Review

Was haben Vogelfrey mit „Sturm und Klang“ 2015 für ein starkes Album abgeliefert! Grund genug, dieses ein Jahr später auch als Live-Veröffentlichung auf den Markt zu bringen. Nun soll ein neues Werk den Erfolgskurs der Band fortsetzen und dafür versetzt man sich selbst als auch die Hörer „In Ekstase“. Oder nicht?

Der Albumtitel umreißt immerhin schon mal das Konzept des elf Songs umfassenden Silberlings: Rauschzustände jeglicher Art werden thematisiert und in mittelalterliche, folk-metallische Klanggewänder gekleidet. Der typische Folk-Anteil wirkt dabei sehr zurückgeschraubt und damit beispielsweise Reggae-Rhythmen („Rauschpfeife“) oder aggressiven Metal-Parts („Der Meister“) Platz gemacht.

Schnell wird deutlich, dass „In Ekstase“ für Vogelfrey- und auch Mittelalter-/Folk-Metal-Verhältnisse wenig Ohrwürmer aufweist. Zwar sind viele Titel prompt mitsingbar und einprägsam, nicht zuletzt durch zwangsgereimte Verse und das Zurückgreifen auf beliebte Floskeln, über eine nur durchschnittliche Darbietung kommt das Sextett allerdings diesmal nicht hinaus.

Die Texte oftmals sehr einfach gehalten, das gesamte Album auf Kurzweil ausgelegt, scheint es außerdem so, als wollten Vogelfrey einmal testen, was sie ihren Hörern wohl alles zumuten können, bis diese eventuell das Fan-Handtuch schmeißen. So wirkt ein „Wach im Traum“ partiell arhythmisch arrangiert und durch die Kürze des Tracks beinahe wie ein Interlude. Einen teils eher disharmonischen Höreindruck hinterlässt phasenweise auch „Abgesang“.
Vogelfrey gehen hier nicht auf Nummer sicher, entsprechend abhängig sind viele Songs vom Wohlwollen und Geschmack der Konsumenten. Im Ergebnis heißt das auch: wie bereits erwähnt wenig Ohrwürmer, auf den Punkt gespielte potenzielle Live-Hits oder Playlist-Dauerbrenner.

Vogelfrey (Copyright: Vogelfrey)

So schnell das Interesse an „In Ekstase“ geweckt wird, so zügig nimmt es ab. Da nach „Berserkerwut“, dessen musikalische Umsetzung dem Titel mehr als gerecht wird, der Abschluss in Form von „Mondsucht“ und „Abgesang“ zunehmend ruhiger wird, gehen zudem der Schwung und die Energie des Albums verloren.

Obwohl das vierte Studioalbum der Hamburger Truppe kein schlechtes ist, lassen sich hier nicht die einstigen Lobgesänge von „Sturm und Klang“ anstimmen. Solide spielen Vogelfrey ihr neues Material herunter. Nicht mehr, aber auch nicht weniger als durchschnittliche Kost wird geboten, die erhoffte Ekstase bleibt allerdings aus (oder dieses Mal nur der Band und eingefleischten Fans vorbehalten).

Video

Tracklist

01 Crystal Met
02 Mittelalter Rockstar
03 Der Meister
04 Rauschpfeife
05 Heiland
06 Tanz für mich
07 Maskenball
08 Wach im Traum
09 Berserkerwut
10 Mondsucht
11 Abgesang

Details

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Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 25.08.2017
Spielzeit: 46:06

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde