Review

Rund um J. R. Robinson und seinem Projekt Wrekmeister Harmonies scheint eine musikalische Welt aus Ambient, Rock, Experimental und doomigen Elementen zu entstehen, die sie auf ihrem aktuellen Album „Light Falls“ bündeln und damit die nächste Runde für solch ambitionierte Musik einleiten.

Thematisch basiert ihr Album auf einem Buch namens „If This Is A Man“ von Primo Levi. Der Schriftsteller verarbeitet darin seine Erfahrung aus seiner Gefangenschaft in Ausschwitz von 1944 bis 1945. Harter Tobak für ein musikalisches Grundgerüst. Ob das beim Hören überzeugen kann und den Nerv trifft, den es soll?

Hat man „Light Falls“ einmal durchgehört, lässt sich leider schnell ein Muster feststellen. Ein 7-Minuten-Track bleibt circa sechs Minuten ruhig, um dann in der letzten Minute mit verzerrten Gitarren mächtig für Lärm zu sorgen. Dabei paart man das Ganze mit viel Ambient- und sphärischen Sounds, um eine gewisse Stimmung zu erzeugen. Selbst mit Kopfhörern und in völliger Isolation springt der Funke jedoch nicht über.

Die ersten drei Tracks laufen zusammenhängend und auch hier ähnelt sich das Schema. Streicher kratzen über Saiten. Der Schlagzeugbeat bleibt stets langsam und ein doomiges Feeling wird aufgebaut. Die Noten sind jedoch nicht dissonant, sondern bilden eine langsame Melodie, die unter die Haut gehen soll.

Immerhin können sie mit Dynamik umgehen, denn gerade „Light Falls II – The Light Burns Us All“ erinnert diesbezüglich an Sólstafir. An ebenjene Qualität kommen Wrekmeister Harmonies jedoch bei Weitem nicht heran. Es fehlt an Tiefe und ihre extrem hohen Ambitionen wirken eher aufgesetzt, denn das Konzept erschließt sich vielleicht literarisch, aber nicht musikalisch.

Zudem hört man solche Tracks aktuell zuhauf. Jeder, der etwas Emotionales starten möchte, fährt die BPM-Zahl auf Sparflamme und versucht so auf sich aufmerksam zu machen.

Wrekmeister Harmonies (Copyright: Wrekmeister Harmonies)

Wrekmeister Harmonies (Copyright: Wrekmeister Harmonies)

Zwar ist es super, dass Robinson zudem viele Gastmusiker ins Boot holt, wenn man dann aber hört, was dabei herum kommt, fragt man sich schon, wo die ganzen grandiosen Musiker hin sind. Für eine Jamsession okay, auf Platte wirkt es eher mau.

Dafür passt der Sound zum Konzept. Roh und kalt kommt er daher und windet sich um euren Hals, denn die Luft zum Atmen will man dem Hörer hier nicht lassen.

So ambitioniert das Werk auch scheinen mag, so einfach und austauschbar ist es letztlich doch. Viele Köche verderben den Brei? Das würde ich nicht unbedingt sagen, aber je nachdem wie sich die Arbeit aufteilt, kann eben auch etwas Unspektakuläres dabei herauskommen. Im Fall von „Light Falls“ trifft dies zu.

Video

Trackliste

01 Light Falls I – The Mantra
02 Light Falls II – The Light Burn Us All
03 Light Falls III – Light Sick
04 The Gathering
05 Where Have You Been My Lovely Son?
06 Some Were Saved Some Drowned
07 My Loveley Son Reprise

Details

Wrekmeister Harmonies – Homepage
Wrekmeister Harmonies – Facebook

Label: Thrill Jockey / Rough Trade
Vö-Termin: 16.09.2016
Spielzeit: 42:26

Copyright Cover: Thrill Jockey

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Über den Autor

Marcus
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