Review

Ganze fünf Jahre haben White Skull ihre Fans auf ein neues Album warten lassen, das unter dem Titel „Will Of The Strong“ nun endlich in den Plattenregalen steht.

Da die bisherigen Veröffentlichungen der Italiener von den Hörern sehr zwiespältig aufgenommen wurden, durfte man doch gespannt sein, was die Power Metaller anno 2017 zu bieten haben. Nach der Rückkehr von Sängerin Federica „Sister“ De Boni 2011 zur Band schien man sich bereits mit der Veröffentlichung „Under This Flag“ wieder auf alte musikalische Qualitäten besonnen zu haben – und daran knüpft auch „Will Of The Strong“ weiter an.

Nach dem orchestralen Intro „Endless Rage“, das entsprechend Stimmung aufbaut, rollt bereits „Holy Warrior“ wie ein Tsunami über den Hörer hinweg. Sich ihm zu entziehen, fällt aufgrund seines eingängigen Charakters schwer.

Auch die nachfolgenden Nummern wie „Grace O‘ Malley“ oder der Titeltrack entwickeln durch das Power-Drumming und tighte Spiel der Sechssaiter mächtig Drive, während sinfonische Keyboardarrangements für passende zusätzliche Untermalung sorgen.

Insgesamt befinden sich überwiegend schnelle Songs auf „Will Of The Strong“, die aber alle auch ihre ruhigen Momente besitzen, um die Nackenmuskeln kurzzeitig zu entspannen. Einzig „Sacrifice“ präsentiert sich durchweg etwas sanfter. Doch trotz der traurigen Songthematik kommen die Emotionen beim Hörer hier nicht so ganz an.

Dies könnte an der rauen, kratzigen Stimme von Federica De Boni liegen. Jene ist markant (das muss man mögen!), passt allerdings zu den White Skull-Songs wie die berühmte Faust aufs Auge. Zu keinem Zeitpunkt lässt sie sich von der Instrumentalfraktion unterkriegen oder in den Hintergrund drängen, sondern ist stets präsent.

Leider kann das die zweite Albumhälfte nicht von sich behaupten, denn das hohe Anfangsniveau kann nicht aufrechterhalten werden, wobei man die Messlatte natürlich selbst extrem hoch gelegt hat. Dafür gibt es als Entschädigung zahlreiche Gitarrensoli und (zum Glück nur wenige) Keyboardspielereien.

„Will Of The Strong“ ist somit ein richtig gutes Power Metal-Album geworden, das rundum Spaß macht und die „alten“ Fans auf jeden Fall versöhnen wird. Aber auch diejenigen, die White Skull bisher noch nicht oder nicht mehr auf dem Radar hatten und schnellem Melodic Power Metal nicht abgeneigt sind, dürfen gerne zugreifen. Denn White Skull beweisen eindrucksvoll, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören.

White Skull (Copyright: White Skull)

„Will Of The Strong“ überzeugt von seinen Kompositionen über die Arrangements bis hin zur Produktion in sämtlichen Belangen. Alles bewegt sich zwar im traditionellen Rahmen des Genres, doch White Skull kombinieren die Zutaten geschickt und mit Augenmaß, sodass man sich als Hörer nur schwer dem musikalischen Geschehen entziehen kann. Dreh- und Angelpunkt der Songs bildet natürlich De Bonis Stimme, die einen hohen Wiedererkennungswert besitzt und damit beweist, dass es in diesem Bereich nicht immer nur Sopran oder Doro sein muss, um zu gefallen.

In diesem Sinne: CD einlegen, Anlage aufdrehen und mitbangen!

Video

Tracklist

01 Endless Rage
02 Holy Warrior
03 Grace O‘ Malley
04 Will Of The Strong
05 Lady of Hope
06 I Am Your Queen
07 Hope Has Wings
08 Metal Indian
09 Shieldmaiden
10 Sacrifice
11 Lay Over
12 Warrior Spirit

Details

White Skull – Homepage
White Skull – Facebook

Label: Dragonheart Records / Audioglobe
Vö-Termin: 09.06.2017
Spielzeit: 58:37

Copyright Cover: Dragonheart Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde