Review

Während das frühlingshafte Klima derzeit noch unbeständig zwischen sonnigen und bedeckten Phasen schwankt, liefert das Mainzer Electro-Duo X-O-Planet mit seinem Debütalbum „Passengers“ nicht nur einen passenden Soundtrack zur Wetterlage, sondern sorgt mit seinen elf Tracks auch für entsprechende Kurzweil in dieser Zeit.

Changierend zwischen einfachen, aber stets tanzbaren und dunkel-atmosphärischen Electro-Titeln reisen Goderic Northstar und Manja Kaletka, die einigen eventuell durch ihre einstige Gesangsperformance bei der Band Dark Diamonds noch ein Begriff sein könnte, mit „Passengers“ durch die unendlichen Weiten des Kosmos, inspiriert durch Science-Fiction Motive aus Literatur und Film sowie wissenschaftliche Entdeckungen und Theorien über das Universum, die Zeit, Materie und mögliches extraterrestrisches Leben. So liegt auch rein thematisch bereits eine Einordnung in den Bereich des Future Pop nahe; es sind hier allerdings vor allem die dunklen, sphärischen Töne, die das Potenzial des Projekts erkennen lassen.

Fabrizieren X-O-Planet nämlich Electro-Tracks ohne Highlights, insbesondere zu Beginn von „Passengers“ zu hören, klingt die Band noch sehr beliebig. Ein beständig ähnlicher Beat, der permanent helle, mit Hall versehene und scheinbar schwebende weibliche Gesang sowie die gleiche Atmosphäre zeugen in den ersten Titeln noch von wenig Abwechslung.
Auch die Einbindung des beliebten „Slave“-Themas, das den Song „Vice Versa“ ein wenig aufsext, stellt diesbezüglich nicht mehr als einen eher obligatorischen Titel dar (was angesichts des Latex-Outfits der Sängerin zu erwarten war, daher aber auch – weder im positiven noch im negativen Sinne – überrascht).

Dass sie allerdings auch anders können, beginnt das Duo ab Song 4 namens „Seek and hide“ verstärkt zu zeigen. Jener bricht dieses Muster erstmals durch ein schleppenderes Tempo und düstere Stimmung auf. Somit wird hier die dunkle Ausrichtung ihrer elektronischen Stilrichtung deutlicher betont, was Assoziationen zu Bands wie The Birthday Massacre oder L’Âme Immortelle weckt.

Im darauffolgenden Titeltrack „Passengers“ liefern die hinzugefügten männlichen Vocals weitere Extras, die den Sound von X-O-Planet bereichern, den Eindruck des anfänglichen Gleichklangs zunichtemachen und zusätzlichen Anreiz bieten, das Album weiterzuhören, da die Band scheinbar verspricht, immer mal wieder neue Facetten zu zeigen.
Einmal mehr fühlt man sich mit „Passengers“ an älteres L’Âme Immortelle Material erinnert – und dies betreffend stellt auch „Remember“ keine Ausnahme dar. Diese Anlehnung steht dem Projekt sehr gut, auf Albumlänge hätte man aber eine gewisse Eigenständigkeit intensiver herausarbeiten sollen.

X-O-Planet (Copyright: X-O-Planet)

Das Hitpotenzial innerhalb dieser Musikrichtung ist von Haus aus deutlich vorhanden, wird von X-O-Planet aber nicht ausreichend ausgeschöpft. So mangelt es dem gesamten Album an wahren Clubkrachern, schweißtreibenden Tanzanimierern und – sobald man die düster-sphärische Atmosphäre forciert – an einem eigenen musikalischen Profil. Denkt man diesbezüglich an das ehemalige Projekt von Manja, Dark Diamonds, war jener Band unter ihrer Mitwirkung ein eigenes Konzept zu bescheinigen. Das fehlt hier, obschon mit X-O-Planet ein eigenes Universum erdacht und angepeilt wurde. Auch die oft aufkommenden Parallelen zu einer Band wie L’Âme Immortelle könnten, wenngleich sie berechtigt und als dominante musikalische Richtung durchaus bei X-O-Planet begrüßenswert sind, mehr eigene Charakteristika aufweisen. Dann gelingt es auch, sich vom Überangebot an elektronischen Formationen herauszuheben und sich in diesem Metier als fester, ernst zu nehmender Bestandteil zu behaupten.

Video

Tracklist

01 Prelude
02 Can’t sustain
03 Exoplanet
04 Seek and hide
05 Passengers
06 Interlude
07 Remember
08 Anyway
09 Vice versa
10 Outer space
11 Postlude

Details

X-O-Planet – Homepage
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Label: Danse Macabre / Al!ve
Vö-Termin: 24.03.2017
Spielzeit: 45:55

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde