Review

Unlängst ließen Unzucht den „Kettenhund“ los. Es folgte der „Neuntöter“ und 2018 benennt man mit „Akephalos“ das aktuelle Album nach einem kopflosen Dämon aus der altgriechischen Mythologie.

Die Band ist nicht nur für neue Ideen immer gut, auch stilistisch sorgt das Quartett um Sänger Der Schulz durch stilistische Kombinationen für positive Überraschungen. Davon zeugen nunmehr die zwölf Tracks auf „Akephalos“, die es zusammen auf eine abwechslungsreiche Gesamtspielzeit von knapp 55 Minuten bringen.

Abwechslungsreich fällt das Album insofern aus, da Unzucht mit diversen Stilelementen jonglieren, ohne ihren bekannten Grundtenor aus den Augen zu verlieren. Zwischen NDH und Dark Rock/Metal loten sie die Grenzen gekonnt und u.a. mit Zusätzen aus dem elektronischen Bereich aus. So entstehen neben den typischen sofort zündenden, eingängigen Unzucht-Songs, wie man sie bisher kennt und die immer auf dem Punkt sitzen, Titel wie der synthpop-rockige „Der schmale Grad“ oder das Industrial-lastige „Fleisch und Ruinen“.

Ihre Bandbreite stecken Unzucht auch gesanglich ab. Von gefühlvollen, melodischen Momenten über verzerrte Vocals bis hin zu harsch-aggressiven gutturalen Attacken wird alles abgedeckt, was das unzüchtige Hörerherz begehrt. Präsentiert wird der dadurch ausdrucksstark transportierte Inhalt ausnahmslos auf Deutsch.

Unzucht (Copyright: Unzucht)

Und in ihren abermals deutschsprachigen Texten ist der Dativ dem Genitiv definitiv nicht sein Tod. Denn Unzucht verschwenden ihre Zeit nicht mit hohlen Phrasen, Floskeln oder das Verwurschteln von Redensarten in gewollt gereimter Form. Ihre Lyrics besitzen stattdessen ausreichend Tiefe und Wortgewandtheit, die gerade durch die Sangeskunst von Der Schulz einmal mehr an Emotionalität gewinnen. Zwar tauchen spezielle Keywords seit Bandbestehen immer wieder in ihren Texten auf, diese werden jedoch stets anders (und nicht selten poetisch-metaphorisch) verarbeitet. Auf Plattitüden, wie im Genre und bei einigen anderen Bands leider zu häufig anzutreffen, stößt man auf „Akephalos“ somit nicht.

Bereits „Neuntöter“ haben wir bescheinigt, ein Album zu sein, das keinen Platz für Lückenfüller oder Enttäuschungen lässt. Von hart über zart weiß auch auf „Akephalos“ jeder Song auf seine eigene Art zu überzeugen. Darüber hinaus bietet das Album neben weiteren potenziellen zukünftigen Band-Hits kleine Überraschungen, die das Interesse am Output aufrechterhalten und jenes viele weitere Male in den Player befördern werden.

Video

Tracklist

01 Projektil
02 Nela
03 Der Tod in mir
04 Die verbotene Frucht
05 Akephalos
06 Du fehlst
07 Der schmale Grat
08 Nur die halbe Wahrheit
09 Nachts im Meer
10 Fleisch und Ruinen
11 Das sichere Ufer
12 Ein Wort fliegt wie ein Stein (feat. Saltatio Mortis)

Details

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Label: Out of Line Music
Vö-Termin: 27.07.2018
Spielzeit: 54:31

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde