Review

Während das Beste am Vorgänger „Ryk of Glory“ das Artwork war, lässt bei „European Masterplan“ sogar das zu wünschen übrig. Verzerrt, gefiltert und polarisiert bietet es außer einer Playlist und Danksagung wenig Inhalt und greift so dem Content des dritten Longplayers der ehemaligen Mitglieder von Dance or Die, Falgalas und Wagner, vor: Tiefgang und Abwechslung gibt es nur in Maßen, in ein stimmiges Konzept wollen sich die poppig bis folkig-ebmigen Titel auch nicht fügen. Dennoch gibt es den einen oder anderen Titel mit Unterhaltungswert auf dem durch Danse Macabre am 10.03.2017 veröffentlichten Album.

Der Opener „Agent Orange“ führt mit Snippets, Pauken und Trompeten in die Thematik ein: Vergangenheit, die unsere Gesellschaft so einiges lehren könnte. Oder vielleicht sogar einem universellen Lehrplan angehört?
Schon der Titel des Albums lässt, auch im Zusammenhang mit der stilistischen Einordnung im Martial Industrial und Neofolk, viel Raum für Spekulation. Allerdings wird dieser dann leider weniger gefüllt, bedient sich das Songwriting doch eher begrenzten Themenfeldern und nähert sich diesen auch auf sprichwörtlich ausgetretenen Pfaden.

Rituelle Rhythmen und melancholische Backvocals machen die Hoffnungslosigkeit in „Back to the Front“ allzu deutlich und der melancholische Synthie malt mit den klagenden Riffs und traurigen Trompeten in „The Fence“ ein Bild zu den besungenen „thousand strangers“, das die aktuelle politische Lage zwar ankratzt, aber die Diskussion darum nicht bereichert. Passt auch nicht so recht zum unpolitisch und „radikale Mitte“ sein wollen. Trotzdem einer der besten Songs des Albums, wird die stimmliche Klangfarbe hier doch immerhin ein wenig ausgeschöpft.

Zu der sonst gewohnten martialischen Eintönigkeit ist der Titeltrack „European Masterplan“ eine willkommen tanzbare Abwechslung, kann mit seiner elektronischen Seichtheit die Spannung aber nicht über „Ice and Light“ oder „Home is where my heart is“ halten.

„Preußisch Blau“ verspricht mit dem erzählenden Sprechgesang zwar ein wenig Abwechslung, verliert sich aber im Pathos der Heimatverehrung.

An die elektrisierende Spannung des Intros möchte „Gabriel“ scheinbar gerne anschließen, schafft diesen Schulterschluss aber nicht.

Winterhart (Copyright: Pixelstudio.Berlin)

„See you up in heaven“ bereichert das wenig harmonische Sammelsurium um emotionales Geklimper, minimale stimmliche Abwechslung und einen Chor, „Daydreams“ ist ein Fehltritt in die Gefilde des Synthpop und der Dudelsack in „French Carré“ gibt dem Mix den letzten Rest an marching plattitude.

Einziger Lichtblick, und somit ja wieder ganz im kriegerischen Rahmen, der auf keiner Seite Gewinner zulässt, ist der Bonustrack „Creeping Crawling“. Völlig aus dem Konzept, transportiert dieser Song eine spukige Atmosphäre und ist dennoch treibend und aufbrausend.

Alles in allem: tristes Grau.

Video

Tracklist

01 Agent Orange
02 Back to the Front
03 The Fence
04 European Masterplan
05 Ice and Light
06 Preußisch Blau
07 Home is where my Heart is
08 Daydreams
09 Gabriel
10 See you up in Heaven
11 Isis Cult
12 Verdun
13 French Carré
14 Creeping Crawling

Details

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Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 10.03.2017
Spielzeit: 62:09

Copright Cover: Danse Macabre



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Maria
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