Review

Vanish passen in keine Schublade; modern, aber trotzdem oldschool, anspruchsvoller Power Metal mit etwas Prog, Thrash und Emotion, aber trotzdem mit Melodie und Groove.

So beschreibt der Pressetext die Band aus Stuttgart, die auf ihrer Facebookpräsenz zudem ihren Sinn für Humor unter Beweis stellt, indem „David Hasselhoff, Scooter, Die Prinzen, Die Amigos and many more“ augenzwinkernd die Zeilen füllen, die beschreiben, welche Künstler die Band gut findet.
Könnte man nun annehmen, das Quintett wüsste stilistisch nicht ganz, wohin es wolle, liegt man falsch. Und das macht das aktuelle Album „The Insanity Abstract“ mehr als deutlich.

Obschon das Intro daran noch zweifeln lässt. Zwar baut der gleichzeitige Titeltrack Atmosphäre auf, sorgt aber durch verzerrte sampleartige und elektronische Zugaben, die schließlich in separaten Klaviertönen münden, für Verwirrung. Es werden daher zunächst einmal Erwartungen hinsichtlich der Stilistik geschürt, die bereits mit dem eigentlichen ersten Titel „The Pale King“ zunichtegemacht werden. Jener, auch als erste Single fungierend, zeigt die Marschrichtung an: Es wird hart, es wird prog-metallisch und vor allem wird es opulent und voluminös.

Dazu trägt nicht zuletzt das Hammerorgan von Sänger Bastian Rose enorm bei. Er passt stimmlich nicht nur zum Metal, er ist für diese Richtung ohne Frage geboren worden und erfüllt seine Aufgabe am Mikro mit hörbarer Inbrunst und Leidenschaft. Sein starkes Organ ist auf Albumlänge stets sehr präsent und füllt die insgesamt zwölf neuen Songs hervorragend aus. Dabei transportiert er die emotionalen Parts mit dem nötigen gesanglichen Feingefühl an die Hörer und schmettert energisch zu den härteren Passagen seine Töne heraus.

Die Bombast versprühende Gesangsstimme, aber auch viele (im positiven Sinne) langatmige Sequenzen innerhalb eines Songs erwecken zeitweise das Gefühl, eine Rock Oper im Player zu haben. „Lilith Cries“ strahlt beispielsweise eine derartige Erhabenheit aus, die von diesen Faktoren sowie durch den Klaviereinsatz und die ausladenden Songaufbauten auf brillante Art und Weise profitiert.

Man hört nicht nur hier deutlich, dass Vanish mehr wollen, als nur Songs, die auf Nummer sicher komponiert werden. Dabei muss man auf Eingängigkeiten durch viele schöne melodiöse Phasen nicht verzichten, wenngleich die Titel eine hohe Komplexität besitzen und spannende Songentwicklungen permanent vorhanden sind. „The Insanity Abstract“ bleibt somit über seine gesamte Spiellänge äußerst zugänglich.

Vanish (Copyright: Vanish)

Einzig die elektronischen Einsprengsel, die den modernen Charakter des Albums unterstreichen und oftmals für das gewisse Etwas sorgen, erscheinen ab und zu (wie im ansonsten herausragenden „Frame By Frame (Slipstream Part 2)“) eher gewöhnungsbedürftig und deplatziert wie schon im Intro. In „We Became What We Are“ gelingt die Integration dieser Elemente weitaus besser, sodass der Hörfluss dadurch an dieser Stelle nicht gestört wird. Das harmonischere Einbinden dieser Extras wäre für die Zukunft daher wünschenswert.

Trotz dieses züngelnden Funkens Kritik bleibt uns angesichts der herausragenden und wuchtigen Gesamtleistung allerdings dennoch nur die Höchstpunktzahl zu vergeben. Respekt vor diesem Brett und Hörerlebnis!

Video

Tracklist

01 The Insanity Abstract
02 The Pale King
03 Follow
04 Make Believe (Slipstream Part I)
05 Lilith Cries
06 Frame By Frame (Slipstream Part II)
07 Unforgivable Blackness
08 We Become What We Are
09 Diisbelief (Slipstream Part III)
10 That Way Madness Lies
11 Somewhere Along The Line
12 When The Mind Bursts

Details

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Label: Fastball Music / Soulfood
Vö-Termin: 29.09.2017
Spielzeit: 61:11

Copyright Cover: Fastball Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde