Review

Hannover – eine Stadt, die zu schwermütiger Musik inspiriert? Im Fall von Konstantin Michaely und Nikolas Eckstein sieht es ganz danach aus. Die unter dem Projektnamen Wisborg formierten Musiker haben neun neue Songs kreiert, die sie ihren Hörern auf dem Album „The Tragedy Of Seconds Gone“ präsentieren.

Visuell an der Ästhetik der deutschen Stummfilmzeit orientierend, macht das Coverartwork allerdings noch keinen allzu einladenden Eindruck. Statt Hingucker müssen nun also Hinhörer ran.

Und durch den Opener „Seconds Gone“ versorgen Wisborg ihre Hörer sogleich mit straight nach vorne gespieltem Gothic Rock, der mit vorhandener Eingängigkeit für einen guten Einstieg in das Album sorgt.

Sofort fällt dabei natürlich die dunkle (sonore) Gesangsstimme auf. Mitunter lässt sie an ASP denken, in Verbindung mit der düsteren Stimmung, die im Folgesong „In The Haze Of A Drunken Hour“ noch einmal gesteigert wird, und dem melancholischen Grundton des Albums erinnert sie zeitweise aber auch an skandinavische Genrekollegen.

Beim konsequenten Gothic/Dark Rock bleibt es auf „The Tragedy Of Seconds Gone“ jedoch nicht ausschließlich, denn Wisborg kombinieren in ihrer Musik zudem Elemente des Post-Punk und Darkwave.

Im Infotext wird das Duo, das aufgrund ihrer dicht arrangierten Songs sogar eher als ganze Band wahrgenommen werden kann, außerdem zwischen The Sisters of Mercy, Type O Negative und Depeche Mode verortet. Tatsächlich liegt man mit diesen Analogien auch nicht ganz falsch. Von allen ein bisschen und gerne auch mal für eine Überraschung gut, fällt „Becoming Caligari“ beispielsweise schon etwas exzentrischer aus, während das dark-poppige Stück „The Sick Rose“ sogar sehr elektronisch angelegt ist. Zu entdecken gibt es somit viel auf „The Tragedy Of Seconds Gone“, sodass Wisborg Langeweile beim Hörer nicht aufkommen lassen.

Wisborg (Copyright: Wisborg)

Wisborg bieten auf ihrem Album „The Tragedy Of Seconds Gone“ sowohl Songs, die umgehend mitreißen, als auch Titel, die genregerecht eine passende Atmosphäre versprühen und zum genauen Zuhören bewegen. Selbst wenn das Duo dabei auf repetitive Strukturen innerhalb einzelner Tracks setzt und sich zum Teil Zeit nimmt, ihre Songs zu entwickeln, wird es hier weder eintönig noch langatmig.

Eine kleine Kritik müssen sich die Songlängen gefallen lassen, denn hin und wieder wirkt ein Titel etwas zu lang und scheinbar nicht auf den Punkt gebracht.

Dennoch: Nicht nur für Genre-Fans, auch für stilistische Grenzgänger ein interessantes Release.

Video

Tracklist

01 Seconds Gone
02 In The Haze Of A Drunken Hour
03 Becoming Caligari
04 The Sick Rose
05 Desire
06 Venus In Chains
08 Temptation & Hesitation
09 Winter Falls
10 Awaking Spring

Details

Wisborg – Homepage
Wisborg – Facebook

Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 27.04.2018
Spielzeit: 42:45

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde