minuten eine hohe Konzentration erforderlich. Dadurch geht der kommunikative Aspekt dieses Gesellschaftsspiels verloren, während sich der interaktive Aspekt auf äußerste Notwendigkeiten beschränkt. Teilweise kommt somit das Gefühl auf, als spiele man eher für sich alleine als zusammen.

Das Spielmaterial von „5-Minute Dungeon“ (Copyright: Kosmos)

In seiner Kurzweil ist „5-Minute Dungeon“ zeitlich gesehen sicherlich ein „Pocket-Game“ und gut für zwischendurch; für unterwegs eignet es sich aber insofern nicht, da trotz des wenigen Spielmaterials trotzdem viel Platz benötigt wird (ein glatter, großer Tisch ist beispielsweise von Vorteil).

Apropos Zeit: Mit ihr steht und fällt das Spiel und so ist ein Timer dringend notwendig. Dieser ist im Lieferumfang nicht enthalten, es besteht aber die Möglichkeit, sich kostenlos die „5-Minute Dungeon“-Timer-App herunterzuladen.

Feststellen wird man letztlich noch, dass das Vorbereiten und Aufräumen respektive (Neu)sortieren der Karten weitaus länger dauert als eine Partie „5-Minute Dungeon“.

Wer also Spaß am Chaosstiften und anschließendem Aufräumen bzw. Sortieren hat, der sollte nun dringend zugreifen, um die hier wartenden lustig-schönen Bedrohungen zu bewältigen.

Spielinfo

5-Minute Dungeon ist das temporeiche, kooperative Echtzeit-Spiel für wahre Helden. Stellt euer Team zusammen und ab geht’s in den Dungeon. Monster, Hindernisse und fiese Endgegner warten dort auf euch. Pro Level habt ihr nur 5 Minuten Zeit – sprecht euch ab und nutzt bedacht eure Spezialfähigkeiten oder ihr werdet kläglich scheitern. Nur die wenigsten schaffen es, den finalen Dungeon-Overlord zu besiegen. Seid ihr bereit?

(Quelle: Kosmos Verlag)

Spielmaterial

5 Boss-Tableaus
5 Helden-Tableaus
5 x 40 Helden-Karten
40 Dungeon-Karten
10 Quest-Karten
1 Spielanleitung

Details

Hersteller: Kosmos Verlag
Sprache: Deutsch (Spiel & Handbuch)
Freigabe: Empfohlen ab 8 Jahren
Anzahl Spieler: 2-5
Spieldauer: 5 Minuten je Boss
Vö-Datum: 2017
Homepage Hersteller: Kosmos Verlag

Copyright Cover: Kosmos Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde